Der DAX zeigt nach einer starken Bewegung am Montag einen Rücksetzer. In den USA gibt es stattdessen Rekorde. Außerdem im Fokus: Iran, USA, Merck, Nordex, Wacker Chemie, NOJA Power und Meta.
Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag seiner jüngsten Kursrally Tribut gezollt. Angesichts der wieder angespannteren Lage im Iran-Krieg hielten sich die Gewinnmitnahmen aber in Grenzen. Allerdings "wachsen schon wieder die Zweifel, ob es tatsächlich zeitnah zu einer schnellen und reibungslosen Einigung zwischen den Kriegsparteien kommen kann", warnte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Und für die Experten von Index-Radar "bleibt der fundamentale Nährboden dieser Rally fragil".
Der Dax schloss 0,80 Prozent tiefer bei 25.184,89 Punkten. Am Pfingstmontag hatte der Leitindex dank der anhaltenden Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs wieder die 25.000-Punkte-Marke geknackt und war zeitweise bis auf 25.438 Punkte und damit nahe an das Rekordhoch vom Januar bei 25.507 Punkten geklettert. Für den MDax, der die mittelgroßen Börsenunternehmen enthält, ging es am Dienstag letztlich um 0,33 Prozent auf 32.698,65 Punkte bergab.
Belastung kam von den gestiegenen Ölpreisen, die am Dienstag einen Teil der jüngsten Verluste wieder wettmachten. US-Militärschläge gegen iranische Raketenstellungen und Boote trotz der Waffenruhe dämpften Hoffnungen auf ein Abkommen zum Ende des Iran-Kriegs sowie zur Öffnung der Straße von Hormus und sorgten für Preisauftrieb am Ölmarkt.
Rekorde in den USA
Nach dem langen Wochenende haben einige US-Indizes am Dienstag neue Rekordhöhen erreicht. Während der Dow Jones Industrial noch knapp unter seiner Bestmarke vom Freitag blieb, konnten der S&P 500 und der Nasdaq 100 nach einigen Tagen Pause wieder Rekorde aufstellen. Der Nasdaq überwand dabei erstmals die Marke von 30.000 Punkten.
Neben der schon länger maßgeblichen KI-Fantasie vollzogen die beiden Indizes auch die Hoffnung auf ein Rahmenabkommen im Iran-Krieg nach, die am Vortag bereits in Europa und Asien eingepreist worden war, als der US-Handel feiertagsbedingt pausiert hatte. In der Breite störte es nicht groß, dass neue Angriffe im Iran und im Libanon die laufenden Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs überschatteten. Ein Marktbeobachter sieht im Iran-Krieg beide Seiten "immer noch näher an einem Abkommen als zuletzt".
Der S&P 500 legte nach etwas mehr als einer Handelsstunde um 0,9 Prozent auf 7.538 Punkte zu, während der Nasdaq 100 mit Rückenwind anhaltender KI-Fantasie um 1,9 Prozent auf 30.027 Punkte stieg. Die beiden Indizes zeigten damit mehr Schwung als die Standardwerte, die im Dow Jones Industrial mehr Gewicht haben. Der Leitindex der Wall Street stand mit 50.570 Punkten seinem Freitagsniveau nahe. Für eine Bestmarke hätte er über 50.830 Punkte steigen müssen.
Im Technologiebereich bleiben Chipwerte am Dienstag der Taktgeber. Nachdem ihre Rally zuletzt eine Pause eingelegt und Anleger sich eher Branchenwerten in Asien und Europa gewidmet hatten, zieht nun auch wieder die Nachfrage nach US-Werten an.
Dies zeigte sich vor allem bei Micron mit einem Kurs, der um mehr als elf Prozent auf 835 US-Dollar nach oben sprang. Die Schweizer Großbank UBS hatte ihr Kursziel in einer Studie verdreifacht. Mit 1.625 Dollar erreicht das von Timothy Arcuri genannte Zielniveau ganz neue Sphären, denn die Ziele anderer renommierter Analysehäuser liegen deutlich niedriger. In der Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg galt bislang Ricky Seo von HSBC mit 1.100 Dollar als größter Optimist.
