2024 stritten VW-Vorstand und Belegschaft monatelang um ein Sparprogramm – das schließlich im Dezember des Jahres vereinbart wurde. Ein Jahr später scheint das jedoch nicht mehr auszureichen. Es stehen neue, höhere Summen im Raum.

Der VW-Konzern plant nach einem Bericht des „Manager Magazins“ erneut ein einschneidendes Sparprogramm mit einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro. Nach Angaben des Magazins sollen die Kosten dadurch bis 2028 um 20 Prozent sinken. Grund für den Schritt seien vor allem die schleppenden Verkäufe in China und die US-Zölle.

Aufgrund dieser Faktoren gehe der Vorstand davon aus, dass die bisherigen Sparbemühungen nicht ausreichten. Sogar Werksschließungen könnten „mm“ zufolge nicht ausgeschlossen werden, genauso wenig wie ein weiterer Stellenabbau über die angekündigten 35.000 Stellen hinaus. Details nannte das Blatt nicht.

Laut dem Bericht sollen Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz ihre oberste Führungsriege bei einer Veranstaltung Mitte Januar mit den verschärften Sparvorgaben überrascht haben. „Wir müssen die Gewinnschwelle senken“, zitieren Teilnehmer den VW-Konzernchef. 20 Prozent weniger Kosten seien „die Ambition“ für alle Marken und über alle Kostenarten hinweg.

VW kommentieret den Bericht bisher nicht und verwies auf die bereits laufenden Sparprogramme bei allen Marken. Dadurch habe man bereits Einsparungen in zweistelliger Milliarden-Euro-Höhe erreicht, sagte ein Sprecher. Einen Zwischenstand werde Konzernchef Blume am 10. März bei der Jahrespressekonferenz des Volkswagen-Konzerns geben.

Betriebsrat: „Mit uns gibt es keine Werksschließungen“

Der Betriebsrat kommentierte den Artikel für die Belegschaft laut dpa im VW-Intranet. Dieser erscheine „eher eine Zustandsbeschreibung der längst laufenden Effizienzprogramme“, hieß es darin. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach sich klar gegen Standortschließungen aus: „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben.“

 Ihr sei bewusst, dass sich der Konzern nach wie vor in einer schwierigen Lage befinde. „Deshalb haben wir in der Volkswagen AG bereits Ende 2024 mit dem Dezember-Kompromiss alles in die Wege geleitet, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Auswirkungen für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten. Mit dieser Einigung haben wir Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich ausgeschlossen.“

Ähnlich äußerte sich die IG Metall. Die Vereinbarung aus dem Dezember 2025 beinhalte unter anderem „den klaren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2030“, sagte Niedersachsens Bezirksleiter Thorsten Gröger. „Vor dem Hintergrund dieser verbindlichen Regelungen stellen sich die aktuell aufgeworfenen Fragen für uns nicht.“

Auch Audi-Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer sagte, an der Vereinbarung gebe es nichts zu rütteln. „Deswegen sind Spekulationen über eine Werksschließung bezüglich der heimischen Standorte - von wem auch immer - schlichtweg überflüssig.“

Unternehmen und Gewerkschaft hatten sich Ende 2024 nach langem Ringen auf ein Sanierungsprogramm geeinigt, das den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2030 vorsieht. Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen wurden im Gegenzug ausgeschlossen. Der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen. Bisher wird dadurch eine Ergebnisverbesserung von elf Milliarden Euro angepeilt. Sie liegt damit deutlich unter dem nun kolportieren Sparziel von 60 Milliarden Euro.

Überraschend gut gefüllte Kasse sorgt für Ärger

Erst vor drei Wochen hatte VW überraschend mitgeteilt, dass der Cashflow im Geschäftsjahr 2025 deutlich besser ausgefallen war als bisher angenommen. Statt der zuvor angepeilten null Euro seien es nun sechs Milliarden Euro. Dadurch hatte der Vorstand Presseberichten seine Bonusziele erfüllt – ansonsten wären die Bosse weitgehend leer ausgegangen. Betriebsratschefin Cavallo hatte daraufhin umgehend gefordert, dass nun auch die Tarifbeschäftigten eine Anerkennungsprämie erhalten müssten.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Bekam VW Druck von Ratingagenturen?

Laut „Manager Magazin“ gab es jedoch noch einen anderen Grund, warum Finanzvorstand Arno Antlitz Buchungstricks nutzte, um den Cashflow zu erhöhen: Demnach soll es zuletzt zunehmend Druck von Rating-Agenturen gegeben haben, die mit einer Herabstufung der Bonität des Konzerns drohten. Das hätte zu steigenden Zinsen für Volkswagen geführt.

Deshalb Finanzvorstand Antlitz auch zu Methoden gegriffen, die bei VW bisher Tabu gewesen seien, wie etwa dem Verkauf noch offener Forderungen aus verkauften Neuwagen.

Auf die VW-Aktie hatte die Meldung, die bereits am Montag erschien, erstmal keine Auswirkungen. Der Kurs steht derzeit knapp unter 103 Euro und bewegt sich damit seit Anfang Dezember mehr oder weniger in einem Seitwärtstrend. Damit notiert er immerhin noch über der 200-Tage-, die allerdings mittlerweile waagerecht verläuft und somit auch keine Impulse gibt.

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Der Autor, Markus Voss, und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..

Enthält Material von dpa-AFX