Fast eine halbe Billion Dollar Börsenwert wurden bei Amazon seit dem Rekordhoch Anfang Mai ausgelöscht. Die Aktie korrigierte um 16 Prozent. Dabei laufen die Wachstumsmotoren des Unternehmens weiter rund. Zu Wochenbeginn stand der GD200 auf dem Prüfstand – die langfristige Trendlinie hält. Ist das die beste Nachkaufchance seit Monaten?
• Amazon-Aktie unter Druck: 476 Milliarden Dollar Börsenwert sind seit dem Rekordhoch verpufft.
• Operativ läuft es rund: Vor allem die Cloud-Sparte AWS entpuppt sich als Wachstumstreiber.
• Charttechnik: Der GD200 hält – damit lebt die Hoffnung auf eine neue Aufwärtswelle.
Vieles spricht dafür. Denn am operativen Erfolg von Amazon hat sich nichts geändert. Der einstige E-Commerce-Pionier hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Was das Wachstum anbelangt, geben mittlerweile die hochprofitable Cloud-Sparte AWS sowie das Werbegeschäft den Takt vor, die zusammen lediglich etwas mehr als ein Viertel des Konzernerlöses ausmachen. Ihre Umsätze haben 2025 um 19,7 Prozent (AWS) beziehungsweise 22,1 Prozent (Advertising) zugelegt. Die Wachstumsrate des Gesamtkonzerns lag hingegen bei 12,4 Prozent.
2026 soll AWS sogar noch einmal eine Schippe drauflegen. Der Analystenkonsens rechnet laut Bloomberg im Gesamtjahr mit einem weiteren Umsatzsprung um 30,3 Prozent auf 168 Milliarden Dollar. Analyst Stephen Ju von der UBS hält selbst das noch für zu konservativ und schätzt den Cloud-Umsatz sogar auf 176 Milliarden Dollar. Ein wesentlicher Treiber ist die KI-Plattform Bedrock, deren Auftragsbestand mittlerweile auf rund 35 Milliarden Dollar angeschwollen sein soll – ein Plus von etwa 300 Prozent binnen eines Jahres.
Angriff auf Nvidia: Verkauft Amazon künftig Chips?
Einen weiteren Trumpf hält Amazon mit seinen hauseigenen KI-Chips in der Hand. Bislang waren sie ausschließlich über die Cloud-Plattform AWS verfügbar. Nach Unternehmensangaben summieren sich die damit verbundenen Umsatzzusagen bereits auf mehr als 225 Milliarden Dollar.
Nun soll der Konzern nach Informationen von Bloomberg Gespräche darüber führen, die Trainium-Prozessoren künftig auch an Betreiber externer Rechenzentren zu verkaufen. Damit würde Amazon in direkte Konkurrenz zu Nvidia treten und eine neue beträchtliche Erlösquelle erschließen. Amazons KI-Chef Peter DeSantis bestätigte entsprechende Gespräche mit potenziellen Kunden und blickt auf eine enorme Nachfrage: Die dritte Generation der Trainium-Chips, deren Auslieferung Anfang des Jahres begonnen hat, ist weitgehend ausverkauft und das Interesse an Trainium 4 ist ebenfalls groß.
Express-Lieferung und KI-Assistenten: Amazon rüstet für den E-Commerce der Zukunft auf
Über Cloud und KI hinaus entwickelt Amazon sein primäres Standbein weiter. Mit dem Expressdienst "Amazon Now" will der Konzern bis Ende 2026 Millionen weitere Haushalte innerhalb von 30 Minuten oder weniger mit frischen Lebensmitteln und Alltagsartikeln beliefern. Mit dieser Expansion will Amazon in den laut Schätzungen von Morgan Stanley rund 1,7 Billionen Dollar schweren, noch weitgehend unerschlossenen Offline-Lebensmittelmarkt vorstoßen.
