Ein Medienbericht hat am Donnerstag neue Fragen zu dem überraschenden Cashflow-Anstieg bei Volkswagen im 4. Quartal aufgeworfen. Könnten die Bilanztricks so weit gegangen sein, dass sich Tochtergesellschaften dafür verschulden mussten?
Der überraschende Cashflow-Anstieg im Volkswagen-Konzern kurz vor Jahresende sorgt erneut für Wirbel. Wie bereits berichtet, hatte VW statt eines ursprünglich angekündigten Nettocashflows von Null Ende Januar überraschend ein Plus von sechs Milliarden Euro gemeldet. Der Cashflow ist eine wichtige Grundlage für die Festsetzung der Dividende, was Aktionären zugutekommen könnte.
Allerdings wurde durch die neu aufgetauchten Milliarden auch eine Bonusschwelle erreicht, die für die erfolgsabhängige Vergütung des Konzern-Vorstands maßgeblich ist. Arbeitnehmervertreter hatten das kritisiert und nun ihrerseits eine Beteiligung der Mitarbeiter an dem Geldsegen gefordert. Diese hatten im Zuge des ausgehandelten Sparprogramms auf große Teile ihrer jährlichen Prämie verzichten müssen.
Kanm ein Trick aus der Private-Equity-Welt zum Einsatz?
Nun wirft ein Bericht der „Wirtschaftswoche“ neue Fragen zu der wundersamen Geldvermehrung auf. Bisher war die Rede davon, dass VW-Finanzchef Arno Antlitz unter anderem Lagerbestände neu bewerten ließ und Forderungen aus Fahrzeugverkäufen vorab mit Abschlägen verkauft habe, ein sogenanntes „Factoring“-Modell.
Die „Wirtschaftswoche“ bringt nun eine andere Variante ins Spiel: Die Cashflow-Milliarden seien nach Angaben von VW-Insidern unter anderem durch die Verschiebung von Firmen innerhalb des Konzerns entstanden. Dafür seien Holdinggesellschaften in Luxemburg genutzt worden. Das Magazin zitiert einen nicht näher genannten Insider, der das Vorgehen mit einem „bei Private-Equity-Firmen verbreiteten Taschenspielertrick“ vergleicht, der dem Konzern noch auf die Füße fallen könne.
So funktioniert der Cashflow-Trick
Der Trick bestehe darin, dass Firmen, die an Wert gewonnen haben, innerhalb eines Konzerns veräußert werden, sodass bei der verkaufenden Gesellschaft ein Gewinn entsteht. Dieser ist jedoch erst einmal nur ein Buchgewinn und existiert nur auf dem Papier. Innerhalb eines Konzerns wäre das zudem nur eine Verschiebung, der Konzerngewinn erhöht sich dadurch insgesamt nicht.
Die Muttergesellschaft könne aber darauf drängen, dass die Tochter den entstandenen Buchgewinn an sie ausschüttet – in Form von Cash. Dann müsste die Tochter dieses Geld irgendwie besorgen. Konzerninsider, die die „Wiwo“ zitiert, vermuten nun, dass sich Tochtergesellschaften diese Barmittel über Kredite beschaffen mussten. Für Unternehmen wie Audi oder Porsche, deren Ertragslage schlecht ist, wäre dies eine zusätzliche Belastung.
Wenn aber Töchter wie Porsche, Škoda oder Audi diese Gewinne zunächst in Cash an die Muttergesellschaft Volkswagen AG abführen und dieses Geld dann in Form von Dividenden an die VW-Aktionäre weitergereicht würde, würden dem VW-Konzern liquide Mittel entzogen, bilanziert das Magazin. Geld, das der angeschlagene Autoriese unter Umständen für eigene Projekte dringend benötige. Das gelte insbesondere für die derzeit angeschlagenen Premiummarken Audi und Porsche.
Börse reagiert verunsichert
Ob VW diesen Trick wirklich angewandt hat, lässt sich nicht abschließend sagen. Antworten darauf könnte Finanzvorstand Antlitz auf der Bilanzpressekonferenz des Volkswagen-Konzerns geben, die allerdings erst für den 10. März angesetzt ist. Dann wird VW auch mitteilen, wer von dem Geldregen wirklich profitiert – und ob er Einfluss auf die Dividende haben wird.
An der Börse sorgte der Bericht für Verunsicherung: Die VW-Vorzugsaktie gehörte am Mittag mit einem Abschlag von 2,6 Prozent zu den schwächsten Werten im DAX.
Die richtigen Aktien für Ihre Dividendenstrategie
Gleich 25 globale Dividenden-Titel auf einen Schlag bietet der „Globale Dividenden-Stars“-Index von BÖRSE ONLINE. Hier finden Sie weitere Informationen dazu sowie die Zertifikate, über die Sie den Index kaufen können.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor, Markus Voss, und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..