Aktien der E.ON-Tochter Uniper steigen zum Börsendebüt an
· Börse Online Redaktion
Grund für die zurückhaltenden Erwartungen ist, Unipers Image als Resterampe. In dem Konzern sind Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke von E.On gebündelt. Weil konventioneller Stromerzeugen in Zeiten der Energiewende kaum eine Zukunft zugestanden wird, gelten die Wachstumsaussichten für Uniper als gering. E.ON fokussiert sich nach der Abspaltung hingegen auf das vielversprechende Geschäft mit Netzdienstleistungen und erneuerbaren Energien. Allerdings bleiben die Essener vorerst der größte Einzelaktionär ihrer Tochter. Der Versorger hat jedem E.ON Aktionär in der Nacht von Sonntag auf Montag für zehn E.ON Aktien eine Uniper Aktie ins Depot gebucht. Insgesamt werden über dieses Spin Off 53,35 Prozent von Uniper als gratis Aktienzuteilung an die Börse gebracht.
Durch diesen Weg an auf das Handelsparkett nimmt E.ON mit dem Börsengang kein Geld ein und die Uniper-Aktien werden nur für den heutigen Tag im Dax gelistet sein. Für einen dauerhaften Verbleib im Leitindex erfüllt Uniper die nicht nötigen Anforderungen. Weil der Kraftwerksbetreiber daher ab morgen kein Dax-Mitglied mehr sein wird, wurde ebenfalls starker Abgabedruck erwartet, denn rund ein Fünftel der Aktien wird von Fonds gehalten die nur in Titel des Leitindex investieren dürfen. In dem kommenden Tagen könnte der Kurs daher noch unter Druck geraten.
Trotz der schlechten Aussichten bewerten einige Analysten die Aktie als attraktiv, da Uniper jedes Jahr 75 Prozent seiner Gewinne als Dividende Ausschütten will. Allein für dieses Jahr sind das 200 Millionen Euro oder 55 Cent je Aktie. Der junge Börsentitel bringt es damit bei den aktuellen Notierungen auf eine Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent. Mit einem harten Sparprogramm und dem Verkauf von Randaktivitäten im Wert von 2 Milliarden Euro bis 2017 will Uniper sicherstellen, auch weiterhin hohe Summen an seine Investoren ausschütten zu können. Auch wird nicht mehr in den Ausbau sondern nur noch in den Erhalt des bestehenden Kraftwerkparks investiert. Weil sich mit dem Verkauf konventioneller Energie immer weniger verdienen lässt, bezweifeln einige Branchenexperten ob Uniper dauerhaft hohe Dividenden zahlen kann.
Naturgemäß ist Uniper-Chef Klaus Schäfer für die Zukunft des Unternehmens positiver gestimmt. Er sieht auch in Zukunft Bedarf für herkömmlich erzeugten Strom. Denn Wind- und Sonnenergie sind vom Wetter abhängig. Für eine Grundversorgung oder um Spitzenlasten zu decken, würden Kohle- und Gaskraftwerke daher weiterhin gebraucht. In anderen Länder gibt es bereits Regelungen, nach denen die Stromkonzerne für die Aufgabe extra vergütetet werden.
Unabhängig von den Zukunftsaussichten und der Dividendenrendite, dürfte der Wert Aktionären in den kommenden Tagen starke Nerven abverlangen. Auf Dax-Titel limitierte Investoren werden ihre Anteile abgeben müssen und auch das Aktienpaket das E.ON noch an Uniper hält stellt einen Überhang dar. An der Börse wird nicht erwartet, dass der Konzern bei seinem jetzigen Anteil bleiben wird. Nur durch den Abbau der Beteiligung kann E.ON schließlich Geld mit dem Börsengang erzielen.
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