Nach dem heftigen Kurssturz kurz nach Weihnachten hatte sich der Silberpreis erholt. Doch die Terminbörse CME hat am 31.12. nach Handelsschluss die Margin-Anforderungen erhöht. Fällt der Preis jetzt weiter? 

Edelmetall-Investoren können vorerst aufatmen: Gold und Silber setzen ihre außergewöhnliche Rally aus 2025 am ersten Handelstag des Jahres fort. Gold stieg am Freitagvormittag zeitweise auf rund 4375 US-Dollar je Feinunze, Silber legte mehr als zwei Prozent zu.

Grundsätzlich bleibt das Umfeld für Edelmetalle auch 2026 günstig. Viele Marktteilnehmer rechnen auch 2026 mit weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank, während der US-Dollar tendenziell schwächer eingeschätzt wird. Beides gilt traditionell als Rückenwind für Gold und Silber. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte sowie eine anhaltend starke Nachfrage von Zentralbanken, die Gold weiter als strategische Reserve aufstocken.

Kurzfristige Risiken im Fokus

Trotz des positiven Starts mehren sich Warnungen im Markt vor kurzfristigen Gegenwinden. Auslöser könnten zum einen anstehende Index-Neugewichtungen sein. Da Gold und Silber stark gestiegen sind, könnten passive Fonds und Robo-Advisor gezwungen sein, im Rahmen des Rebalancing Positionen in den Edelmetallen zu reduzieren, um die alten Gewichte wiederherzustellen. Das könnte vorübergehend einen Verkaufsdruck auslösen.

Vor allem der Silbermarkt könnte sich in den kommenden Tagen hochvolatil zeigen, warnt Daniel Ghali, Rohstoffstratege bei TD Securities, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut Ghali könnten als Reaktion auf die Erhöhung der Margin durch die CME in den kommenden zwei Wochen rund 13 Prozent der gesamten offenen Futures-Kontrakte (Open Interest) an den Comex-Silbermärkten verkauft werden. Das Risiko dabei: Da die Liquidität im Handel nach den Feiertagen niedrig ist, könnten selbst relativ wenige Verkäufe starke Preisbewegungen nach unten auslösen.


Silber (WKN: 965310)

Wachsende Vorsicht nach Jahr der Extreme

Die Vorsicht rührt von den Erfahrungen aus der vergangenen Woche, als die Volatilität deutlich zugenommen hatte. Am 28. Dezember hatte der Silberpreis in Asien zunächst ein neues Rekordhoch von 84 Dollar markiert. Als dann jedoch die CME die Sicherheitsleistungen für Silber- und Gold-Futures (Margin) angehoben hatte, war Silber noch am selben Tag zeitweise um 13 Prozent eingebrochen.

Zuvor hatten zunächst Gold und dann auch Silber im Jahresverlauf mehrfach neue Rekordstände markiert, ausgelöst durch geldpolitische Lockerung mancher Notenbaken, einem schwächeren Dollar und der Suche der Anleger nach sicheren Häfen angesichts der geopolitischen Krisen.

Silber neben diesen klassischen Treibern zusätzlich von Angebotsengpässen, einer wachsenden industriellen Nachfrage aus der Chip- und Solartechnik und Sorgen vor möglichen US-Importzöllen auf raffiniertes Silber. Die Folge waren Kursniveaus, die noch vor kurzem als utopisch galten.

Die Prognosen

Große Investmentbanken rechnen auch 2026 mit steigenden Edelmetall-Kursen. Goldman Sachs sieht im Basisszenario für Gold weiteres Potenzial bis auf 4900 US-Dollar je Feinunze, insbesondere bei zusätzlichen Zinssenkungen und politischen Veränderungen in den USA. Für Silber zeigt der Pfad ebenfalls langfristig nach oben, auch wenn kurzfristige Rückschläge mittlerweile wahrscheinlicher erscheinen.

Edelmetall-Anleger brauchen daher 2026 vor allem eines: starke Nerven.


Hinweis: Mehr zu den Aussichten bei Edelmetallen und Minen erfahren Sie im Interview mit dem Edelmetall-Experten Markus Bußler auf dem Youtube-Kanal von BÖRSE ONLINE

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