Zudem sieht Morgan Stanley insbesondere in den Milliardeninvestitionen in Logistik und Lagerkapazitäten die Grundlage dafür, wenn KI-Assistenten künftig den Einkauf zunehmend automatisieren. Amazon kontrolliert die Infrastruktur für den E-Commerce der Zukunft und besitzt damit einen Wettbewerbsvorteil, den kaum jemand kopieren kann.
Hinzu kommt ein positiver Nebeneffekt: Laut einer aktuellen Studie der JPMorgan hat Amazon mit 47 Prozent Marktanteil eine Vormachtstellung im E-Commerce-Markt. Der KI-Einkaufsassistent "Rufus" kommt gut an. Schnellere Lieferungen erhöhen zudem nachweislich die Bestellfrequenz und stärken die Kundenbindung. Amazon-Prime-Mitgliedschaften dürften somit für den Endverbraucher zunehmend attraktiver werden. Deshalb sehen die JPMorgan-Analysten Spielraum für Preiserhöhungen ohne nennenswertes Kündigungsrisiko. Der Analystenkonsens erwartet, dass der Abonnement-Umsatz 2026 von 49,6 auf 55,6 Milliarden Dollar steigt.
Scharfe Korrektur: Jetzt schlägt die Stunde antizyklischer Anleger
Mit dem Rücksetzer bis an die 200-Tage-Linie hat Amazon den Großteil der vorangegangenen KI-Rally verdaut. Dass der langfristige Durchschnitt zum Start der Handelswoche erfolgreich verteidigt wurde, signalisiert Stabilisierung. Solange die Unterstützung bei rund 230 Dollar hält, bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Nach oben wartet zunächst die Hürde bei rund 240 Dollar, bevor das Rekordhoch bei 278,56 Dollar wieder in den Fokus rückt.
Fazit
Die aktuelle Korrektur ist primär auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen und hat die überhitzte KI-Rally bereinigt. Die Amazon-Aktie startet derzeit einen Stabilisierungsversuch an der 200-Tage-Linie. Fundamental ist die Lage top: AWS wächst schnell – mit milliardenschweren Perspektiven. Zusätzlich legt Amazon auch beim E-Commerce-Geschäft nach. Nach dem Rücksetzer haben Anleger die Chance, bei einem der "Magnificent 7" zu einem günstigeren Niveau einzusteigen. DER AKTIONÄR rät zum Kauf. Kursziel: 300 Euro.
Auch ein anderer Titel aus dem Reich der Mag-7 hat zuletzt kräftig an Börsenwert eingebüßt. Warum DER AKTIONÄR diesen trotzdem zu den Favoriten für das zweite Halbjahr zählt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe 27/2026. Über diesen Link gelangen Sie direkt zum E-Paper.
Häufig gestellte Fragen zu Amazon:
1. Wie viel ist Amazon wert?
Amazon ist ein absolutes Schwergewicht an der Börse und bringt aktuell 2,52 Billionen Dollar auf die Waage. Damit steht der 1994 gegründete Onlineversandhändler auf Platz 5 der wertvollsten Unternehmen der Welt.
2. Warum heißt Amazon eigentlich Amazon?
Gründer Jeff Bezos wählte den Unternehmensnamen bewusst nach dem wasserreichsten Fluss der Erde: dem Amazonas. Dahinter stand die Vision, den größten Online-Marktplatz der Welt zu erschaffen. Geglückt. Der orangefarbene Pfeil im Logo symbolisiert übrigens, dass Amazon absolut jedes erdenkliche Produkt von A bis Z im Sortiment führt.
3. Wie viel Gewinn macht Amazon im Jahr?
Amazon ist eine wahre Gewinnmaschine: Im Geschäftsjahr 2025 blieben von den 717 Milliarden Dollar Umsatz netto 77,7 Milliarden Dollar Gewinn hängen. Das macht 7,17 Dollar Gewinn je Aktie – ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.