Als UniCredit am Mittwochmittag sein Angebot für die Commerzbank vorlegte, saß deren Chefin Bettina Orlopp gerade auf der Bühne der OMR-Marketing-Konferenz in Hamburg. Dort gab sich Orlopp kämpferisch: Sie fordert einen höheren Preis für Aktionäre.
Der Übernahmekampf um die Commerzbank wird vor allem über die Medien geführt. Nachdem Unicredit-Chef Andrea Orcel schon im Vorfeld kein gutes Haar an der Commerzbank-Strategie ließ und am Mittwoch im „Börse Online“-Interview erneut Gespräche mit der Commerzbank-Führung anbot, zeigt sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp angriffslustig, wie die Onlineausgabe des „Manager Magazins“ berichtet.
Während Orlopp am Dienstag auf der OMR-Bühne in Hamburg Rede und Antwort stand, veröffentlichte UniCredit praktisch zeitgleich ihr offizielles Übernahmeangebot. Orlopp stellte daraufhin auf offener Bühne die zentrale Frage aus Aktionärssicht in den Mittelpunkt: Stimmt der Preis? Ihre Botschaft ist klar: Die Commerzbank-Aktionäre sollten „einen anständigen Preis bezahlt bekommen“, forderte Orlopp. „Und das ist im Moment nicht der Fall“.
„Mehr als zehn Gespräche“ mit Unicredit geführt
Das aktuelle Tauschangebot der Italiener hatte am Mittwochnachmittag (17:30 Uhr) einen Wert von 34,37 Euro je Commerzbank-Aktie. Das Papier der Frankfurter war aber zum gleichen Zeitpunkt an der Börse schon 37,14 Euro wert. Sie können den aktuellen Wert der Offerte täglich hier bei BÖRSE ONLINE nachverfolgen.
Orlopp äußerte zudem Zweifel, ob UniCredit die Commerzbank überhaupt richtig „liest“. Sie sei „latent verwundert“ über die Vorschläge aus Mailand. Zumal es – anders als von Orcel suggeriert – schon viele Gespräche mit den Mailändern gegeben habe. „Trotz mehr als zehn Gesprächen hat die UniCredit unser Geschäftsmodell noch nicht ganz verstanden“, sagte Orlopp dem "Manager Magazin" zufolge auf der Bühne.
Für Anleger ist das Signal klar: Die Commerzbank-Spitze will ihre Stand-alone-Story verteidigen. Orlopp argumentiert damit, dass der Angreifer die Ertragskraft und Strategie ihrer Bank unterschätze. Das will sie mit den Quartalszahlen, die am Freitag veröffentlicht werden, auch beweisen.
„Wir können das nicht so stehen lassen“
Inhaltlich kontert Orlopp auch den Restrukturierungsansatz, den UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt. Die Italiener sehen laut Aussagen von Orcel ein „Wertschöpfungspotenzial“ von bis zu zwei Milliarden Euro und rechnen bei einem Zusammenschluss bis 2030 mit einem jährlichen Mehrwert vor Steuern von 1,1 Milliarden Euro – allerdings erst nach zwei bis drei Jahren und Restrukturierungskosten von 1,6 Milliarden Euro. Orlopps Gegenposition: 2025 habe die Commerzbank ein Rekordergebnis erreicht; beim anstehenden Strategie-Update am Freitag wolle sie die Ziele nochmals erhöhen. Im Fokus steht dabei die Cost-Income-Ratio (CIR) als zentrale Bank-Kennziffer: Das bislang kommunizierte Ziel von 50 Prozent dürfte demnach sogar verschärft werden.
Orcel spricht dagegen öffentlich von „Underperformance“. „Wir können das nicht so stehen lassen“, sagt Orlopp laut „Manager Magazin“. In den Dokumenten zum Übernahmeangebot „stehen ganz viele falsche Sachen drin“. Deshalb sei sogar die Bafin eingeschritten– ein Vorgang, „den es so noch nicht gegeben hat“.
Noch nicht tauschen
Für Anleger heißt das: In den nächsten Tagen dürften Debatten um den Preis, Orlopps Strategie-Update und mögliche Nachbesserungen durch Unicredit den Kurs der Commerzbank-Aktie weiter in die Höhe treiben. Insofern besteht keine Eile, das Angebot jetzt anzunehmen – im Gegenteil.
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Häufige Fragen zum Thema?
Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?
Unicredit hat am 5. Mai 2026 ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Auf Basis eines Unicredit-Kurses vom Dienstag von rund 67 Euro (Stand 5.5.2026) entsprach das etwa 32,50 Euro 31,52 je Commerzbank-Aktie.
Wie reagiert der Markt?
Beide Aktien legten nach Vorlage des Angebots deutlich zu. Commerzbank-Aktie notiert bereits seit Wochen über dem rechnerischen Angebotspreis von Unicredit, den die Italiener am 16. März erstmals in einer Pressemitteilung genannt hatten.
Sollten Commerzbank-Aktionäre dem Tausch zustimmen?
Dafür ist das Angebot bisher zu niedrig. Analysten und Investoren rechnen jedoch mit einer Anhebung der Offerte. Auch Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich diese Option offen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.