Dass sich VW auf Gedeih und Verderb auf eine Elektroauto-Strategie einließ, kam die Wolfsburger samt ihrer Töchter Audi und Porsche bisher teuer zu stehen. Doch plötzlich zieht die Nachfrage an – und viele Konkurrenten haben die Flinte längst ins Korn geworfen.
Über Jahre hatten die europäischen Autohersteller versucht, beim Elektroauto den Anschluss an Konkurrenten wie Tesla, BYD & Co. zu finden. Der frühere Volkswagen-Chef Herbert Diess hatte seinen Konzern sogar dazu verdonnert, eine „Elektro only“-Strategie zu fahren und die weitere Entwicklung von Verbrenner-Motoren sukzessive einzustellen. Seitdem haben VW und seine Konzerntöchter Audi und Porsche viel Lehrgeld zahlen müssen. Diess hat das Unternehmen längst verlassen, Porsche entschied Ende 2025, die Verbrenner wieder aufleben zu lassen – und schrieb daraufhin zig Milliarden an Entwicklungskosten für Elektroautos ab. Keine Chance, die in den Markt zu kriegen, hieß es – erst recht nicht in den USA unter der Regierung Trump.
US-Medium rät zum E-Porsche - gegen steigende Benzinpreise
Und jetzt das: „Ein Porsche Taycan für 45.000 Dollar ist eine gute Absicherung gegen steigende Ölpreise“, rät der Börsendienst Bloomberg Anfang April seinen Lesern. Gemeint ist zwar ein gebrauchter Porsche, doch die Aussage ist die gleiche: E-Autos gehen plötzlich weg wie arme Semmeln. Bei Bloomberg folgt eine Auflistung der günstigsten elektrischen Gebrauchtwagen in den USA, vom Polestar 2 bis zum Kia EV6. Sogar der Pickup F-150 Lightning, dessen Produktion Ford mangels Nachfrage gerade erst eingestellt hatte, ist nun ein gefragter Gebrauchter.
Denn die gestiegenen Benzinpreise infolge des Iran-Kriegs lassen nicht nur die Amerikaner umdenken: Von Seoul bis Soest, von Brisbane bis Buenos Aires fangen Verbraucher angesichts der rasant gestiegenen Preise an den Zapfsäulen an, sich nach Alternativen umzusehen – und stoßen auf Elektroautos.
36 Prozent mehr Nachfrage im März
In den USA meldete der Online-Marktplatz Autotrader im März einen Anstieg der Anfragen zum Kauf eines neuen Elektroautos um 28 Prozent. Die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos nahm seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar um 15 Prozent zu. Der auf Elektroautos spezialisierte Vermittler Octopus Electric Vehicles zählt 36 Prozent mehr Leasing-Anfragen für Elektrofahrzeuge seit Kriegsbeginn.
Selbst elektrische Gebrauchtwagen sind gefragt. Bisher haftete ihnen der Makel an, dass ihr Wertverlust hoch, Technik und Reichweite im Vergleich zu neuen Generationen veraltet seien. Doch in der aktuellen Benzinpreis-Krise zählt für die Käufer vor allem eins: Die Fahrzeuge sind ohne Wartezeit sofort verfügbar. „Im Vergleich zum Vormonat wächst die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos im März um 39 Prozent“, meldete das deutsche Gebrauchtwagenportal AutoSCout24. Gleichzeitig sei die Nachfrage nach gebrauchten Dieselfahrzeugen um 16 Prozent zurückgegangen, bei Benzinern um zehn Prozent.
VW ist in Europa Marktführer bei E-Autos
Und auch in den Autohäusern wächst die Zahl der Interessenten, vor allem bei den VW-Marken Volkswagen, Skoda und Audi. Der VW-Konzern ist – was bisher wenig interessierte – mit Abstand der Marktführer bei E-Autos in Europa. Siebend er zehn meistverkauften Elektromodelle in Deutschland stammen aus dem VW-Konzern: Drei VWs (ID.3, ID.7 , ID.4 und 5), zwei Skodas (Elroq und Enyaq) sowie die Audi-Modelle A6 und Q4.
