Hannover Rück-Aktie unter Druck: Versicherer pirscht sich an Vorjahresgewinn heran
· Börse Online Redaktion
Hannover Rück blieb - anders als der größere Rivale Swiss Re von Großschäden fast völlig verschont. Der Sturm "Niklas" war mit 35 Millionen Euro der größte Einzelschaden in diesem Jahr. Insgesamt musste die Talanx-Tochter für Großschäden fast 100 Millionen Euro weniger zahlen als geplant; damit bleibt ein größerer Puffer für den Rest des Jahres. Swiss Re, die Nummer zwei der Branche, waren ein Satellitenabsturz und der Brand auf einer Öl-Plattform teuer zu stehen gekommen.
An der Börse konnte Hannover Rück damit nicht beeindrucken. Die Aktie fiel im Nebenwerteindex MDax um 2,7 Prozent auf 97,70 Euro. Analysten hatten Hannover Rück schon vorher einen Gewinn von 966 Millionen Euro zugetraut. "Anleger nutzen die Gelegenheit, um Gewinne mitzunehmen", sagte ein Händler. Die Aktien des Rückversicherers haben seit Jahresbeginn 34 Prozent zugelegt, der MDax kam nur auf ein Plus von 25 Prozent.
Die Prämieneinnahmen wuchsen dank des starken US-Dollar bis Ende Juni um 21,5 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Hannover Rück habe von einigen großen Vertragsabschlüssen profitiert, die für Wachstum sorgten, und weniger vom Brot-und-Butter-Geschäft, erklärte Vogel. Für das Gesamtjahr sagt er nun - Währungseffekte herausgerechnet - ein Prämienwachstum von fünf bis zehn Prozent voraus. Im ersten Halbjahr waren es 9,5 Prozent.
Die Preise für den Schutz vor Naturkatastrophen blieben aber unter Druck, sagte Vogel. Die Erstversicherer brauchen weniger Rückversicherungsschutz, weil sie die Kosten für Großschäden auch allein stemmen können, während Investoren viel frisches Kapital in das Geschäft pumpen. Bei der Erneuerungsrunde für die USA registrierte Hannover Rück zwar eine Bodenbildung. "Aber man kann nicht sagen, das ist die Trendwende" sagte Vogel. "Das ist nicht die Zeit, massiv zu wachsen. Man muss da sehr selektiv unterwegs sein."
Hannover Rück erwägt, einen größeren Teil des 7,7 Milliarden Euro dicken Kapitalpolsters an die Aktionäre auszuschütten. Für gewöhnlich zahlt der Rückversicherer maximal 40 Prozent des Nettogewinns als Dividende, 2014 war es mit 4,25 Euro je Aktie gut die Hälfte. "Es spricht einiges dafür, dass die Dividenden-Entscheidung ausfällt wie im letzten Jahr", sagte Vogel.
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