Mit 5,7 Prozent ebenfalls deutlich war der Kurssprung beim Halbleiterunternehmen Marvell Technology <US5738741041>. Hier gab es eine Kaufempfehlung der britischen Bank HSBC - mit einem ebenfalls vervielfachten Kursziel. Die von Frank Lee angepeilten 300 Dollar bedeuten auch hier das höchste bislang von Analysten genannte Ziel.
Mit Autozone machte eine Aktie im Nebenwertebereich negativ von sich reden. Sie fielen um mehr als zehn Prozent auf ein Tief seit November 2024, weil der Autoteilehändler im vergangenen Quartal mit seiner Umsatzentwicklung enttäuschte.
Nachrichten aus Deutschland
Wacker Chemie
Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Wacker Chemie von 84 auf 104 Euro angehoben, die zuletzt stark erholten Aktien aber von "Buy" auf "Neutral" abgestuft. Der weitere Spielraum sei begrenzt, schrieb Christian Bell am Montagabend. Die Berechenbarkeit des Timings und Ausmaßes einer weiteren Gewinnerholung sei schwierig und die Aktien seien vor diesem Hintergrund zunächst fair bewertet.
Nordex
Der Windturbinen-Hersteller Nordex hat einen weiteren Auftrag aus der Türkei an Land gezogen. Die Hanseaten sollen 16 ihrer Windenergieanlagen des Typs N175/6.X mit einer Gesamtleistung von 110 Megawatt liefern und in einem Windpark in der türkischen Provinz Balkesir errichten. Auftraggeber sei der langjährige Kunde Eksim Enerji, teilte Nordex am Dienstag in Hamburg mit. Über die Lieferung und Errichtung der Turbinen hinaus haben beide Partner einen zehnjährigen Service-Vertrag abgeschlossen, womit Nordex unter anderem die Überwachung, Wartung und etwaige Reparatur der Anlagen übernimmt.
Merck
Nach ihrer jüngsten Erholungsrally haben die Aktien von Merck KGaA <DE0006599905> am Dienstagmorgen geschwächelt. Auf der Handelsplattform Tradegate rutschten die Papiere der Darmstädter 1,3 Prozent unter ihren Xetra-Schluss auf 128,30 Euro. Seit dem Jahrestief Mitte März hatten sie sich zuletzt um 29 Prozent erholt.
In der Einordnung des Bewertungsniveaus herrscht nun Unstimmigkeit zwischen Experten. Während Analyst James Vane-Tempest von der Investmentbank Jefferies die Aktie jetzt beim Kursziel von 129 Euro neu mit "Hold" einstuft, hält sie Richard Vosser von JPMorgan immer noch für unterbewertet.
Sein Kursziel liegt bei 150 Euro. Der JPMorgan-Experte traut ihnen bis 2030 mit im Schnitt etwa 9 Prozent ein Ergebniswachstum am oberen Ende der europäischen Pharma-Konkurrenz zu. Jefferies-Experte Vane-Tempest sieht derweil nur noch Spielraum, wenn Innovationen durchschlagen.
Grand City Properties
Dass Jefferies das Kursziel für Grand City Properties deutlich senkte und die bisherige Kaufempfehlung strich, brockte den Aktien des Immobilienunternehmens ein Minus von 1,8 Prozent ein. Branchenexperte Pierre-Emmanuel Clouard sieht bei einigen europäischen Immobilienwerten attraktive Einstiegschancen. Bei Grand City monierte er aber die geringe Aktienliquidität nach der Anteilsaufstockung durch Großaktionär Aroundtown sowie einen anhaltenden Ergebnisdruck.
Lufthansa
Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat das Kursziel für die Aktie der Lufthansa von 7,30 auf 6,20 Euro gesenkt und die Papiere von "Equal-weight" auf "Underweight" abgestuft. Analyst Axel Stasse rät zu einem selektiven Vorgehen bei Europas Airlines in Zeiten sinkender Gewinnerwartungen. Bei der Lufthansa dürfe im zweiten Halbjahr nichts schiefgehen und es brauche Rückenwind von den Kerosinpreisen, um die Jahresziele zu erreichen.
