An der Wall Street setzt am Dienstagabend eine kräftige Erholungsrally ein: Berichte, Donald Trump wolle den Krieg baldmöglich beenden, lassen Anleger zugreifen. Der große Haken bleibt jedoch der Ölpreis. 

In Europa machte das Gerücht schon den ganzen Tag über die Runde – doch den US-Aktienmarkt erreichte es offenbar erst mit Verspätung: Donald Trump will den Krieg mit dem Iran angeblich baldmöglich beenden – zur Not auch ohne eine Öffnung der Straße von Hormus.

Der Dow Jones Industrial Average gewann daraufhin am Dienstag 744 Punkte beziehungsweise 1,6 Prozent, zwischenzeitlich lag das Plus sogar bei mehr als 1.100 Punkten. Der S&P 500 stieg um 2,1 Prozent, der Nasdaq Composite um 2,9 Prozent. Laut dem Wall Street Journal soll Präsident Donald Trump Beratern signalisiert haben, er sei bereit, die militärischen Feindseligkeiten zu beenden – selbst wenn die Straße von Hormus weitgehend geschlossen bleibt. Die New York Post berichtete später, Trump rechne mit einem baldigen Kriegsende und damit, dass andere Staaten die Wiederöffnung der Meerenge anführen könnten. Am Nachmittag rief Trump dann unter anderem die Europäer auf, "sich ihr Öl selbst" zu holen.

Unterdessen zeigt sich an der Börse ein klassisches Muster: Sobald die Wahrscheinlichkeit eines „Worst Case“ sinkt, werden zuvor gemiedene Risiken zurückgekauft. Gleichwohl bleibt die Lage fragil. Marktbeobachter sprechen von einer Entlastungsrally – aber noch nicht von Entwarnung. Denn solange die Öl- und Gaspreise hoch bleiben und die Lieferketten nicht nur im Nahen Osten wackeln, bleibt der Markt weiterhin anfällig.

Tech erholt sich – Nvidia vorn

Besonders gefragt waren Technologiewerte, die seit Beginn des Konflikts unter Druck standen. ETFs, die den Technologiesektor abbilden, legten um fast zwei Prozent zu. Nvidia stieg um mehr als drei Prozent, nachdem der KI-Riese mit einer Beteiligung an Marvell Technology auf sich aufmerksam gemacht hatte. Deren Aktie stieg um elf Prozent. Microsoft gewann mehr als ein Prozent. Die Kursanstiege passen ins Bild: In Phasen sinkender geopolitischer Angst greifen Investoren oft zuerst bei großen, liquiden Tech-Namen zu, die zuvor überproportional abgegeben haben.

In Deutschland, wo der Xetra-Handel schon beendet war, als der Kursanstieg in New York begann, standen die Aktien von MTU Aero Engines und Infineon nachbörslich um 19.30 Uhr jeweils mehr als fünf Prozent im Plus.  

Die Frage bleibt, wie belastbar die Gegenbewegung diesmal ist. Eric Diton von The Wealth Alliance sagte beim US-Sender CNBC, Schritte in Richtung Kriegsende möge der Aktienmarkt – deshalb sehe man die Erleichterungsrally. „Aber wir sind nicht aus dem Wald“, warnte Diton. Solange das Ölproblem nicht gelöst sei, bleibe der Druck auf die Wirtschaft und die Börsen bestehen.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Ölpreis bleibt der Störfaktor

Denn am Rohölmarkt ist die Lage weiter angespannt. Einige Experten warnen sogar vor einem weiteren Preisanstieg auf bis zu 200 Dollar je Barrel.

Denn das zentrale Risiko bleibt bestehen: Selbst wenn die Politik verbal auf Deeskalation umschaltet, treiben die realen Störungen im Ölfluss die Inflation – und können der Börse die Luft abdrehen.

Hinzu kommt der Blick auf die Chartlage: Der Nasdaq Composite liegt weiter im Korrektur-Territorium und mehr als elf Prozent unter seinem jüngsten Hoch. Dow und S&P 500 sind nur wenige Prozentpunkte von der Korrekturschwelle entfernt. Die März-Bilanz bleibt schwach: Der S&P 500 liegt bislang mehr als sechs Prozent im Minus, die schlechteste Monatsperformance seit September 2022. Auch Dow und Nasdaq haben im März mehr als sechs Prozent verloren. Auf Quartalssicht führen die Tech-lastigen Indizes die Verluste an. Die Botschaft für Anleger: Die Erholung ist kräftig – aber sie steht auf einem Fundament, das vom Ölpreis abhängt.

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