Ein direkter Konkurrent aus den USA kann heute an der Börse um 13 Prozent zulegen – und zieht die Aktie von Siemens Energy mit. Warum auch für die Münchner jetzt noch mehr drin ist.
Für Aktionäre von Siemens Energy ist der Blick über den Atlantik heute besonders spannend: GE Vernova, der große US-Rivale im Energieanlagen-Geschäft, hat starke Zahlen vorgelegt und damit zugleich die Messlatte für die Branche höher gelegt. Kurz nach Handelsstart in den USA liegt die GE Vernova Aktie am Mittwoch bereits 13 Prozent im Plus. Siemens Energy zieht in Europa mit – die Aktie gewinnt inzwischen fast sechs Prozent.
Starke Nachfrage treibt Umsatz und Aufträge
GE Vernova meldet für das erste Quartal einen Umsatz von 9,34 Milliarden US-Dollar, etwas mehr als von Analysten erwartet. Treiber war vor allem die weiterhin hohe Nachfrage nach Netztechnik und Gasturbinen. Auch der Auftragseingang entwickelte sich sehr kräftig: Der Auftragsbestand liegt mittlerweile bei 163 Milliarden US-Dollar. Das unterstreicht, dass die Investitionswelle in Netze und Stromerzeugung nicht nur ein kurzer Hype ist, sondern noch lange anhalten wird.
Ergebnis-Sprung mit Sondereffekt
Der Nettogewinn sprang von zuvor 264 Millionen auf 4,75 Milliarden Dollar in die Höhe, was einem Ergebnis von 17,44 US-Dollar pro Aktie entspricht. Scheinbar hat GE Vernova damit die Prognosen um ein Vielfaches übertroffen, denn Analysten hatten nur 2,00 Dollar je Aktie auf dem Zettel. Die Erklärung dafür ist jedoch ein Sondereffekt: Das Unternehmen hatte im abgelaufenen Quartal die vollständige Übernahme von Prolec GE für 5,275 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, was sich unmittelbar gewinnsteigernd auswirkt.
Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte das bereinigte Ergebnis 896 Millionen Dollar. Auch die EBITDA-Marge fiel stark aus: Bereinigt lag sie bei 9,6 Prozent, nach 5,7 Prozent vor einem Jahr.
Vernova-Zahlen lasen Siemens-Energy-Aktionäre träumen
Nach dem guten ersten Quartal zeigt sich GE Vernova zudem optimistischer für das Gesamtjahr 2026 und hebt die Ziele für den Umsatz (44,5 bis 45,5 Milliarden US-Dollar) , die Marge (12 bis 14 Prozent) und den freien Cashflow an. Letzterer soll nun auf satte 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar steigen, bisher wurden nur 5,0 bis 5,5 Milliarden erwartet.
Die wirklich sehr guten Zahlen schüren nun auch bei Aktionären von Siemens Energy die Hoffnung auf mehr. Insbesondere die stark gestiegene Marge zeigt, dass die Nachfrage so groß ist, dass die Anbieter eine hohe Preissetzungsmacht haben – und offenbar auch steigende Rohstoff- und Beschaffungspreise ohne größere Probleme an die Kunden überwälzen können.
Wenn bei GE Vernova Aufträge, Margen und Barmittelzufluss aus dem Tagesgeschäft steigen, dann könnte das auch bei den Deutschen so sein. Deshalb springt die Aktie von Siemens-Energy heuet ebenfalls stark an und setzt sich an die DAX-Spitze.
Aufschluss darüber, wie das abgelaufene Quartal bei den Münchnern gelaufen ist, gibt es erst am 12. Mai. Dann legt Siemens Energy die Zahlen für sein im Siemens-Geschäftsjahr dann schon zweites Geschäftsquartal vor.
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Häufige Fragen zum Thema
Was macht SIemens Energy?
Siemens Energy ist ein weltweit führender Energietechnikkonzern, der die gesamte Energiewertschöpfungskette abdeckt: von der Stromerzeugung (konventionell und erneuerbar) bis zur Übertragung und Speicherung. Das Unternehmen baut Gasturbinen, Windkraftanlagen, Transformatoren und bietet Lösungen für Wasserstoff sowie Netztechnik an, um n ach eigeen Angaben die Dekarbonisierung der Industrie zu unterstützen.
Was verbindet Siemens Energy mit dem Siemens-Konzern?
Die Siemens AG hat ihre Kraftwerkstechnik im Jahr 2020 unter dem Namen Siemens Energy abgespalten. Die Aktien werden seit September 2020 an der Börse gehandelt. Im April 2026 hielt Siemens noch 5,44 Prozent der Anteile.
Wann endet das Geschäftsjahr bei Siemens Energy?
Das Geschäftsjahr aller Siemens-Gesellschaften weicht vom Kalenderjahr ab und endet jeweils am 30. September. Das ist auch bei früheren Töchtern der Siemens AG wie Infineon, Siemens Energy oder Siemens Healthineers so.