Die nächste Milliarden-Kundengeneration in Asien tickt anders. Die Gen Z dreht den europäischen Luxusgiganten den Rücken zu – und für LVMH wird das zunehmend zum Problem. Die Zeiten, in denen ein Prestige-Logo für sich selbst gesprochen hat, sind vorbei. Was bedeutet das für den weltgrößten Luxuskonzern?
• Laut Euromonitor dürfte die Zahl kaufkräftiger Gen Zs in Asien bis 2040 um 135 Prozent steigen.
• LVMH hat sein Markenversprechen jahrelang auf europäischem Erbe und Prestige aufgebaut. Genau das interessiert Asiens Gen Z immer weniger.
• Logos und westliches Prestige ziehen nicht mehr. Die wachsende Käuferschicht sucht Marken mit echter kultureller Relevanz und persönlicher Handschrift, nicht Statussymbole.
Die Zahlen klingen zunächst verlockend: Laut dem Marktforschungsunternehmen Euromonitor gibt es knapp 2,5 Milliarden Gen-Z-Konsumenten, über die Hälfte davon lebt in der Asien-Pazifik-Region. Bis 2040 wird die Zahl der Gen Zs mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 Dollar dort um satte 135 Prozent wachsen – schneller als in jeder anderen Region der Welt. Das ist genau die Klientel, um die sich LVMH jahrelang keine Sorgen machen musste und der Luxusriese verdiente prächtig daran: 2024 erzielte LVMH noch einen Umsatz von rund 84 Milliarden Euro, ein Großteil davon aus Asien.
Wandel im Konsumverhalten
Doch genau diese Käuferschicht bricht mit alten Gewohnheiten. Laut Euromonitor-Expertin Fflur Roberts werden junge Asiaten „selektiver, wertbewusster und anspruchsvoller". Was früher als Zeichen von Aufstieg und Erfolg galt, wirkt auf viele junge Asiaten heute bestenfalls langweilig, schlimmstenfalls uncool. „Nach Jahren des logogetriebenen Aspirationskonsums werden diese Käufer selektiver", so Roberts. Statt automatisch zu etablierten westlichen Häusern zu greifen, suchen Gen Zs nach Marken, „die ihrer persönlichen Identität, ihren Werten und Lifestyle-Vorstellungen entsprechen."
Das begeistert die Gen Z
„Die Menschen interessieren sich weniger für Erbe oder europäisches Prestige und mehr dafür, ob die Marke einen echten kulturellen Bezug hat", sagt Laura Darmon vom Eng Concept Store in China.
Die Namen, die die Gen Z begeistert, sind: Ashley Williams, Ans Dotsloevner, Coyseio, Sculptor, Praying. Kleine, inhabergeführte Labels mit klarer Handschrift und echter Fangemeinde.
Was sie alle eint: eine unverwechselbare persönliche Ästhetik. Keine Werbekampagnen mit Millionenbudget, keine roten Schals zum chinesischen Neujahr als PR-Gag – sondern echte kreative Haltung, die Gen Z als authentisch empfindet.
Prada hat das Prinzip bereits verstanden und Hideo Kojima, den legendären japanischen Videospiel-Schöpfer hinter Death Stranding, für immersive Markenausstellungen gewonnen. „Es ist etwas, das wirklich mit der Kultur verbunden ist", so Darmon. Und genau das fehlt vielen LVMH-Marken derzeit: echte kulturelle Verankerung in der Lebenswelt junger Asiaten – jenseits von teuren Flagship-Stores und Celebrity-Fronts.
Fazit
LVMH kämpft ohnehin schon mit schwächelnden China-Zahlen. Der strukturelle Wandel bei Gen Z dürfte diesen Druck nicht kurzfristig lösen. Der Konzern hat mit 75 Marken und einem Jahresumsatz von zuletzt über 80 Milliarden Euro genug Ressourcen, um gegenzusteuern. Es braucht allerdings mehr als teure Flagship-Stores und Celebrity-Kampagnen.
Die LVMH-Aktie steht derzeit nicht auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR. Welche Aktie aber neu auf die Kaufliste gewandert ist und als Sieger aus dem heißen Luxusbattle in der aktuellen Ausgabe hervorgeht, lesen Sie hier.
FAQs zu LVMH
Wie groß ist LVMH?
LVMH ist der weltweit größte Luxusgüterkonzern. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 223 Milliarden Euro. Der Konzern erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 80,8 Milliarden Euro.
Welche Marken gehören zu LVMH?
Zum Konzern gehören zahlreiche Luxusmarken, darunter Louis Vuitton, Dior, Tiffany, Moët & Chandon, Hennessy, TAG Heuer, Bulgari oder Sephora.
Zahlt LVMH Dividende?
LVMH zahlt regelmäßig Dividenden und hat die Ausschüttung in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Gesamtdividende von 13,00 Euro pro Aktie bestätigt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH.
Die Autorin hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH.