Notizzettel zur Ausgabe 44/2016: Privilegierte Apotheker
· Börse Online Redaktion
Nach jahrelangem Streit hatte der Europäische Gerichtshof gerade entschieden, dass die niederländische Versandapotheke Doc Morris deutschen Kunden bei Einreichung eines Rezepts einen Rabatt gewähren darf, da schickt sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an, den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten gänzlich zu verbieten. Damit knickt er vor der Apothekerlobby ein, die argumentiert, mehr Wettbewerb werde manche Apotheke in die Pleite treiben, die flächendeckende Versorgung sei gefährdet. Nun, der bettlägrige Patient wird das eher umgekehrt sehen. Für ihn ist der Versand von Medikamenten ein Segen. Im Übrigen: Mit der gleichen Argumentation könnte der gesamte stationäre Handel gegen Onlinehändler von Amazon bis Zalando und Filial- gegen Direktbanken ins Feld ziehen. Absurd.
Wenn der Staat sich gar nicht einmischt, kommt es aber auch nicht immer gut. Ein bisschen in eigener Sache will ich Ihnen deshalb von einem auf den Münchner Medientagen in der vergangenen Woche vorgestellten Gutachten des Instituts für Europäisches Medienrecht erzählen. Auf 150 Seiten wird dort begründet, dass die großen marktbeherrschenden Mediaagenturen, die im Auftrag ihrer Kunden bei TV-Anstalten, Radiosendern, Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien Werbeplätze buchen, entweder ganz schnell freiwillig ihre Geschäftspraxis ändern oder einer staatlichen Regulierung unterworfen werden sollten. Wörtlich: "Kann die Mediaagentur Rabatte nun behalten, hat sie (...) ein Interesse daran, nicht die Werbeplätze zu buchen, die für den Mediaplan des Werbungtreibenden am geeignetsten sind, sondern die Werbeplätze zu buchen, mit denen sie die höchsten Rabatte und damit die höchsten Gewinne erzielen kann." Man stelle sich so etwas im Vertrieb von Finanzprodukten vor. Die Bafin würde umgehend intervenieren. Diese Praxis, so die Gutachter, schädigt aber nicht nur die Kunden, sondern auch die Meinungsvielfalt, weil kleine Medienanbieter keine Gesamtvereinbarungen über große Volumina anbieten und überhöhte Rabatte gewähren können.
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