Volkswagen-Aktie fällt ans Dax-Ende - VW hielt Informationen in Abgasskandal zunächst geheim
· Börse Online Redaktion
"Die vorübergehende Geheimhaltung diente damit nicht etwa der Verschleierung des Compliance-Verstoßes", schreiben die Anwälte von VW. Vielmehr habe man dadurch auch mehr Zeit für die weitere Aufklärung gewinnen wollen. Über welchen Zeitraum sich die Geheimhaltung erstreckte, geht aus dem Dokument nicht klar hervor.
Aktionäre machen vor dem Landgericht Braunschweig geltend, das Unternehmen habe zu spät darüber informiert. Sie begründen damit ihre Schadensersatzforderungen für erlittene Kursverluste. Börsennotierte Unternehmen wie Volkswagen müssen Informationen umgehend veröffentlichen, die den Börsenkurs beeinflussen können. VW ist davon überzeugt, die kapitalmarktrechtlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllt zu haben.
Die US-Umweltbehörde EPA hatte am 18. September vergangenen Jahres den Vorgang öffentlich gemacht. VW räumte die Manipulationen erst zwei Tage später ein. Tags darauf stürzte die VW-Aktie um fast 20 Prozent ab, Europas größter Autokonzern verlor binnen weniger Stunden zwölf Milliarden Euro an Börsenwert. Am 22. September gab Volkswagen in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von der Manipulation betroffen sind und 6,5 Milliarden Euro für die Reparatur der Fahrzeuge zur Seite gelegt wurden.
Bereits am 3. September räumten VW-Techniker den Angaben zufolge gegenüber der EPA den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung ein. Einen Tag später wurde der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn in einer Notiz darüber unterrichtet. Danach versuchte VW, den Schaden in Gesprächen mit dem Umweltbehörden zu begrenzen. Dabei setzten die Verantwortlichen darauf, dass sich die Strafe in Grenzen halten würde. Sowohl die Rechtsabteilung als auch der für die Ad-hoc-Publizität verantwortliche Vorstand seien von einem maximal hohen zweistelligen beziehungsweise unteren dreistelligen Millionenbetrag ausgegangen.
Kursrelevant sei letztlich allein die aus Sicht von VW "unerwartete" öffentliche Bekanntgabe der Abgasmanipulation durch die EPA am 18. September gewesen. Darin drohte die EPA Volkswagen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetzte mit einer Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Der darauf folgende Kursverlust sei eine "Überreaktion" der Börse gewesen, argumentieren die VW-Anwälte.
Reuters
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