Die Aktien des Konkurrenten Air France-KLM stufte Stasse dagegen bei einem auf 11,50 Euro erhöhtem Kursziel auf "Overweight" hoch. Ein Reset der Ergebnis- und Cashflowziele sowie die günstige Bewertung sorgten für ein vergleichsweise geringeres Risiko, so der Experte. Sein absoluter Branchenfavorit bleibt aber IAG, die Holding unter deren Dach British Airways und Iberia fliegen. Hier lobt er insbesondere die Kostendisziplin, robuste Cashflows und hohe Ausschüttungen an die Aktionäre.
Internationale Nachrichten
Taiwan überholt Indien als fünftgrößter Aktienmarkt der Welt
Getrieben vom KI-Boom hat Taiwan Indien als fünftgrößten Aktienmarkt der Welt überholt, mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von rund 4,95 Billionen Dollar. Der Aufstieg ist fast ausschließlich auf TSMC zurückzuführen, das allein rund 42 Prozent des taiwanesischen Leitindex ausmacht und dessen Aktie in diesem Jahr bereits um 49 Prozent gestiegen ist. Zusätzliche Rückendeckung erhält der Markt durch neue Regulierung: Taiwans Finanzaufsicht hat die Investitionsobergrenze für heimische Fonds in Einzeltitel angehoben, was laut JPMorgan Zuflüsse von über 6 Milliarden Dollar auslösen könnte.
Metas CTO will Unternehmen radikal mit KI umbauen
Andrew Bosworth, Chief Technology Officer von Meta, treibt intern einen grundlegenden Wandel der Arbeitsstruktur voran: Er will große Teams mit wenigen oder gar keinen Managern, den Verzicht auf traditionelle Planungsdokumente und stattdessen direkt testbare Prototypen. In einem internen Memo erklärte er, dass KI-Agenten zunehmend Aufgaben übernehmen werden, die bislang Stunden dauerten, und dass Mitarbeiter künftig „nicht mehr in jeden Prozess eingebunden sein müssen". Der Umbau läuft parallel zu den laufenden Massenentlassungen von rund 8.000 Stellen, die das Unternehmen als Effizienzprogramm zur Stärkung seiner KI-Strategie bezeichnet.
USA führen neue Angriffe im Iran durch – Märkte geben Gewinne ab
US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Dienstag erneut Ziele im Südirans angegriffen und die Aktion als Selbstverteidigung bezeichnet, nachdem iranische Kräfte Minenlegemanöver in der Straße von Hormuz unternommen haben sollen. Die Schläge erfolgten ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als Trump öffentlich von Fortschritten bei den Verhandlungen gesprochen hatte und US-Außenminister Rubio erklärte, ein Deal könnte „in wenigen Tagen" erreicht werden. S&P-500-Futures, die zuvor um mehr als ein Prozent gestiegen waren, reduzierten ihre Gewinne nach der Meldung auf rund 0,7 Prozent.
Goldman Sachs übernimmt australischen Stromausrüster NOJA Power für eine Milliarde Dollar
Goldman Sachs Asset Management hat sich laut australischen Medienberichten im Bieterwettbewerb gegen Blackstone und GE Vernova durchgesetzt und will den Hersteller von Schaltanlagen NOJA Power aus Brisbane für rund eine Milliarde Dollar übernehmen. Die Unterzeichnung des Deals wird für Mitte Juni erwartet. NOJA Power gilt als attraktives Ziel im Bereich Strominfrastruktur, einem Sektor, der angesichts des wachsenden Energiebedarfs durch KI-Rechenzentren und Energiewende stark an Bedeutung gewinnt.
BlackRock warnt vor dem Ende klassischer Portfolioabsicherung
Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock warnt, dass traditionelle Absicherungsinstrumente wie Anleihen und Gold im aktuellen Marktumfeld versagen – Gold etwa ist seit Beginn des Iran-Konflikts um 15 Prozent gefallen, während Ölpreise um 43 Prozent gestiegen und US-Anleiherenditen deutlich geklettert sind. BlackRock empfiehlt Anlegern, ihre Diversifizierung zu „diversifizieren" und für längere Anlagehorizonte stärker auf Hedgefonds und private Märkte zu setzen. Trotz der Warnung hält das Institut an einer grundsätzlich risikofreundlichen Positionierung fest und verweist auf starkes Gewinnwachstum der Unternehmen und den anhaltenden KI-Investitionszyklus als stützende Faktoren.
