Der Finanzexperte Gerd Kommer hat in einer umfassenden Analyse die vier wichtigsten Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium unter die Lupe genommen und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Gold verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren eine außergewöhnliche Rendite, die selbst den historisch starken globalen Aktienmarkt deutlich übertraf. Silber performte sogar noch besser (siehe Chart). Ende Januar 2026 erlebten beide Edelmetalle aber kurzzeitige Preiseinbrüche von in der Spitze 21 Prozent (Gold) und 47 Prozent (Silber), doch diese Rückschläge wurden rasch wieder aufgeholt. Da Edelmetalle keine Cashflows generieren, nutzt Kommer das Verhältnis des aktuellen Preises zum inflationsbereinigten historischen Durchschnittspreis seit 1977 als Bewertungsmaßstab. Die Analyse umfasst 49 Jahre und berücksichtigt neben Renditen auch Risikokennzahlen wie Volatilität, maximalen Drawdown und die längste Nullrenditeperiode.

Gold: Top-Performer im Edelmetallsektor

Die Bewertungsanalyse offenbart drastische Unterschiede zwischen den vier Edelmetallen. Gold liegt aktuell um 165 Prozent über seinem inflationsbereinigten historischen Durchschnittspreis und erscheint damit laut Kommer massiv überbewertet. Selbiges trifft mit 174 Prozent auch auf Silber zu. Diese hohen Bewertungen signalisieren, dass die spektakulären Renditen der vergangenen Jahre vorwärtsgerichtet kaum wiederholbar sein dürften. Hohe Bewertungen reduzieren statistisch die erwartete zukünftige Rendite erheblich. Einen drastischen Kontrast bildet Platin, das aktuell 40 Prozent unter seinem historischen Durchschnittspreis notiert und damit extrem unterbewertet erscheint. Palladium bewegt sich mit einem Plus von lediglich vier Prozent nahe am langfristigen Mittelwert.

Trotz der aktuellen Überbewertung geht Gold aus Kommers Analyse als klarer Sieger hervor. Über 49 Jahre war Gold das rentabelste Edelmetall (reale Rendite: 3,7 Prozent p.a.), gefolgt von Palladium (3,4 Prozent p.a.). Gold zeigte die niedrigste Korrelation zum globalen Aktienmarkt (plus 0,15) und erwies sich in sieben starken Aktienmarkt-Downphasen seit 1977 als bester Diversifizierer für Aktienportfolios. Die Volatilität und der maximale Drawdown fielen bei Gold günstiger aus als bei den anderen Edelmetallen. Hinzu kommen praktische Vorteile: Bei Direktanlagen in Silber, Platin und Palladium fällt 19 Prozent Umsatzsteuer an, Gold ist davon befreit. Die Kosten von Gold-ETCs liegen deutlich niedriger als bei den anderen Metallen.

Für Silber fällt Kommers Urteil trotz der spektakulären Dekaden-Rendite kritischer aus. Langfristig konnte es Gold nicht übertreffen. Die extreme Volatilität und eine besonders lange Nullrenditeperiode von 45 Jahren sprechen gegen Silber als primäre Edelmetallbeimischung. Platin und Palladium bleiben aufgrund ihrer starken industriellen Nutzung konjunkturabhängiger als Gold.

In der Ausgabe BÖRSE ONLINE 10/26 werden 15 Nebenwerte vorgestellt

Kommer sieht wenig Luft nach oben

Gerd Kommers Fazit sendet ein deutliches Signal: Die aktuell hohen Bewertungen von Gold und Silber reduzieren die erwartete zukünftige Rendite erheblich. Anleger sollten nicht mit einer Wiederholung der spektakulären Performance rechnen. Kommer glaubt nicht, dass die hohen Renditen von Gold und Silber in den zurückliegenden 15 Jahren im Mittel der nächsten 15 Jahre erreicht werden. Eine Edelmetallbeimischung von maximal zehn Prozent im Gesamtportfolio hält Kommer für vertretbar. Diese kann das Risikoprofil moderat verbessern, wird die künftige Gesamtrendite aber nicht erhöhen und möglicherweise sogar leicht senken. Gold bleibt trotz der hohen Bewertung die erste Wahl als Edelmetallbeimischung. Wer die hohen Drawdowns und extrem langen Nullrenditeperioden dauerhaft verkraften will, muss den Anteil gering halten. Für Edelmetall-Fans könnte ein Teil der Goldposition durch Palladium ersetzt werden. Von einer Übergewichtung in Gold und Silber zum jetzigen Zeitpunkt rät Kommer jedoch eindeutig ab.

Wichtig zu wissen: Starke Wertzuwächse allein waren in der Vergangenheit nicht immer ein sinnvoller Verkaufsgrund (The trend is your friend). Die Aktien der „Magnificent Seven“ liefern hierfür den besten Beweis. Geopolitische Risiken, Inflationssorgen und explodierende Schuldenberge sprechen bei Gold derzeit gegen einen bevorstehenden Trendwechsel nach unten, zumal andere Finanzexperten bzw. Bankanalysten einen Goldpreis von 10.000 Dollar für realistisch halten.

Performancevergleich: Edelmetalle versus MSCI World
Foto: Quelle: gerd-kommer.de
Performancevergleich: Edelmetalle versus MSCI World

Häufige Fragen zu Gold:

Was sind die größten Vorteile von Gold?

In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.

Und was spricht möglicherweise gegen Gold?

Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.

Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?

Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.

Lesen Sie auch:

Hedgefonds-Stratege zum Goldpreis: „Zweite Phase des Bullenmarkts hat noch gar nicht begonnen“

Oder:

Goldpreis wird weiter steigen, sagen Analysten - 20 Prozent Potenzial in diesem Jahr