BMW hat vor wenigen Tagen seinen Jahresausblick eingedampft. Und das deutlich. Schmerzhaft für die Aktionäre. Nach den reduzierten Jahreszielen ist die Aktie des Autokonzerns auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren abgerutscht. Laut vielen Experten war es ein „Weckruf für die Autobranche“. Wie geht es mit den deutschen Automobil-Herstellern weiter? DER AKTIONÄR sprach mit Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut über die aktuelle Situation.
DER AKTIONÄR: Herr Dudenhöffer, kam die Gewinnwarnung von BMW überraschend für Sie?
Ferdinand Dudenhöffer: Ich denke nicht nur für mich kam dieses wie aus heiterem Himmel. Wie kann man in nur wenigen Wochen nach einer sehr guten Meldung für das erste Quartal am 16. Mai das Wording völlig ändern? Überraschend und nicht ganz verständlich ist die Position des Finanzvorstands. Er steht bei beiden Meldungen hinter den Zahlen. Überraschend möglichweise auch für den Aufsichtsrat. Wie gut ist man im Aufsichtsrat wirklich informiert und was macht man mit den Informationen?
BMW hat die schwache Entwicklung unter anderem mit dem Nahost Konflikt und China begründet. Wie ist ihre Einschätzung dazu?
China ist nicht neu und war auch schon bei der Meldung am 6. Mai mit dem ersten Quartal vorhanden. Wenn also der Nahost-Konflikt den Einbruch verursacht - müssten doch jetzt Audi, Mercedes, Porsche, VW und andere mit solchen Gewinn-Warnungen kommen. Das scheint nicht der Fall zu sein.
Lange galt die Neue Klasse als Rettungsanker für BMW. Bleibt es dabei? Oder hat man auch hier ein neues Wording entwickelt?
Nach meiner Einschätzung könnte China schwer werden. Die Preise für die Neue Klasse würden beim iX3 bei angeblich um die 40.000 Euro – so nach Presseberichten – in China liegen. Das ist fast 10.000 Euro über Xiaomi und anderen Autobauern. Nach meiner Einschätzung sollte BMW sich die VW- Strategie „In China für China“ anschauen“. Und nur als Hinweis: In Deutschland fängt der xi3 neue Klasse bei 63.800 Euro an. Das sind schon große Spreizungen, die schwer mit besten Kostenstrukturen erklärbar sind
Wie schätzen sie die Situation bei Mercedes-Benz ein?
China ist hier sicher auch kein Spaziergang. Aber man hat sehr deutlich die Kosten seit einigen Jahren angepasst, geht sehr deutlich in mehr China beim Content und hat Luxusmarken wie AMG, die helfen. Mercedes hat die Luxusstrategie aufgegeben und die Electric Only Strategie beerdigt, baut zukünftige die Modelle auf gleichem Design und läuft dennoch einigermaßen passabel. Also nach meiner Einschätzung sind die stabiler als die Münchner, die mit hoher Produktvielfalt komplizierte und teure Produktionssysteme haben und zum Teil mit Brennstoffzellen herumspielen.
Und Volkswagen?
Die China Strategie könnte passen. Wenn das sich in diesem Jahr stabilisiert, ist VW der Leader unter den Deutschen in China. Das hätte niemand gedacht. Also guter Job von China-Chef Brandstätter und seiner Mannschaft und was Schäfer in Wolfsburg macht sieht auch vernünftig aus.
Vielen Dank für das Interview.