Quantencomputer-Aktien geben nach staatlich getriebenem Rally nach
Nachdem die US-Regierung über den CHIPS Act Fördermittel von über 2 Milliarden Dollar für neun Quantencomputing-Unternehmen angekündigt hatte und die Aktien entsprechend stark gestiegen waren, setzten heute Gewinnmitnahmen ein – IonQ, D-Wave und Rigetti verloren zwischen 6 und 8,5 Prozent. Einziger Ausreißer nach oben war Honeywell, dessen Quantinuum-Einheit einen Börsengang mit einem Emissionsvolumen von rund 1,05 Milliarden Dollar anstrebt. Die Korrekturen verdeutlichen, wie stark die Sektor-Rally zuletzt auf staatlich gestützter Euphorie basierte, ohne dass die meisten Unternehmen bereits nennenswerte Umsätze erzielen.
Strategy kauft eigene Schulden mit Abschlag zurück – Aktie fällt dennoch
Michael Saylors Bitcoin-Investmentvehikel Strategy hat eigene Wandelanleihen mit Fälligkeit 2029 für 1,38 Milliarden Dollar zurückgekauft – rund 8 Prozent unter dem Nennwert – und reduziert damit seine ausstehenden Schulden von 8,2 auf 6,7 Milliarden Dollar. Der Schritt wird von Branchenbeobachtern als positives Signal für das Schuldenmanagement gewertet, da er eine bedeutende Rückzahlungsverpflichtung für 2028 beseitigt. Dennoch fiel die Aktie im vorbörslichen Handel um rund 3 Prozent, was den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Monate widerspiegelt – die Aktie hat in den letzten zwölf Monaten rund 59 Prozent ihres Wertes verloren.
Enthält Material von dpa-AFX
Häufig gestellte Fragen
Warum erreichen S&P 500 und Nasdaq 100 neue Rekorde, während der DAX nachgibt?
Der DAX gab am Dienstag rund 0,8 Prozent nach, da neue US-Militärschläge im Iran die Hoffnungen auf ein schnelles Friedensabkommen dämpften und die Ölpreise wieder anzogen. Die US-Indizes konnten dagegen neue Rekorde aufstellen, weil sie die Iran-Hoffnung erst am Dienstag nachvollzogen – der amerikanische Markt hatte am Pfingstmontag feiertagsbedingt pausiert. Zudem trieb anhaltende KI-Fantasie vor allem den Nasdaq 100 erstmals über die Marke von 30.000 Punkten.
Was steckt hinter dem spektakulären Kurssprung bei Micron und Marvell Technology?
Micron sprang um mehr als elf Prozent, nachdem UBS ihr Kursziel auf 1.625 Dollar mehr als verdreifacht hatte – das höchste Ziel aller renommierten Analysehäuser. Marvell Technology legte rund 5,7 Prozent zu, nachdem HSBC eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 300 Dollar ausgesprochen hatte. Beide Kurssprünge spiegeln die wiederaufgeflammte Nachfrage nach US-Chipwerten als zentrale Profiteure des KI-Infrastrukturbooms wider.
Warum warnt BlackRock vor dem Ende klassischer Portfolioabsicherung?
BlackRock stellt fest, dass traditionelle Absicherungsinstrumente wie Anleihen und Gold im aktuellen Umfeld versagen. Gold ist seit Beginn des Iran-Konflikts um 15 Prozent gefallen, während Ölpreise um 43 Prozent gestiegen und US-Anleiherenditen deutlich geklettert sind. Der weltgrößte Vermögensverwalter empfiehlt Anlegern daher, stärker auf Hedgefonds und private Märkte zu setzen – hält jedoch grundsätzlich an einer risikofreundlichen Positionierung fest, gestützt auf starkes Gewinnwachstum und den anhaltenden KI-Investitionszyklus.