Die italienische Großbank hat im ersten Quartal 2026 ein Rekordergebnis erzielt. Der Gewinn stieg auch durch die teilweise Auflösung einer interessanten Bilanzkonstruktion rund um die Commerzbank-Aktien.
Unicredit wird vermutlich noch an diesem Dienstag ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank vorlegen. Zuvor meldeten die Italiener Quartalszahlen – und die sind überzeugend. So stieg der Nettogewinn von Januar bis März gegenüber dem Vorjahr um 16,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 1,9 Milliarden Euro verdient. Aus Sicht der Unicredit-Aktionäre legte der Gewinn je Aktie sogar um 19,7 Prozent auf 2,15 Euro zu, die Eigenkapitalrendite auf das Tier-1-Kapital (RoTE) stieg um 2,7 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent.
Bilanzkniff für die Commerzbank-Aktien
200 Millionen Euro Gewinn verbuchte die Unicredit aus „Investments“. Dazu zählen vor allem die bereits erworben Aktien an der Commerzbank und der griechischen Alpha Bank. Interessant dabei: Die Erlöse stammen nicht einfach aus Kursgewinnen auf die beiden Aktienpakete, sondern aus der Auflösung eines „Badwill“.
Das zeigt, dass sich Unicredit bei der Akquisition der Commerzbank eines Bilanzkniffs bedient: Während bei Übernahmen normalerwies ein Goodwill entsteht, weil der Käufer eine Prämie auf den Marktwert des Anlagevermögens zahlt, die sich nicht durch die Addition aller Wertgegenstände in der Bilanz rechtfertigen lässt, so wird beim Badwill angenommen, dass das Anlagevermögen bereits zum Zeitpunkt der Akquisition mehr wert ist als der Kaufpreis. Anders gesagt: In der Bilanz schlummern dann erhebliche stille Reserven, die der Käufer beim Heben von Synergien auflösen und gewinnerhöhend verbuchen kann.
Badwill könnte gute Nachricht für die Commerzbank sein
Der Ansatz eines Badwill ist ungewöhnlich, weil ihn auch Wirtschaftsprüfer nur ungern durchgehen lassen. In Deutschland hatte sich vor mehr als 25 Jahren die Deutsche Post bei der Übernahme der Postbank eines Badwill bedient, der dann in den Folgejahren Jahr für Jahr gewinnerhöhend aufgelöst wurde.
Aus Sicht der Commerzbank bedeutet der Badwill in der Unicredit-Bilanz, dass die Italiener den Wert der Frankfurter eigentlich höher bewerten als der Börsenwert ausdrückt. Denn sonst würde ihr Angebot ja keinen Abschlag, sondern eine Prämie enthalten. Das ist ein willkommenes Argument für den Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp, der die bislang bekannte, freiwillige Offerte von 16. März als zu niedrig zurückzuweist.
Eine Anhebung des Unicredit-Angebots wird damit immer wahrscheinlicher.
Hier finden Sie die wichtigsten Daten rund um die geplante Commerzbank-Übernahme
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.