Er gilt als wichtigster Inflationsindikator für die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve – und seine neusten Zahlen fallen unangenehm aus. Die Gesamtinflation klettert auf ein Dreijahreshoch. Das macht eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlicher.
Die privaten Einkommen in den USA sind im Mai um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen – deutlich stärker als die von Volkswirten erwarteten 0,4 Prozent. Im April hatten die Einkommen noch stagniert. Auch die privaten Konsumausgaben übertrafen die Prognosen: Sie legten um 0,7 Prozent zu, während der Markt lediglich 0,6 Prozent erwartet hatte. Im Vormonat hatten die Ausgaben noch um abwärts revidierte 0,4 Prozent zugelegt.
Auf den ersten Blick klingt das nach einer starken Wirtschaft – doch die Zahlen, die der PCE Preisindex des US-Handelsministeriums am Donnerstag lieferte, haben einen Haken.
PCE steht für Personal Consumption Expenditures, also die Ausgaben der privaten Haushalte. Und er stieg im Jahresvergleich von 3,8 auf 4,1 Prozent. Das ist der höchste Stand seit drei Jahren und liegt genau im Rahmen der Erwartungen. Die Zahl liegt allerings auch klar über dem Inflationsziel der Fed. Die Kernrate, die schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, legte leicht auf 3,4 Prozent zu – ebenfalls wie erwartet. Als Treiber nennt das US-Handelsministerium ausdrücklich die durch den Iran-Krieg gestiegenen Energiepreise.
Was die Daten für die Fed bedeuten
Der PCE-Index ist das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve – und liegt mit 4,1 Prozent mehr als doppelt so hoch wie das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank. Zuletzt hatte die Fed die Leitzinsen nicht verändert. Doch der Druck, erneut zu handeln, wächst. Laut dem Beobachtungsinstrument CME FedWatch Tool sehen die Märkte derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 65 Prozent, dass die Fed die Leitzinsen bis September um mindestens 25 Basispunkte anheben wird.
Die geldpolitischen Projektionen der Fed selbst, die nach der Juni-Sitzung des Offenmarktausschusses veröffentlicht wurden, gehen bis Jahresende von einer PCE-Gesamtrate von 3,6 Prozent und einer Kernrate von 3,3 Prozent aus. Die heutigen Zahlen liegen bereits jetzt über diesen Schätzungen – was bedeutet, dass die Fed ihre Prognosen möglicherweise erneut nach oben anpassen muss. Neuer Fed-Vorsitzender Kevin Warsh hat sich bislang zurückhaltend und bewusst mehrdeutig zur künftigen Zinspolitik geäußert.
Was Anleger aus den Zahlen herauslesen
Starke Einkommens- und Ausgabenzahlen bei gleichzeitig hoher Inflation sind eine klassische Zwickmühle für die Notenbank: Die Wirtschaft läuft robust, aber die Preise laufen davon. Das macht es schwerer, die Geldpolitik zu lockern – und einfacher, sie weiter zu straffen. Für zinssensitive Anlageklassen wie hochbewertete Technologieaktien, Anleihen und Wachstumstitel ist das ein ungünstiges Signal. Je länger die Inflation über dem Zielwert verharrt und je stärker die Einkommen wachsen, desto größer wird der Druck auf die Fed, die Zinsen weiter zu erhöhen.
Für Anleger gilt: Die heutigen Daten allein dürften noch keine dramatische Marktbewegung auslösen, da die Zahlen weitgehend im Rahmen der Erwartungen lagen. Die eigentliche Bedeutung liegt darin, dass sie die bereits bestehende Erwartung einer weiteren Zinserhöhung im Herbst untermauern – und damit das Umfeld für risikoreichere Anlagen schwierig bleibt.
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Häufig gestellte Fragen
Warum will die US-Notenbank die Zinsen anheben?
Starke Einkommens- und Ausgabenzahlen bei gleichzeitig hoher Inflation sind eine klassische Zwickmühle für die Notenbank: Die Wirtschaft läuft robust, aber die Preise laufen davon. Das macht es schwerer, die Geldpolitik zu lockern – und einfacher, sie weiter zu straffen.
Wie sind die neuen Inflationsdaten aus den USA ausgefallen?
Der PCE-Index ist das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve – und liegt mit 4,1 Prozent mehr als doppelt so hoch wie das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank.
Wie entwickeln sich die privaten Einkommen und Ausgaben in den USA?
Die privaten Einkommen in den USA sind im Mai um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen – deutlich stärker als die von Volkswirten erwarteten 0,4 Prozent. Im April hatten die Einkommen noch stagniert. Auch die privaten Konsumausgaben übertrafen die Prognosen: Sie legten um 0,7 Prozent zu, während der Markt lediglich 0,6 Prozent erwartet hatte. Im Vormonat hatten die Ausgaben noch um abwärts revidierte 0,4 Prozent zugelegt.