Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen an Dynamik verloren. Verantwortlich dafür sind vor allem gestiegene Anleiherenditen, die den Konkurrenzdruck für das zinslose Edelmetall erhöhen. Besonders pessimistische Töne zu Gold hörte man zuletzt von Mike McGlone von Bloomberg Intelligence.

Er sieht mehrere Faktoren, die den Goldpreis in den kommenden Monaten zusätzlich belasten könnten. Nach seiner Ansicht hat Gold im Verhältnis zu US-Staatsanleihen zuletzt ein außergewöhnlich hohes Bewertungsniveau erreicht. Gemessen an diesem Verhältnis sei das Edelmetall so teuer wie seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig verweist er darauf, dass sich US-Staatsanleihen nach den kräftigen Kursverlusten der vergangenen Jahre inzwischen wieder attraktiver präsentieren könnten.

Steigende Anleiherenditen sprechen gegen Gold

Sollte die Rally an den Aktienmärkten an Schwung verlieren, könnten Anleger seiner Einschätzung nach verstärkt in US-Staatsanleihen umschichten. Diese würden dann als vergleichsweise günstiger sicherer Hafen erscheinen und Gold Marktanteile abnehmen. Nach seiner Analyse könnte sich damit ein Trend umkehren, der seit Beginn der Corona-Pandemie zugunsten des Edelmetalls verlaufen war.

Ein weiterer Belastungsfaktor sind für McGlone die geldpolitischen Aussichten in den USA. Die US-Notenbank hat ihre Bereitschaft signalisiert, die Geldpolitik bei anhaltendem Inflationsdruck erneut zu straffen. Höhere Leitzinsen gehen häufig mit steigenden Realzinsen einher und erhöhen die Opportunitätskosten eines Goldinvestments, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Historisch betrachtet entwickelten sich Phasen mit dauerhaft steigenden Realzinsen für Gold häufig schwierig, während das Edelmetall insbesondere in Zeiten negativer Realzinsen kräftig zulegen konnte.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Dauerhaft positive Realzinsen sind entscheidend

Ob dieses Szenario tatsächlich eintritt, hängt jedoch maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Realzinsen ab. Dauerhaft positive Realzinsen setzen voraus, dass die Renditen von Staatsanleihen langfristig oberhalb der Inflationsrate liegen. Genau daran bestehen jedoch durchaus Zweifel.

Die Staatsverschuldung der USA hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Je höher das allgemeine Zinsniveau steigt, desto stärker wächst auch die Belastung des Staatshaushalts durch Zinszahlungen. Eine dauerhaft restriktive Geldpolitik könnte deshalb die Schuldentragfähigkeit unter Druck setzen und geldpolitischen Handlungsbedarf in Form von Zinssenkungen erzeugen.

Sollte die Inflation – trotz des jüngsten Ölpreiseinbruchs – die Renditen von Staatsanleihen übertreffen, würden die Realzinsen wieder in den negativen Bereich fallen. Ein solches Umfeld galt in der Vergangenheit häufig als Rückenwind für den Goldpreis, weil die reale Kaufkraft festverzinslicher Anlagen sinkt.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Zentralbanken ihre Währungsreserven bereits seit Jahren breiter aufstellen und ihre Abhängigkeit vom Dollar schrittweise reduzieren. Dieser langfristige Trend zur Diversifizierung der Währungsreserven könnte auch künftig die Nachfrage nach Gold stützen, selbst wenn US-Staatsanleihen zwischenzeitlich wieder attraktiver erscheinen.

Wichtig zu wissen: Höhere Renditeversprechen gehen nach den Grundsätzen der Finanzmarkttheorie grundsätzlich auch mit höheren Risiken einher. Physisches Gold bietet zwar keine laufenden Erträge, weist dafür jedoch kein Kontrahenten- bzw. Totalverlustrisiko auf und nimmt damit unter den Anlageklassen weiterhin eine besondere Stellung als „sicherer Hafen“ ein.

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