Rekordumsatz, Rekord-Gewinne, ein anhaltender KI-Boom – trotzdem reagieren Anleger am Donnerstag nervös. Nach den Quartalszahlen stieg die Nvidia-Aktie zunächst um mehr als zwei Prozent, gab einen Teil der Gewinne dann aber wieder ab. Das ist der Grund. 

Eigentlich lieferte Nvidia am Mittwochabend nach Börsenschluss genau das, was Investoren sehen wollen: starkes Wachstum, neue Bestmarken und einen anhaltenden Boom im Geschäft mit KI-Chips für Rechenzentren. Im abgelaufenen Quartal kletterte der Umsatz auf rund 68 Milliarden US-Dollar und lag damit klar über den Markterwartungen. Auch beim Gewinn übertraf der Konzern die Prognosen deutlich, und auch die Rohertragsmarge stieg noch einmal an: auf 75 Prozent. Vor allem das Data-Center-Segment, das die Verkäufe von KI-Chips für die Rechenzentren der sogenannten Hyperscaler abbildet, bleibt der wichtigste Treiber. Es macht mittlerweile fast 90 Prozent des Umsatzes aus.

Die erste Reaktion an der Börse fiel entsprechend positiv aus. Nachbörslich sprang die Aktie zunächst um mehr als zwei Prozent an. Doch die Freude währte nicht lange: Im weiteren Verlauf bröckelten die Gewinne wieder, teils drehte der Kurs nach der Analystenkonferenz sogar leicht ins Minus. Gute Zahlen, aber fallende Kurse - für viele Privatanleger wirkt das widersprüchlich.

„Erwartbare“ Prognosen reichen nicht mehr

Der Grund liegt weniger im operativen Geschäft als in der extrem hohen Erwartungshaltung. Nvidia ist längst kein gewöhnlicher Halbleiterwert mehr, sondern das Aushängeschild der gesamten KI-Branche. Entsprechend viel Zukunftsfantasie ist bereits im Kurs eingepresst. Anleger hofften daher nicht nur auf starke Resultate und das Schlagen der Erwartungen, sondern auf eine erneute Überraschung nach oben oder einen noch aggressiveren Ausblick. Stattdessen stellte das Management ein „erwartbares“ Wachstum in Aussicht. Das reichte offenbar nicht mehr, um die hohen Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen. Gewinnmitnahmen waren die Folge.

Hickhack um Nvidias Deal mit OpenAI

Zudem sorgt ein anderer Punkt für Zurückhaltung: Nvidia hatte angekündigt, seine Beteiligung an OpenAI aufzustocken, im Gegenzug gab der KI-Pionier einen Großauftrag für Nvidia bekannt. Doch die viel diskutierte Transaktion wurde noch immer nicht endgültig finalisiert. In den vergangenen Wochen waren durch Indiskretionen strittige Punkte aus den Verhandlungen durchgesickert, was Investoren irritierte. So soll Nvidia-Chef Jensen Huang Zweifel an der Monetarisierungsstrategie von OpenAI geäußert haben. Huang dementierte das öffentlich. Doch solange die Unterschrift fehlt, bleibt ein Rest Unsicherheit.

Nvidia (WKN: 918422)

Überzeugende Zahlen - eigentlich

Für langfristig orientierte Anleger ändert sich am grundsätzlichen Bild mit den neuen Zahlen wenig. Nvidia bleibt technologisch führend und profitiert massiv vom weltweiten Ausbau von KI-Infrastruktur. Der Gewinn je Aktie lag mit 1,76 Dollar nach US-GAAP und bereinigten 1,62 Dollar weit über den Prognosen der Analysten, die mit 1,53 Dollar gerechnet hatten.

Auch der Ausblick ist stark: Nvidia prognostiziert für das 1. Quartal einen Umsatz von 78 Milliarden Dollar nach 68,1 Milliarden im Q4 sowie eine unverändert hohe Rohertragsmarge von 75 Prozent.

Warum die Börsianer trotzdem nicht euphorisch sind

Das Problem dabei: Das entspricht einem Umsatzwachstum von 14 Prozent von Quartal zu Quartal – und das ist nach Ansicht mancher Investoren allenfalls „in line“. Denn im 4. Quartal war Nvidia um 20 Prozent gewachsen. Daher zeigt die Kursreaktion, wie sensibel hoch bewertete Wachstumsaktien auf jede noch so kleine Abweichung reagieren.

Von Enttäuschung zu reden, wäre falsch. Es kann aber gut sein, dass der Nvidia-Kurs in den nächsten Tagen allenfalls leicht zulegt oder sogar stagniert. Für eine zweistellige Kursrally war der Impuls am Mittwochabend offenbar nicht stark genug.

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