Die Lage am globalen Energiemarkt hat sich am Montag drastisch verschärft. Nachdem die Straße von Hormus infolge des Iran-Konflikts faktisch für den Tankerverkehr gesperrt wurde, greift der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Aramco zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Da die herkömmlichen Lieferwege durch die Meerenge blockiert sind, bietet das Königreich nun Rohöl über seltene Spotmarkt-Tender zur sofortigen Lieferung an. Normalerweise wickelt Saudi-Arabien den Großteil seiner Geschäfte über langfristige Verträge ab. Laut Bloomberg wurden in den letzten Tagen rund 4,6 Millionen Barrel der Sorten Arab Light, Extra Light und Arab Heavy angeboten.

Notfall-Umleitung über das Rote Meer

Um den Export trotz der Blockade aufrechtzuerhalten, pumpt Saudi-Arabien derzeit Rekordmengen an Öl durch sein Pipeline-Netzwerk quer durch das Land zum Hafen Yanbu am Roten Meer.

- Exportvolumen: Die Verschiffungen von der Westküste sind auf etwa 2,3 Millionen Barrel pro Tag gestiegen – ein Plus von 50 % gegenüber den Höchstständen der letzten zehn Jahre.

- Preisaufschlag: Die im Spotmarkt angebotenen Mengen werden mit einem deutlichen Aufpreis gegenüber den offiziellen Verkaufspreisen (OSP) gehandelt, die noch vor der Eskalation festgelegt wurden.

G7 planen massive Freigabe von Ölreserven

Angesichts der Preisexplosion – Brent-Öl schoss am Montag zeitweise auf bis zu 119 US-Dollar – herrscht bei den G7-Staaten Alarmbereitschaft. Die Finanzminister kamen am Vormittag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um eine koordinierte Freigabe strategischer Reserven zu besprechen.

Im Gespräch ist die Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel aus den Beständen der Internationalen Energieagentur (IEA). Dies wäre die größte koordinierte Aktion in der Geschichte der IEA und soll dazu beitragen, die Versorgungssicherheit im Westen zu gewährleisten und den Inflationsdruck zu mildern. Allein die Nachricht über dieses Treffen führte dazu, dass der Ölpreis von seinen Tageshochs wieder leicht auf etwa 107 bis 108 US-Dollar zurückfiel.

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