Ein deutscher Autokonzern hat am Mittwoch mit seinen Zahlen überzeugt - und zieht damit den gesamten Sektor nach oben. Analysten sind voll des Lobes. Selbst den neuen Zollstreitigkieiten kann der CEO noch etwas Positives abgewinnen.
Während Volkswagen und Mercedes zuletzt wiederholt enttäuschten, hat sich der Autobauer BMW im ersten Quartal einmal mehr überraschend gut geschlagen. Dank ordentlicher Geschäfte in Europa hielten sich die Gewinn-Auswirkungen der Zölle in den USA und des schwierigen Marktumfelds in China in Grenzen. So fiel die operative Gewinnmarge im Kerngeschäft am Ende besser aus als befürchtet. Allerdings belastet eine überraschend erhöhte Risikovorsorge für Entschädigungen von Autofinanzierungskunden in Großbritannien das Ergebnis.
Deutlich stabiler als die Konkurrenz
Der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel um gut 36 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Der Umsatz ging um gut acht Prozent auf 31 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich sackte der Überschuss um fast ein Viertel auf 1,67 Milliarden Euro ab.
Wie im Gesamtjahr 2025 konnten die Münchner damit auch im ersten Quartal höhere Gewinne als Erzrivale Mercedes und der sehr viel größere VW-Konzern einfahren. Die Schwaben verbuchten von Januar bis März unter dem Strich 1,43 Milliarden, die Wolfsburger 1,56 Milliarden Euro. Das Management um den scheidenden Chef Oliver Zipse bestätigte dennoch seinen Jahresausblick.
BMW-Aktie 7 Prozent im Plus
Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern im Autogeschäft ging im Jahresvergleich gleichwohl um 1,9 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent zurück. Das war dennoch besser als von Experten befürchtet. Der Rückgang ist vor allem auf erhöhte US-Zölle zurückzuführen, die die Marge mit 1,25 Prozentpunkten belasteten und BMW damit rund 300 Millionen Euro kosteten.
Die BMW-Aktie legte nach den Zahlen bis zum Mittag um rund sieben Prozent auf 82,70 Euro zu und lag damit hinter MTU und Continental an der DAX-Spitze. Damit konnte BMW sein Minus seit Jahresbeginn etwas eindämmen. Die Aktie zog auch die Kurse der Konkurrenten Porsche und Mercedes mit nach oben.
Analysten loben die Zahlen
Sowohl bei der Marge im Autogeschäft als auch beim freien Mittelzufluss habe BMW besser abgeschnitten als gedacht, schrieb Analyst Stephen Reitman vom Analysehaus Bernstein Research. Dabei habe sich BMW noch keine Zollerstattungen in den USA gutgeschrieben.
Nach eigenen Aussagen hält Zipse die neuen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, die Zölle für Autos zu erhöhen, nur für eine Drohung beziehungsweise eine Aufforderung an die EU, den im vergangenen Jahr vereinbarten Zolldeal umzusetzen. Dafür äußerte der BMW-Boss Verständnis. Zipse zeigte sich überzeugt, dass es bald zu einer Lösung kommen werde.
Darüber hinaus hoffe er auf weitere Erleichterungen. Zipse gab sich zuversichtlich, dass es zu einer Vereinbarung kommen könne, bei der Autos, die ein Hersteller aus den USA exportiert, bei den Zöllen für Importe berücksichtigt werden. BMW würde davon wegen seines großen Werks in Spartanburg (South Carolina) stark profitieren.
Rekord bei Auftragseingängen in Europa
Zuversichtlich ist BMW auch dank der anziehenden Bestellungen. „Nie zuvor haben wir in Europa so viele Auftragseingänge erzielt wie in den ersten drei Monaten des Jahres“, sagte Konzernchef Zipse und betonte, man habe mit der Einführung der vollelektrischen Modellgeneration „Neue Klasse“, zu der etwa der neue i3 und der iX3 gehören, die richtige Entscheidung getroffen. Insgesamt sieht er das Unternehmen „richtig aufgestellt, um auch unter herausfordernden Bedingungen nachhaltig erfolgreich zu sein“.
BMW will angesichts der aktuellen Entwicklung dennoch sparen. „Im wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld blicken wir stets auf die Kosten“, sagte Finanzvorstand Walter Mertl. „Wir setzen an diversen Stellhebeln im Unternehmen an, und unser Kostenmanagement zielt auf nachhaltige Wirkung.“
Zipse ist noch bis zur BMW-Hauptversammlung am 13. Mai Konzernchef. Am 14. Mai übernimmt sein designierter Nachfolger Milan Nedeljkovic. Bislang ist er Produktionsvorstand, ein Amt, das auch Zipse vor seinem Aufstieg an die Unternehmensspitze bekleidet hatte. Er übernimmt ein robustes Unternehmen in schwierigem Fahrwasser.
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Enthält Material von dpa-AFX