Die Kurserholung dauerte nicht lange. An der Börse wird die Aktie von Microsoft wieder massiv abverkauft. Juni-Bilanz: minus 21,6 Prozent, es ist der größte Monatsverlust seit April 2000. Was ist los bei Microsoft? Welche Chartmarken müssen Anleger jetzt im Blick haben? Wie sollte man jetzt handeln?
- Microsoft erlebt den größten Monatsverlust seit April 2000.
- Die Börse zweifelt aktuell daran, wie schnell sich hohe KI-Investitionen auszahlen.
- Charttechnisch wird die Marke von 345 Dollar zur entscheidenden Unterstützung.
Vor wenigen Monaten war Microsoft noch der Superstar in der Techbranche, der innovative Koloss mit einer enormen Kundenbindung und beeindruckenden Wachstumsraten. Nun haben die Anleger Zweifel, ob das ewig bewährte Geschäftsmodell noch eine Zukunft hat. Microsoft erlebt an der Börse ein Debakel, wie es selten ein Blue Chip erlebt. Bei der Charttechnik könnte die Ampel bald von Gelb auf Rot schalten, nämlich dann, wenn die Unterstützung bei 345 Dollar reißt. In diesem Fall könnte die Aktie bis in den Bereich 310 Dollar weiter abverkauft werden.
In Ausgabe 22/26 schrieb DER AKTIONÄR: Ohne Microsoft ginge in weiten Teilen der Arbeitswelt herzlich wenig. Für Privatnutzer mag Windows austauschbarer geworden sein. Viele erledigen Mails, Banking, Shopping und Streaming längst im Browser oder auf dem Smartphone. Aber in Unternehmen zählt nicht nur Komfort, sondern Verlässlichkeit. Dort geht es um Sicherheit, Kontrolle, Zugriffsrechte, Kompatibilität und reibungslose Abläufe. Genau deshalb wird keine Firma ihre Windows-Welt einfach abschalten, nur weil KI plötzlich vieles einfacher macht. Texte schreiben, Tabellenkalkulation, Mails, Videokonferenzen – so sieht die Windows-Welt seit vielen Jahren aus und Hunderte Millionen Büroangestellte auf der ganzen Welt sind tief mit ihr verwurzelt.
Bei Betriebssystemen war und ist Microsoft Lichtjahre von der Konkurrenz entfernt. Der Marktanteil des 1975 gegründeten Konzerns liegt bei 68 Prozent. Diese Dominanz ist ein klarer Vorteil, um eigenen KI-Ambitionen zu forcieren. Der KI-Assistent Copilot lässt sich bequem in Office-Anwendungen integrieren und unterstützt etwa beim Organisieren von E-Mails, beim Erstellen von Präsentationen, bei der Auswertung von Daten oder beim Zusammenfassen von Meetings. Die kostpflichtige Version nutzen mittlerweile über 20 Millionen Menschen.
Doch die Börse sieht das Geschäftsmodell von Microsoft derzeit lieber seht kritisch. Die Befürchtung: Die KI macht Software überflüssig.
„Wir befinden uns derzeit in einer Zwischenphase, in der die diesjährigen 700 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben der Big-Tech-Konzerne den KI-Ausbau vorantreiben“, sagt Wedbush-Analyst Dan Ives. „Gleichzeitig werden Tech-Investoren zunehmend ungeduldig, vor allem bei Microsoft und Meta, weil sie die Früchte dieser Investitionen noch nicht in den Zahlen sehen.“ Die Konzerne seien in der Warteschleife, bis der Wachstumsschub und die Monetarisierung sichtbar werden. „Microsoft und Meta werden von den Anlegern derzeit so behandelt, als würden sie im Hochsommer mit Winterjacke an den Strand gehen.“
Fazit
Nach dem Crash beläuft sich das 2026er-KGV für Microsoft auf 19 – damit ist die Aktie so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Schnäppchenjäger dürften nicht mehr lange warten. Hält die Marke von 345 Dollar, wäre das für den AKTIONÄR eine Kaufchance. Als Stoppkurs gilt nach wie vor 265 Euro.
FAQs
Was bedeutet Software-Disruption durch KI?
Damit ist gemeint, dass KI klassische Softwarefunktionen vereinfacht, verändert oder teilweise ersetzt und dadurch ganze Geschäftsmodelle unter Druck geraten können.
Warum reagieren Anleger bei Microsoft so sensibel auf KI-Investitionen?
Weil Milliarden in Rechenzentren, Chips und KI-Produkte fließen, der Markt aber schnell sichtbare Umsatz- und Gewinnimpulse sehen will.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.