Im Januar und Februar 2026, neuere Zahlen liegen noch nicht vor, verkaufte allein die Marke Volkswagen europaweit 176.570 E-Fahrzeuge; das waren fast doppelt so viele wie BMW (92.162) und 50 Prozent mehr als Toyota (117.510) auf Platz Drei. Drittgrößer Verkäufer war die VW-Tochtermarke Skoda mit 116.650 Autos. Sie lag damit weit vor Peugeot (92.704), Renault (96.397) und Fiat (63.004). Skoda baut mit dem Elroq sogar das derzeit meistverkaufte E-Auto in Europa.
Nur Audi taucht bisher nicht in den Top Ten auf, ebenso wenig wie Porsche. Auch Tesla rangierte Anfang 2026 nicht mehr in den Top Ten.
Hat VW jetzt alle Trümpfe in der Hand?
Die Zahlen zeigen: Sollte die Nachfrage nach E-Autos anhalten, hätte der VW-Konzern plötzlich alle Trümpfe in der Hand. Denn Konkurrenten wie Ford oder Stellantis mit Marken wie Fiat, Peugeot oder Opel haben ihre E-Auto-Pläne in den vergangenen Monaten deutlich zurückgestutzt oder sogar ganz beerdigt. Dagegen bringen die Wolfsburger in den nächsten zwölf Monaten mit dem überarbeiteten ID3 neo, dem ID.Polo und dem ID-Cross aussichtsreiche Massenmodelle an den Start.
Das Problem: VW verdient an jedem E-Auto deutlich weniger als an den früheren Verbrenner-Modellen, weil viele Komponenten zugekauft werden müssen, allen voran die Batterie. Doch just zum Jahreswechsel ging in Salzgitter das erste konzerneigene Batteriewerk an den Start, sodass dadurch die Margen bald steigen könnten.
Es ist ein Szenario wie gemalt für VW. Selbst Audi kann sich jetzt Hoffnungen auf steigende E-Auto-Absätze machen. Womöglich findet sogar der elektrische Porsche Macan, bisher eine Absatz-Enttäuschung, im zweiten Anlauf neue, begeisterte Käufer.
Auch BMW ist gut aufgestellt
Der Fairness halber muss erwähnt werden, dass auch BMW gut aufgestellt ist: Die neue E-Auto-Generation mit dem Namen „Neue Klasse“ und ihren ersten Vertretern iX3 und i3 sowie dem überarbeiteten iX steht gerade rechtzeitig bei den Händlern, um den aktuellen Rückenwind vom Ölmarkt mitzunehmen. Die BMW-Fahrzeuge haben in ersten Tests mehr als überzeugt, vor allem die Schnelladefähigkeiten mit der neuen 800 Volt-Technik, die in 10 Minuten 80 Prozent der Batterie vollmacht, ließen selbst Verbrenner-Fans unter den Autojournalisten staunen. Doch schon die Einstiegsmodelle iX3 und i3 kosten um die 70.000 Euro. Dafür bekommt man zwei Skoda Elroq oder zwei ID.Polo – mit großem Akku.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Häufige Fragen zum Thema
Zahlt Volkswagen im Jahr 2026 eine Dividende?
Ja, die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 auf die Volkswagen-Vorzugsaktien beträgt 5,26 Euro. Das sind zwar 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, dennoch ergibt sich aktuell eine Dividendenrendite von 6,1 Porzent.
Wann wird die VW-Dividende im Jahr 2026 ausgeschüttet?
Die Ausschüttung muss von der Hauptversammlung beschlossen werden., Diese findet - virtuell - am 18. Juni 2026 statt. Die Dividende wird den Aktionären in den Folgetagen auf das Depotkonto ausgezahlt.
Wie ist das aktuelle KGV der VW-Aktie?
Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen für das Geschäftsjahr 2026 handelt die VW-Aktie mit dem 4,2 fachen Gewinn also einem KGV von 4,2. Das erscheint ungewöhnlich günstig, reflektiert aber die Erwartungen des Marktes, dass der Gewin in den kommenden Jahren eher sinkt als wächst.