von Herausgeber Frank-B. Werner

Allmählich verzieht sich der Pulverdampf. Großbritannien wird zwar aus der EU austreten, aber zur Verwunderung mancher Wortführer in Brüssel hat das Land nicht die Absicht, sich von der Weltbühne zu verabschieden. Von wegen Schockstarre. Die Ankündigung einer markanten Senkung der Körperschaftsteuer zeigt die Angriffslust der Briten - und andersherum die Verletzlichkeit der EU, die Steuersätze auf hohem Niveau harmonisieren will. Vielleicht reiben wir uns in einigen Jahren verdutzt die Augen, wenn wir von einem Land mit niedrigen Steuersätzen, wenig Bürokratie, pragmatischer Sozial- und Arbeitsgesetzgebung sowie dereguliertem Finanzmarkt überholt werden.

Höhnisch werden der Rücktritt von UKIP-Chef Nigel Farage und das Nichtantreten von Boris Johnson für die Nachfolge von Premierminister David Cameron kommentiert. Die beiden Protagonisten des Austritts aus der Europäischen Union drückten sich davor, die Suppe auszulöffeln, die sie ihren Landsleuten mit der überzogenen Brexit-Propaganda eingebrockt hätten. Dabei ist es nur klug, wenn unbelastetes Personal die Abwicklung der EU-Mitgliedschaft verhandelt. Das wird im Übrigen auch auf EU-Seite dringend benötigt. Die Bestrafungsfantasien alter Männer führen zumindest nicht weiter. Deutsche Autobauer beispielsweise haben seit ewigen Zeiten einen riesigen Exportüberschuss gegenüber Großbritannien. Da ist davon auszugehen, dass nicht die Abgesandten aus London in Brüssel um ein Handelsarrangement betteln werden, sondern Audi, BMW, Daimler, Porsche und VW.

Als ob wir keine anderen Sorgen hätten. Das Umweltbundesamt möchte, dass ein jeder seinen Beitrag gegen den Klimawandel leistet und gibt uns Verhaltensregeln für die Feriengestaltung. Flugreisen sollten vermieden werden; "die umweltfreundlichste Urlaubsvariante ist der Urlaub auf Balkonien oder im Schrebergarten", erklärt uns das Amt. Allenfalls Rad- und Wanderurlaube seien noch akzeptable Alternativen. Na dann: schöne Ferien!