Wundersame Geldvermehrung im Volkswagen-Konzern: Kurz vor dem Jahresende trieb der Finanzvorstand noch sechs Milliarden Euro Cash auf – und sicherte seinen Vorstandskollegen damit offenbar ihre Boni. Investoren und der Betriebsrat haben Fragen.

Als der VW-Konzern am 21. Januar 2026 vorläufige Eckdaten für das Jahr 2025 meldete, war die Überraschung groß: Monatelang hatte der Autobauer seine Investoren darauf eingestellt, dass im Gesamtjahr kein Cashflow-Wachstum zu erwarten sei. Die Größe interessiert die Aktionäre vor allem deshalb, weil sie oft Rückschlüsse auf die Dividende zulässt. Umso überraschter war die Börse dann von der Mitteilung, dass VW im abgelaufenen Jahr einen Netto-Cashflow von sechs Milliarden Euro erzielt habe. Prompt sprang die VW-Aktie in die Höhe.

Was damals noch keiner wusste: Der Netto-Cashflow ist auch eine maßgebliche Größe für die Boni des VW-Konzernvorstands. Der hätte bei einem stagnierenden Cashflow wohl empfindliche Abstriche machen müssen, berichtete die "Bild-Zeitung" am Wochenende.

Weil Finanzvorstand Arno Antlitz aber noch sechs Milliarden auftrieb, ist der Bonus nun womöglich vollständig gesichert.

Kunstgriffe in der Bilanz

Wie hat Antlitz das gemacht? Schließlich sind die Gewinne im VW-Konzern im Jahr 2025 weiter eingebrochen, bei den Premiummarken Audi und Porsche sogar um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Hinzu kommen die neuen US-Zölle, die VW nach bisherigen, eigenen Angaben zusätzlich rund fünf Milliarden Euro vom Ergebnis kosteten.

Laut „Bild“ hat die Buchhaltung zu einigen – legalen – Hebeln gegriffen. Demnach seien Entwicklungskosten bei der Kernmarke VW ins neue Jahr verschoben worden. Gleichzeitig seien Lagerbestände auf Stahl, Chips und andere Komponenten drastisch gesenkt worden, berichtet die Zeitung. Ob und in welchem Umfang das geschah, wird erst die Konzernbilanz zeigen.

Erlöse aus Autoverkäufen vorab versilbert

Solche Buchungen reichen allerdings normalerweise nicht aus, um den Cashflow zu beeinflussen. Wichtiger dürfte ein dritter Punkt sein, den die „Bild“ aufführt: Demnach hat der Volkswagen-Konzern Forderungen aus Autoverkäufen vorzeitig verkauft. Im sogenannten „Factoring“ erhält der Käufer dafür eine Gebühr. An VW fließt also nicht mehr die volle Summe. Dafür generiert so ein Geschäft unmittelbar Cash – und das war offenbar das Ziel.

Zu dem Vorgang hat der Betriebsrat nun einige Fragen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat fordern laut „Bild“ Aufklärung über die Auswirkungen des Cashflow-Wunders auf die Boni der Vorstände und die zu erwartende Dividende. Beide Größen sind offenbar aneinander gekoppelt: Bei einem Netto-Barzufluss von Null und einer stagnierenden oder sinkenden Dividende, hätte der Vorstand offenbar auf große Teile seines Jahresbonus verzichten müssen. Nun aber werde die volle Bonus-Stufe erreicht, was laut „Bild“ bis zu 1,75 Millionen Euro extra pro Vorstandsmitglied ausmache.

Auch die Aktionäre profiteren vom Cashflow-Wunder

Auch die Familien der Großaktionäre Piëch und Porsche profitieren, genauso wie alle anderen Aktionäre. Denn da nun offiziell Cash in der Bilanz vorhanden ist, hat Volkswagen auch wieder Spielraum für die Auszahlung einer Dividende. Die wird allerdings nach Schätzungen von BÖRSE ONLINE mit 4,86 Euro je Vorzugsaktie etwa ein Viertel niedriger ausfallen als im Vorjahr, als es noch 6,36 Euro gab. Auf Basis des aktuellen Kurses der VW-Vorzüge entspricht das dennoch einer Dividendenrendite von 4,7 Prozent – eine der höchsten im Dax.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor, Markus Voss, und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..