Am Mittwoch (15. April 2026) veröffentlicht der Chipausrüster ASML seine Ergebnisse zum ersten Quartal 2026. Worauf achtet die Börse? Was sagen die Analysten? Die wichtigsten Fakten auf einen Blick.
Nach einer beeindruckenden Rally von über 120 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten notiert die ASML-Aktie nahe ihrem Allzeithoch. Entsprechend hoch sind inzwischen auch die Erwartungen der Investoren an die anstehenden Quartalszahlen. Am Mittwoch wird sich zeigen, ob das Unternehmen diese erfüllen kann. Hier finden Sie die wichtigsten Punkte, auf die Anleger achten sollten.
Hohe Konsens-Erwartungen
Im Schnitt erwarten die Analysten für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 10,13 Milliarden Dollar (entspricht rund 8,66 Milliarden Euro). Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. ASML selbst hatte allerdings nur einen Umsatz zwischen 8,2 und 8,9 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Für den Gewinn je Aktie (GAAP) werden 7,73 Dollar (entspricht rund 6,60 Euro) erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutet das einen Anstieg von 13 Prozent. In sechs der vergangenen acht Quartale konnte ASML sowohl die Gewinn- als auch die Umsatzerwartungen der Analysten übertreffen.
Mindestens genauso wichtig wie die Zahlen für das abgelaufene Quartal ist für Investoren der Umsatzausblick auf das zweite Quartal 2026. Dort erwarten Analysten Erlöse von 10,68 Milliarden Dollar (entspricht rund 9,13 Milliarden Euro). Es ist davon auszugehen, dass alles unter einem deutlichen Übertreffen der Umsatzerwartungen als Enttäuschung gewertet wird.
Drei Dinge, die sonst noch wichtig werden
1. Aussagen des Managements zur langfristigen Entwicklung des KI-Booms: Da ASML der unumstrittene Weltmarktführer bei Anlagen zur Chipfertigung ist, wird mit Spannung darauf gewartet, ob das Management mehrjährige Prognosen zu den Wachstumsraten im KI-Markt abgeben wird. Auch dürfte genau darauf geachtet werden, auf welche Summen ASML die enormen Investitionsausgaben der Hyperscaler in KI einschätzt. Ein wichtiger Indikator dafür werden die Auftragseingänge von ASML sein. Bereits im vierten Quartal 2025 stiegen die Bestellungen - etwa von Chipfertigern wie TSMC oder SK Hynix - um 144 Prozent gegenüber dem dritten Quartal, was die ungebrochen hohe Nachfrage unterstreicht.
2. Prognosen zum China-Geschäft: Vor wenigen Wochen wurde in den USA ein Gesetzesentwurf vorgelegt, der den Export von DUV-Lithografieanlagen nach China beschränken soll. Dies könnte sich laut Analysten negativ auf Umsatz und Gewinn auswirken. In diesem Artikel können Sie die Details nachlesen. Es ist zu erwarten, dass in der Analystenkonferenz vermehrt Fragen zu dieser regulatorischen Problematik gestellt werden. Für die ASML-Aktie wird entscheidend sein, wie souverän das Management auf diese Fragen reagiert und ob es gelingt, die Zweifel am Markt zu zerstreuen.
3. Entwicklung der Margen: Auch die Margen werden von Investoren genau beobachtet, da sie Aufschluss über die Preissetzungsmacht eines Unternehmens geben. ASML selbst hat für das erste Quartal 2026 eine Bruttomarge von 51 bis 53 Prozent prognostiziert – in etwa auf dem Niveau der vergangenen Quartale.
Bewertung vor den Zahlen: Priced for perfection
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 51 notiert die Aktie von ASML deutlich über ihrem historischen Durchschnitt (Stand: 14. April 2026). Das verdeutlicht, wie hoch die Erwartungen der Investoren mittlerweile sind. Viele Analysten argumentieren jedoch, dass dieses Premium aufgrund der Monopolstellung in einem der größten Wachstumsmärkte gerechtfertigt sei. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, dass die Gewinne auch in den kommenden Jahren weiter stark wachsen, damit die hohe Bewertung nachhaltig gerechtfertigt bleibt.
Analysten: Kursziele gehen weit auseinander
Im Durchschnitt sehen die Analysten ein Kursziel von 1.518 US-Dollar für die Aktie von ASML. Das entspricht in etwa dem aktuellen Kursniveau (Stand: 14. April 2026). Deutlich optimistischer zeigt sich David Dai von Bernstein Research mit einem Kursziel von 1.971 US-Dollar (rund 30 Prozent Aufwärtspotenzial). BNP Paribas ist hingegen mit 980 US-Dollar deutlich vorsichtiger.
Fazit: ASML-Zahlen als Wegweiser für die gesamte Halbleiterbranche
Die Entwicklung des Absatzes von ASML gilt als Frühindikator für die gesamte Halbleiterbranche. Entsprechend könnten die Quartalszahlen auch Kursbewegungen bei anderen großen Unternehmen im KI-Sektor auslösen, etwa bei Nvidia, Broadcom oder AMD.
Es ist zu erwarten, dass ASML die Umsatzerwartungen übertrifft und auch den Ausblick für das kommende Quartal anhebt. Dafür sprechen nicht nur die Historie, sondern auch die aktuelle Branchendynamik: Zuletzt haben zahlreiche große Chip-Hersteller angekündigt, langfristig erhebliche zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.
Das schließt jedoch nicht aus, dass es kurzfristig zu negativen Überreaktionen am Markt kommen kann – insbesondere bei einer insgesamt schwachen Marktstimmung.
Am Donnerstag folgen dann bereits die Zahlen von TSMC, dem weltweit größten Chiphersteller und einem der wichtigsten Kunden von ASML.
Häufig gestellte Fragen:
Wie hoch sind die Erwartungen der Analysten an die Quartalszahlen von ASML?
Die Erwartungen sind hoch: Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 10,13 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von 7,73 US-Dollar. Entscheidend dürfte jedoch vor allem der Ausblick sein – hier erwartet der Markt ein deutliches Wachstum.
Wie hoch sind die Kursziele der Analysten für ASML?
Die Meinungen gehen auseinander: Im Schnitt sehen Analysten kaum noch Kurspotenzial, während einzelne Experten deutlich höhere Kursziele ausgeben (Stand: 14. April 2026). Das zeigt, wie unsicher die weitere Entwicklung derzeit eingeschätzt wird.
Wie könnte der Markt auf die ASML-Zahlen reagieren?
Da die Erwartungen sehr hoch sind, könnte selbst ein solides Ergebnis negativ aufgenommen werden. Umgekehrt kann ein deutliches Übertreffen der Erwartungen für weitere Kursgewinne sorgen.