Erneuter Rückschlag für Novo Nordisk. Nachdem der Kurs gerade erst begonnen hatte, sich vom letzten Rückschlag zu erholen, trifft eine neue Nachricht die Aktionäre am Montag bis ins Mark.

Im Rennen um den boomenden Markt für Abnehmmedikamente hat Novo Nordisk erneut einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Der dänische Pharmariese konnte in einer direkten Vergleichsstudie nicht zeigen, dass sein Hoffnungsträger CagriSema mindestens genauso wirksam ist wie das Konkurrenzpräparat Tirzepatid von Eli Lilly. Die Aktie von Novo Nordisk brach deshalb am Montag zweistellig ein, Eli Lilly kann zulegen.

In dem Test verloren Patienten nach 84 Wochen mit CagriSema im Schnitt 23 Prozent ihres Körpergewichts. Die Vergleichsgruppe, die Tirzepatid bekam, senkte ihr Gewicht dagegen um 25,5 Prozent. An der Studie nahmen 809 stark übergewichtige Erwachsene mit mindestens einer Begleiterkrankung teil. Damit blieb Novo hinter den Erwartungen zurück. Denn CagriSema war bisher als nächste Evolutionsstufe der eigenen Blockbuster-Therapie gegen Adipositas positioniert worden.

Börse straft Novo sofort ab

An der Börse folgte die Quittung prompt: Die Novo-Nordisk-Aktie brach nach Veröffentlichung der Daten am Vormittag um mehr als elf Prozent ein, bis zum Nachmittag verlorn erdi PÜapuere sogar 15 Prozet auf 255 Dänische Kronen, umgerechnet gut 34 Euro. Die Papiere von Eli Lilly legten im vorbörslichen Handel dagegen um rund 3,5 Prozent zu. Anleger werten die Daten als klaren Wettbewerbsvorteil für die Amerikaner.

Für Novo Nordisk kommt der Dämpfer zu Unzeit. Das Unternehmen hatte seine Investoren zuletzt bereits mit schwachen Jahreszahlen und einer vorsichtigen Prognose für 2026 verunsichert. Dann kam in den USA ein Streit mit Hims & Hers um eine Billig-Kopie der Wegovy-Pille hinzu. Diesen konnte Novo Nordisk zwar vorerst gewinnen – doch der Kurs erholte sich davon nur langsam.

Mounjaro-Wirkstoff bleibt das Maß der Dinge

Nun also der Rückschlag beim neuen Hoffnungsträger CagriSema. Dieser kombiniert den Wirkstoff Semaglutid – bekannt aus dem Kassenschlager Wegovy – mit Cagrilintid, einem Amylin-Analogon. Durch die doppelte Wirkung auf GLP-1- und Amylin-Rezeptoren sollte eigentlich ein stärkerer Gewichtsverlust erreicht werden als mit Semaglutid allein. Genau dieses zusätzliche Plus konnte nun jedoch nicht überzeugend belegt werden.

Tirzepatid, das Eli Lilly unter den Marken Mounjaro und Zepbound vertreibt, bleibt damit vorerst der Maßstab im Markt. Das Mittel gilt bereits als besonders effektiv und nimmt der Konkurrenz deshalb beständig Marktanteile ab.

Novo Nordisk (WKN: A3EU6F)

Lehren für Anleger

Anleger lernen daraus: Im milliardenschweren Adipositas-Segment entscheiden kleine Wirksamkeitsunterschiede über Marktanteile und Bewertungen – und seien wie hier es 1,5 Prozentpunkte Unterschied bei der Gewichtsabnahme. Während Lilly seine Führungsrolle festigt, wachsen die Befürchtungen, dass Novo, der Erfinder der Adipositas-Medikamente, ernsthaft den Anschluss verliert.

Das letzte Ass der Dänen ist aktuell, dass sie als bisher einziger Anbieter neben Spritzen auch eine Abnehmpille von Wegovy auf dem Markt haben. Eli Lilly will im Jahresverlauf gleichziehen– dann könnte sich auch dieses Fenster für Novo Nordisk schließen.

Charttechnisch hat die Aktie nun auch die jüngste, letzte Unterstüzung bei umgerechnet 37 Euro klar durchbrochen und setzt damit den Abwärtstrend weiter fort. Sollte der Kurs heute Intraday nicht mehr drehen, gibt es wenig Argumente dafür, jetzt Novo-Nordisk-Aktien zu kaufen.

Update: Die britische Investmentbank Barclays hat die Einstufung für Novo Nordisk überraschend mit einem Kursziel von 340 dänischen Kronen auf "Equal Weight" belassen. Zu diesem Schluss kam die Investmentbank nach einer Telefonkonferenz zum Cagrisema-Studienmisserfolg am Monta. 

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor, Markus Voss, und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.