Am Mittwoch (20. Mai) lädt die Commerzbank in Wiesbaden zur Hauptversammlung – doch trotz laufender Übernahmeschlacht hat sich der größte Aktionär offenbar nicht angemeldet. Was das bedeuten kann.

Die italienische Großbank Unicredit hat sich Insidern zufolge nicht zur Hauptversammlung der Commerzbank angemeldet. Der Großaktionär werde an dem Aktionärstreffen am Mittwoch in Wiesbaden nicht teilnehmen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Auch die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet den Vorgang.

Erst am Montag war bekannt geworden, dass Unicredit mittlerweile auf 29,99 Prozent der Commerzbank-Aktien und sogar auf 38,87 Prozent der Stimmrechet Zugriff hat. Damit hätten sich die Italiener, die am 5. Mai ein Übernahmeangebot für die Commerzbank unterbreitet haben, ernsthafte Chancen auf eine Hauptversammlungs-Mehrheit ausrechnen können. Damit bestünde etwa die Möglichkeit, den Aufsichtsrat mit eigenen Vertretern zu bestücken oder Versammlungsbeschlüsse zu kippen.

Indem die Italiener nun womöglich auf eine Teilnahme verzichten, entscheide sich das Institut vorerst für eine passive Rolle, hieß es laut der Quelle. Unicredit selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Theoretisch könnte sich der Aktionär am Mittwochmorgen auch noch vor Ort ins Teilnahmeregister eintragen.

Seit Wochen regelmäßige Gespräche

Dass Unicredit der Veranstaltung offenbar fernbleiben will, könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass die Italiener die Stimmung rund um die Übernahme nicht unnötig anheizen wollen. Nach Informationen von BÖRSE ONLINE finden im Hintergrund nicht erst seit dem Übernahmeangebot regelmäßig Treffen zwischen Vertretern der Commerzbank und Unicredit statt. Dabei soll Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp auch direkt auf ihren Kontrahenten Andrea Orcel getroffen sein. Eines dieser Treffen fand am Tag der Bekanntgabe der Quartalszahlen der Commerzbank am 8. Mai statt. Ob persönlich oder per Videocall, ist nicht bekannt.

Die Commerzbank sieht darin nichts Besonderes. Es sei ein üblicher Vorgang, dass ein Unternehmen seinen Großaktionär regelmäßig informiere.

Management lehnt Unicredit-Angebot ab

Vorstand und Aufsichtsrat hatten das Übernahmeangebot der Unicredit am Montag in einer 152-seitigen Stellungnahme eindeutig abgelehnt. In einem Brief an die Aktionäre hieß es: „Das Angebot wird dem Wert, den Perspektiven und der strategischen Bedeutung der Commerzbank nicht gerecht. Wir empfehlen Ihnen deshalb, bei der Commerzbank investiert zu bleiben und das Angebot der Unicredit nicht anzunehmen.“ Der Bund, der noch gut 12 Prozent hält, lehnt eine feindliche Übernahme der Commerzbank ebenso wie Management, Betriebsrat und Belegschaft des Instituts ab.

Der Wert der Offerte, bei der Unicredit für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien bietet, lag am Dienstag zum Ende des XETRA-Handels 5,42 Prozent unter dem heutigen Schlusskurs der Commerzbank-Aktie.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.