Die Aktie des Chipherstellers Infineon hat im Jahr 2026 schon mehr als 50 Prozent zugelegt. Diesen Kursanstieg müssen die Deutschen am Mittwoch mit ihren Quartalszahlen rechtfertigen. BÖRSE ONLINE erklärt, wie hoch die Latte liegt.
Infineon verzeichnet derzeit wie die gesamte Halbleiterbranche eine starke Nachfrage bei Anwendungen für die Künstliche Intelligenz (KI). Gleichzeitig blieb das übrige Marktumfeld noch schwierig. Das hatte im ersten Quartal des Infineon-Geschäftsjahres 2025/2026 sogar zu einem Umsatzrückgang geführt. Diese Scharte wollen die Neubiberger am Mittwoch mit ihren Zahlen zum zweiten Quartal auswetzen.
Damit rechnet Infineon
Eigenen Angaben zufolge will Infineon mehr investieren, um den Ausbau von Fertigungskapazitäten für die Stromversorgungen von KI-Rechenzentren voranzutreiben.
Geplant sind für 2025/26 (per Ende September) insgesamt 2,7 Milliarden Euro an Investitionen und damit 500 Millionen mehr als zunächst vorgesehen. Ein großer Teil der zusätzlichen Mittel soll in die Fabrik in Dresden fließen. In den nächsten Jahren soll auch der Ausbau der Netzinfrastruktur hinzukommen.
Der KI-Boom und die damit einhergehende steigende Nachfrage nach Rechenzentren dürfte Infineon dabei helfen, eine anhaltende Schwäche in der Automobilindustrie zu überbrücken. Das Geschäft mit der Autoindustrie macht derzeit rund die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.
Das prognostiziert Infineon (bisher)
Der Umsatz soll 2025/26 moderat steigen nach 14,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor. 1,5 Milliarden Euro erwartet Infineon dabei im KI-Bereich - die Prognose ist Konzernchef Jochen Hanebeck zufolge "rein angebotsbezogen". Der Bedarf ist deutlich höher. Für das Geschäftsjahr 2027 sollen die Erlöse dann deutlich auf 2,5 Milliarden Euro steigen.
Die Segmentergebnis-Marge soll im laufenden Geschäftsjahr im hohen Zehner-Prozentbereich liegen. Im Jahr zuvor hatte Infineon auch aufgrund der Schwäche der Automobilindustrie Rückgänge verzeichnet.
In der Prognose nicht enthalten ist die Übernahme eines Teils des Sensorgeschäfts von AMS Osram, die Infineon im Februar angekündigt hatte.
Für das zweite Quartal rechnet der Konzern mit einem leichten Umsatzplus auf 3,8 Milliarden Euro und einer Marge im mittleren bis hohen einstelligen Zehn-Prozentbereich.
Damit rechnen die Analysten
Die Infineon-Analysten erwarten nach einem Rückgang zum Jahresauftakt im zweiten Geschäftsquartal wieder eine Rückkehr in die Wachstumszone. Ihren Prognosen sollten die Erlöse im Vergleich zum Vorquartal um vier Prozent auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Das geht aus einem von Infineon veröffentlichten Konsens hervor. Damit liegen auf einer Linie mit der Prognose des Managements. Die Entwicklung im Auto-Geschäft sehen die Beobachter dabei nahezu unverändert, während die Sparte Power & Sensor Systems (PSS), die auch das Geschäft mit Servern und Rechenzentren enthält, zulegen dürfte.
Die Segmentergebnis-Marge soll nach Analystenprognosen die Experten bei 17,7 Prozent und damit leicht unter dem Wert des Vorquartals. Für PSS gehen sie von einem deutlichen Margenanstieg aus, während die Marge im Autogeschäft zurückgehen dürfte.
Für das Gesamtjahr rechnet Sandeep Deshpande von JPMorgan damit, dass die Jahresziele angehoben werden. Die Ursache dafür würde er in einer stärkeren Umsatz- und Margenentwicklung sehen. Derzeit liegt der Konsens der Analysten bei einem Umsatzwachstum von sieben Prozent sowie einer Segmentergebnis-Marge von 19,0 Prozent.
Wie geht es weiter?
Optimistisch zeigen sich Experten für die weitere Entwicklung. Eine Kombination aus struktureller Nachfrage bei PSS und einer breit angelegten zyklischen Erholung in den Endmärkten Automobil und Industrie sollte dem Chipkonzern einen mehrjährigen Aufschwung bescheren, erwartet etwa Metzler-Analyst Veysel Taze. Er sieht Infineon noch in einer Frühphase des Zyklus.
Im Blick stehen jedoch auch Informationen, wie sich die Krise im Nahen Osten auf die Lieferkette auswirken wird, etwa bei Kosten für Rohstoffe.
Sollte die Aktie die Erwartungen sogar schlagen können, würde die Aktie in Regionen von 60 Euro vorstoßen - und danach womöglich sogar das Allzeithoch bei 87 Euro aus dem Jahr 2000 in Angriff nehmen.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Infineon.
Enthält Material von dpa-AFX