Nächster Tiefschlag für Alibaba: Die Aktie des E-Commerce- und Cloud-Giganten bricht im Hongkonger Handel am Donnerstag erneut um rund fünf Prozent ein und fällt damit auf den tiefsten Stand seit Januar 2025. Auslöser des jüngsten Ausverkaufs sind Spionage-Vorwürfe von Claude-Entwickler Anthropic.

• Washington könnte scharfe Sanktionen gegen chinesische KI-Unternehmen vornehmen.
• Neue Spionage-Vorwürfe aus den USA setzen die Alibaba-Aktie erneut unter Druck.
• Alibaba notiert auf dem tiefsten Stand seit 17 Monaten.

In einem vertraulichen Brief an US-Senatoren und Vertreter des Weißen Hauses bezichtigt Anthropic den chinesischen Tech-Konzern des industriellen Datendiebstahls. Demnach soll Alibaba mit seiner KI-Sparte Qwen eine große Kampagne koordiniert haben, um sich illegal Zugriff auf die Claude-Modelle zu verschaffen und deren Fähigkeiten für die Entwicklung eigener Systeme zu kopieren. Bei sogenannten "Distillation-Angriffen" werden massenhaft Anfragen an ein hochentwickeltes KI-Modell gestellt und mit dessen Antworten ein schwächeres Modell kostengünstig trainiert.

Konkret soll Alibabas KI-Labor Qwen über 25.000 Fake-Accounts erstellt und damit fast 29 Millionen Abfragen generiert haben. Nach Angaben von Anthropic zielte die Aktion auf besonders wertvolle Fähigkeiten von Claude ab – darunter autonomes Schlussfolgern, Softwareentwicklung und die Bearbeitung komplexer Aufgaben über längere Prozessketten hinweg. Laut dem Schreiben von Anthropic würden dadurch "Milliardeninvestitionen der USA in Forschung und Entwicklung faktisch zu einer Subvention für geopolitische Wettbewerber“.

Chinesische Firmen im Visier: Droht der totale US-Boykott?

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Bereits im Februar standen drei chinesische KI-Labore – DeepSeek, Moonshot und MiniMax – am Pranger. Sie sollen ebenfalls unerlaubt die Fähigkeiten von Claude abgeschöpft haben, um die eigenen Modelle leistungsfähiger zu machen. Doch die Dimensionen bei Alibaba sprengen laut Anthropic alles bisher Dagewesene. Das US-Unternehmen erwartet deshalb "ein koordiniertes Vorgehen von Politik und Industrie, um die Bedrohung durch unerlaubte Distillation zu bekämpfen und die Führungsrolle der USA bei Künstlicher Intelligenz zu sichern".

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Nachdem Anthropic direkt die US-Regierung eingeschaltet hat, drohen scharfe Sanktionen gegen Alibaba und andere Firmen. Seit April läuft unter dem Namen "Deterring American AI Model Theft Act" ein Gesetzgebungsverfahren, das vorsieht, chinesische Unternehmen, die solche Methoden anwenden, auf die Schwarze Liste des US-Handelsministeriums zu setzen. Das würde bedeuten, dass Alibaba vom Zugriff auf jegliche Software und Hardware aus den USA abgeschnitten wird.

Der Tech-Gigant steht ohnehin unter Beobachtung. Aktuell wehrt sich Alibaba gerichtlich gegen die Aufnahme auf die Schwarze Liste des Pentagons wegen vermeintlichen Verbindungen zum chinesischen Militär. 

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Alibaba markiert neues Jahrestief: 100 Dollar im Visier

Seit dem 52-Wochen-Hoch im Herbst 2025 bei 192,67 US-Dollar ist die Alibaba-Aktie in einem Abwärtstrend gefangen. Mehrere Erholungsversuche scheiterten im Bereich zwischen 130 und 140 Dollar, der sich damit mittlerweile als markante Widerstandszone erweist. Der Kurs notiert weit unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Seit Anfang Juni hat sich die Abwärtsbewegung weiter beschleunigt. Allein das Minus in diesem Monat summiert sich nun bereits auf 20 Prozent. Damit ist der Kurs kurzfristig unter die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke gefallen. Hier muss aus Sicht der Bullen nun dringend die Stabilisierung erfolgen. Ein nachhaltiger Rutsch darunter dürfte weitere Kursverluste nach sich ziehen. 

Alibaba Group (WKN: A117ME)

Fazit

Alibaba ist auf dem aktuellen Kursniveau historisch günstig. Auf Basis des für 2026 erwarteten Gewinns kommt der Tech-Gigant gerade einmal auf ein KGV von 18. Aber die unkalkulierbare politische Komponente bleibt das Risiko Nummer eins. Nachdem der Kurs kürzlich unter den Stopp gerutscht ist, bleibt DER AKTIONÄR an der Seitenlinie, bis sich charttechnisch eine überzeugende Trendwende abzeichnet.

Bei welchen Wachstumstiteln aus dem Reich der Mitte Anleger hingegen beherzt zugreifen sollten, erfahren Sie im China Stock Report des China-Experten Michael Diertl. Alle Informationen zum Börsendienst finden Sie hier.

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Häufig gestellte Fragen zu Alibaba: 

1. Womit verdient Alibaba sein Geld?
Alibaba erzielt den Großteil seines Umsatzes über digitale Handelsplattformen. Händler können dort ihre Waren verkaufen, Alibaba verdient über Werbegebühren und Transaktionserlöse an jedem verkauften Produkt mit.

2. Welche Sparten betreibt Alibaba?
Neben dem E-Commerce hat Alibaba eine wachstumsstarke Cloud-Sparte, das Logistiknetzwerk Cainiao sowie diverse digitale Dienstleistungen und Entertainment-Plattformen.

3. Welche Rolle spielt Alibaba für Chinas digitale Wirtschaft?
Alibaba gehört zu den führenden Plattformkonzernen des Landes und stellt als solcher die tägliche Infrastruktur für Hunderte Millionen chinesische Konsumenten bereit. Durch die Verknüpfung von Handel, Cloud-Infrastruktur und dem Bezahlsystem Alipay ist Alibaba ein wichtiger Gradmesser für den Zustand von Chinas E-Commerce, Digitalisierung und Verbraucherstimmung.