Der politische Druck auf den Streaming-Giganten Netflix hat am vergangenen Wochenende eine neue Eskalationsstufe erreicht. US-Präsident Donald Trump forderte das Unternehmen via Truth Social ultimativ dazu auf, das Vorstandsmitglied Susan Rice mit sofortiger Wirkung zu entlassen. Diese Forderung verknüpfte er mit deutlichen Drohungen hinsichtlich der künftigen Geschäftstätigkeit des Konzerns, was die Netflix-Aktie zum Wochenauftakt zusätzlich belastet.

Hintergrund der präsidialen Wut sind Äußerungen, die Susan Rice in einem Podcast tätigte. Dort warnte sie Unternehmen und Institutionen davor, sich aus reinem Opportunismus auf die Seite Trumps zu schlagen. Sie betonte, dass Akteure, die rechtliche oder ethische Standards missachteten, im Falle eines demokratischen Wahlsiegs bei den Zwischenwahlen 2026 oder der Präsidentschaftswahl 2028 mit Konsequenzen rechnen müssten. Trump bezeichnete Rice daraufhin als „politische Aktivistin“ ohne Talent und forderte ihre sofortige Entfernung aus dem Kontrollgremium.

Fusion mit Warner Bros. Discovery auf der Kippe

Besonders brisant ist die Attacke im Kontext der geplanten Megafusion: Netflix strebt die Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) für rund 72 Milliarden US-Dollar an. Trump griff Forderungen aus seinem engsten Umfeld auf, diesen Deal umgehend zu stoppen. Da das US-Justizministerium das Vorhaben derzeit ohnehin auf wettbewerbsrechtliche Bedenken prüft, wächst die Sorge am Markt, dass das Verfahren durch die politische Einflussnahme zusätzlich erschwert oder gar blockiert werden könnte.

Zudem erhält die Konkurrenz Aufwind: Paramount hat kürzlich ein verbessertes Übernahmeangebot vorgelegt, was die Verhandlungsposition von Netflix weiter schwächt. Das "Zollchaos" und die allgemeine Unsicherheit über die künftige Regulierung im Mediensektor unter der aktuellen US-Administration tun ihr Übriges, um das Investorenvertrauen zu dämpfen.

Anlage-Check: Netflix-Aktie im Abwärtssog

An der Börse reagierte das Papier (WKN: 552484) bereits mit Kursverlusten. Die Kombination aus steigenden Ausgaben für Inhalte, dem drohenden Scheitern des Warner-Deals und dem direkten Konflikt mit dem Weißen Haus sorgt für ein volatiles Umfeld. Experten raten derzeit zur Zurückhaltung, da ein Einstieg bei Netflix aufgrund der unklaren regulatorischen und politischen Gemengelage momentan mit hohen Risiken behaftet ist.

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