Bis Ende Januar 2026 schien der Silberpreis nur noch eine Richtung zu kennen: Ab nach oben! Darauf folgte das böse Erwachen. Wie geht’s nun weiter?
Nach dem Rekordhoch von 121,67 US-Dollar am 29. Januar kam es am Folgetag zum abrupten Kurssturz. Am Ende stand ein Schlusskurs von nur noch 85,18 US-Dollar. Seither schwächelt Silber tendenziell weiter und dümpelt nun um die 80 Dollar-Marke. War's das jetzt? Oder geht es bald wieder nach oben? Wir wagen uns an eine (chart-)technische Analyse.
(Chart-)technisches Lehrstück eines Abverkaufs
Geübte und aufmerksame Charttechniker sind wahrscheinlich zwischen dem 19. und 23. Januar aus ihren Silberinvestments ausgestiegen, denn der "Silbercrash" kam mit Ansage:
Die untenstehende Darstellung der Wochenverläufe verrät, dass im oben erwähnten Zeitfenster gut eine sogenannte "Divergenz", also ein Auseinandergehen zwischen dem tatsächlichen Kurs und dem technischen RSI-Indikator auftauchte: Der Kurs erzielte neue Höhen, der Indikator aber nicht (siehe roten Markierungen in der Grafik). Wer dies beachtete, hat alles richtig gemacht. Doch das Lehrstück geht noch weiter.
Man sieht, ebenfalls im Wochenchart, eines sog. "Outside-Woche" (orange Markierung): Der Körper der zweiten Kerze geht sowohl auf ihrem Hoch wie auch in ihrem Tief über den Körper der ersten Kerze hinaus. Handelt es sich um eine Woche mit Kursverlusten (also um eine rote Kerze), dann kündigt dies einen weiteren Kursrückgang um durchschnittlich 17 Prozent an. Dies geschah tatsächlich: Am 5. Februar betrug der Schlusskurs von Silber nur noch 70,93 US-Dollar.
Und wie geht es bei Silber nun weiter?
Die Grafik zeigt aber auch: dass just im Bereich von knapp 72 US-Dollar eine Unterstützungslinie verläuft (grüne Linie). Diese hat der Markt bisher viermal getestet - und es kam nicht zu einem weiteren Abverkauf. Bedeutet dies, dass der Silbercrash nun überstanden ist und sich die Anleger wieder auf "goldene" Zeiten freuen dürfen? Mitnichten!
Die obigen Darstellungen (Wochenansicht und Tagesansicht des Silberpreises) zeigen nämlich auch, dass:
- sich im Februar zwei sogenannte „Bärenflaggen“ im Tageschart ausgebildet haben;
- die Kurse von Zwischenhoch zu Zwischenhoch weiter fallend sind;
- der Silberpreis bereits unter der wichtigen 50-Tage-Linie liegt;
- sich im MACD im Wochenchart ein bärisches Cross stark abzeichnet;
- der ADX (Indikator für die Trendstärke) während der Silberhausse massiv heißgelaufen und der ihm vorausgehende Teil-Indikator DMI+ bereits in Richtung Süden gedreht ist.
Sollte es – wovon überwiegend wahrscheinlich auszugehen ist – zu einem neuerlichen Test der Unterstützung im Bereich von 70 bis 72 US-Dollar kommen und diese Marke dann nicht halten, ist die Wahrscheinlichkeit leider hoch, dass anschließend eine Korrektur auf rund 55 US-Dollar folgt, da sich in dieser Größenordnung die 50-Wochen- und die 200-Tage-Linie sowie die nächste charttechnische Unterstützungszone befinden.
Fazit:
Vorderhand sprechen die (chart-)technischen Gegebenheiten gegen den Kauf von Silber. Sie regen sogar tendenziell eher dazu an, Silber zu veräußern. Wenn schon Edelmetall, dann eher Gold, denn dort sieht die (chart-)technische Lage derzeit deutlich günstiger aus – allerdings auch nicht risikofrei.
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