Der Goldpreis hat seit seinem Ende Januar erzielten Rekordhoch inzwischen rund 28 Prozent an Wert verloren. Nach den Regeln der Finanzmarktlehre gilt ein Kursrückgang von mindestens 20 Prozent häufig als Übergang von einem Bullen- in einen Bärenmarkt. Was Anleger dabei beachten sollten.

Genau an diesem Punkt lohnt sich ein Blick auf die Geschichte des Goldmarktes. Paul Williams, Managing Director beim Edelmetallhändler Solomon Global, weist darauf hin, dass außergewöhnlich starke Kursrückgänge in der Vergangenheit keineswegs automatisch das Ende eines langfristigen Bullenmarktes bedeuteten. Vielmehr gehörten ausgeprägte Korrekturphasen häufig zum normalen Verlauf größerer Goldhausse-Zyklen.

Historische Goldrallys verliefen selten geradlinig

Als Beispiel nennt Williams die 1970er-Jahre. Damals verlor Gold zwischenzeitlich rund 45 Prozent an Wert, bevor der Preis anschließend bis 1980 auf neue Rekordstände stieg. Auch während der globalen Finanzkrise 2008 geriet das Edelmetall kräftig unter Druck und gab zeitweise rund 30 Prozent nach. Anschließend folgte jedoch eine deutliche Erholung, die 2011 ebenfalls in neuen Höchstständen mündete.

Nach Einschätzung von Williams sagt die Größe einer Korrektur allein wenig darüber aus, ob ein langfristiger Aufwärtstrend tatsächlich beendet ist. Entscheidend sei vielmehr, ob sich die fundamentalen Gründe für ein Goldinvestment nachhaltig verändert haben. Aus seiner Sicht ist dies derzeit nicht der Fall.

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Zinssorgen belasten Gold kurzfristig

Aktuell sprechen vor allem geldpolitische Faktoren gegen den Goldpreis. Der Dollarindex hat gegenüber vielen Währungen im Zuge des Irankriegs deutlich an Stärke gewonnen und notiert aktuell auf dem höchsten Niveau seit über 14 Monaten. Gleichzeitig rechnen die Finanzmärkte inzwischen wieder verstärkt mit weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank. Nach dem CME FedWatch Tool wird mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent bereits für September eine Zinserhöhung eingepreist, während bis Dezember zusätzliche Straffungsmaßnahmen als möglich gelten.

Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten eines Goldinvestments, da das Edelmetall keine laufenden Zinserträge abwirft. Entsprechend dominieren derzeit Gewinnmitnahmen, steigende Realrenditen und der feste Dollar das Marktgeschehen. Diese Faktoren erklären einen großen Teil der aktuellen Schwächephase.

Allerdings hat sich an mehreren langfristigen Einflussgrößen bislang wenig geändert. Die Goldkäufe zahlreicher Zentralbanken halten an, geopolitische Spannungen bestehen weiterhin und auch die weltweit hohen Staatsschulden sind unverändert ein bedeutendes Thema. Zudem notiert der Goldpreis trotz des kräftigen Rückgangs immer noch deutlich über seinem Niveau vor zwölf Monaten.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Korrektur könnte noch nicht beendet sein

Dennoch warnen einige Analysten davor, die aktuelle Schwächephase bereits als abgeschlossen zu betrachten. Aus charttechnischer Sicht bleibt das Momentum negativ, so dass ein Rückgang bis in den Bereich von etwa 3.700 Dollar durchaus möglich sei. Solange die Märkte steigende Zinsen und höhere Realrenditen einpreisen, dürfte der Gegenwind für Gold bestehen bleiben.

Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Kurzfristig spricht das Marktumfeld weiterhin eher gegen das Edelmetall. Langfristig haben sich viele der strukturellen Argumente für Gold jedoch nicht grundlegend verändert. Deshalb betrachten zahlreiche Vermögensverwalter Gold weniger als Renditeinvestment, sondern vielmehr als eine Art Versicherung innerhalb eines breit diversifizierten Vermögens.

Fazit: Vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein, die gewünschte Goldquote regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls durch Rebalancing wieder an die ursprünglich angestrebte Gewichtung anzupassen. Ein vollständiger Ausstieg allein aufgrund einer kräftigen Korrektur erscheint aus historischer Sicht dagegen nicht notwendig, da frühere Goldhausse-Zyklen gezeigt haben, dass selbst deutliche Rückschläge durchaus Teil eines langfristigen Aufwärtstrends sein können.

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