Die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist spürbar zurückgekehrt. Geopolitische Spannungen, konjunkturelle Risiken und eine erhöhte Volatilität prägen das Bild. Was Anleger hinsichtlich Gold und Silber nun beachten sollten.
Wichtig zu wissen: Vor einem Jahr waren die Perspektiven für ein Investment in Gold und Silber aus zwei zentralen Gründen günstiger als heute: Erstens notierten beide Edelmetalle deutlich unter ihren aktuellen Kursniveaus (Gold: 2.950 Dollar; Silber: 32,30 Dollar). Zweitens bewegten sich die Volatilitätsindizes CBOE Gold Volatility Index (GVZ) und CBOE Silver ETF Volatility Index (VXSLV) klar unter ihren derzeitigen Ständen (GVZ: minus 55 Prozent, VXSLV: minus 68 Prozent). Hohe Preise bei gleichzeitig hoher Schwankungsintensität führen zwangsläufig zu einem weniger attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis. Dadurch stellt sich die aktuelle Lage erheblich komplizierter dar.
Massiver Rebound nach Verkaufswelle
Trotz der Turbulenzen Ende Januar und Anfang Februar rutschten weder Gold noch Silber unter ihre Stände zum Jahresultimo ab. In einem Umfeld, in dem Aktienmärkte zwischenzeitlich deutlicher unter Druck gerieten, deutet dies auf ein hohes Maß an relativer Stärke hin. Ein weiterer Beleg für diese These liefert die anhaltende Nachfrage der Notenbanken. Zentralbanken – gewissermaßen die „Geldexperten“ des globalen Finanzsystems – stocken ihre Goldreserven weiterhin auf oder halten zumindest an ihren hohen Beständen fest. Dieses strukturelle Interesse bildet ein solides Fundament für den Goldpreis. Notenbanken agieren langfristig orientiert und weniger spekulativ. Ihre Käufe sind daher ein starkes Vertrauenssignal hinsichtlich der Rolle von Gold als Wertspeicher und global handelbare Krisenwährung ohne Kontrahentenrisiko.
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Anhaltende Kauflaune im ETF-Sektor
Auch institutionelle Anleger sowie Privatanleger blieben Gold bislang treu. Laut Angaben des World Gold Council verzeichneten weltweit gehandelte Gold-ETFs im Jahr 2026 Zuflüsse von bislang mehr als 120 Tonnen. Das zeigt, dass Gold nicht nur als Absicherung gegen Krisen, sondern auch als strategischer Portfolio-Baustein gefragt bleibt. ETF-Zuflüsse gelten als transparenter Gradmesser für das Anlegerinteresse, da sie unmittelbar physische Nachfrage nach dem Edelmetall auslösen.
Bemerkenswert ist zudem, wie gut der Markt zuletzt verschärfte Rahmenbedingungen verkraftet hat. Das massive Anheben der Margins an wichtigen Terminbörsen – also die Erhöhung der Sicherheitsleistungen für Futures-Positionen – führte zwar kurzfristig zu Nervosität, wurde jedoch insgesamt erstaunlich gut verdaut. In früheren Marktphasen hatten solche Maßnahmen teils deutlich stärkere Preisrückgänge ausgelöst. Dass Gold und Silber diesmal vergleichsweise stabil blieben, unterstreicht ihre derzeitige Widerstandskraft.
Was bedeutet dies für Anleger?
Kurzfristig ist das Timingrisiko aufgrund der hohen Volatilität zweifellos gestiegen. Wer heute einsteigt, muss stärkere Schwankungen einkalkulieren als noch vor einem Jahr. Gerade Silber, das traditionell eine höhere Volatilität als Gold aufweist, reagiert sensibler auf konjunkturelle Erwartungen und spekulative Kapitalströme. Langfristig jedoch spricht weiterhin vieles für eine Beimischung von Gold – und in deutlich geringerem Maße auch von Silber – im Portfolio. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen nämlich, dass insbesondere Gold bei moderater Gewichtung die risiko-bereinigte Gesamtrendite eines Portfolios verbessern kann. Der Grund liegt in der meist geringen oder sogar negativen Korrelation zu Aktien in Stressphasen. Gold fungiert damit als Diversifikator und kann Drawdowns abfedern.
Fazit: Trotz erhöhter Volatilität und gestiegener Kurse bleibt ein Investment in Gold weiterhin sinnvoll. Silber eignet sich als Ergänzung, sollte jedoch aufgrund seiner stärkeren Schwankungen niedriger gewichtet werden Sinnvoll erscheint zum Beispiel eine Edelmetallquote von 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber). Wer langfristig denkt und Edelmetalle als stabilisierenden Baustein versteht, findet auch im aktuellen Umfeld genügend Argumente, die für Gold sprechen.
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