So manchem Kapitalmarktexperten dürfte die Rekordfahrt bei Gold und Silber „unheimlich“ werden. Ungeachtet der starken Performance sprechen die nachfolgenden Argumente weiterhin für deren Kauf.
Die beiden monetären Edelmetalle Gold und Silber profitieren von ihrem Ruf als Krisenwährungen und überzeugen auch im neuen Jahr durch das Markieren neuer Allzeithochs. Selbst wenn technische Korrekturen auf dem erhöhten Niveau selbstverständlich möglich sind, bleiben die langfristigen Perspektiven für Gold und Silber ausgesprochen gut.
Stark trotz höherer Risiken an den Terminmärkten
Besonders bemerkenswert war 2025 deren Resilienz gegenüber massiven Margin-Erhöhungen bei Edelmetallkontrakten. Normalerweise würden höhere Margin-Anforderungen Kapital aus dem Markt ziehen und kurzfristigen Verkaufsdruck erzeugen. Doch dieser Druck blieb bislang aus, was sich u. a. in einem anhaltend hohen Open Interest und einem stark ausgeprägten Optimismus (hohe Netto-Long-Position) unter den spekulativen Marktakteuren widerspiegelt.
Parallel dazu haben sich die geopolitischen Risiken 2026 weiter verschärft und sind ein wesentlicher Treiber für die starke Nachfrage nach sicheren Häfen. Kriege und Konflikte in der Ukraine, Russland, Venezuela, Iran und Taiwan unterstreichen die Unsicherheit in der Weltwirtschaft und befeuern die Attraktivität von Gold und Silber als Absicherungsinstrumente. In Zeiten, in denen Lieferketten, Rohstoffströme und internationale Beziehungen instabil sind, suchen Anleger verstärkt Zuflucht in Vermögenswerten ohne Kontrahentenrisiko.
Ein weiterer struktureller Einflussfaktor ist die zunehmende Entdollarisierung der globalen Finanzarchitektur. Europäische und US-Sanktionen gegen autokratisch regierte Staaten haben den Trend verstärkt, sich von Reservewährungen wie Euro und Dollar zu lösen. Viele Zentralbanken stocken deshalb ihre Goldreserven auf, um geopolitische Risiken und Währungsvolatilitäten zu mindern. Dies ist keine kurzfristige Mode, sondern ein tiefgreifender Wandel, der sich 2026 weiter fortsetzen (oder gar verstärken) dürfte.
Wer auf der Suche nach Stabilität ist, wird möglicherweise hier fündig: Stabile Werte Index (BO)
Preistreiber sind von langfristiger Natur
Ein immer deutlicherer struktureller Umstand an den Edelmetallmärkten ist das Ungleichgewicht zwischen physischer Nachfrage und dem Papiermarkt. Es wird zunehmend klar, dass mehr Gold und Silber in Papierform gehandelt wird als tatsächlich physisch vorhanden ist. Diese Diskrepanz erhöht das Kontrahentenrisiko: Sollte es zu Phasen intensiver physischer Nachfrage kommen, könnten Spot- und Futures-Märkte auseinanderklaffen und zu Lieferproblemen führen. Dieses strukturelle Merkmal spricht für eine mittelfristig robuste Preisgrundlage, da echte physische Nachfrage nicht ohne Weiteres durch Papierkontrakte befriedigt werden kann.
Ein Sonderfall bleibt Silber: Neben seiner Rolle als sicherer Hafen spielt Silber eine zentrale Rolle in vielen Zukunftsbranchen – etwa in der Elektronik, erneuerbaren Energien, Photovoltaik, Robotik und Halbleiterfertigung. Diese industriellen Anwendungen begrenzen das verfügbare physische Angebot zusätzlich, da ein großer Teil der Minenproduktion in industrielle Lieferketten fließt und seit einigen Jahren zu einem Angebotsdefizit (Nachfrageüberhang) geführt hat.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist das Investorenverhalten: Viele Anleger sind trotz der fulminanten Preisrallye von 2025 bei Gold und Silber noch unterinvestiert. Dies macht eine Diversifikation in Gold und Silber sinnvoller denn je.
Fazit: Die Rallye von 2025 stellt keine Übertreibung dar, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf die weltweite Entwicklung der Märkte dar. Derzeit deutet einiges darauf hin, dass Gold und Silber ihre relative Stärke über 2026 hinaus behalten dürften. Diese Edelmetalle bleiben aus Sicht vieler Analysten nicht nur sichere Häfen, sondern auch wichtige Bausteine in global diversifizierten Portfolios.
Lesen Sie auch:
Gold- und Silber-Futures: So reagiert der Markt auf den „Terminbörsen-Hammer“
Oder:
Beginnt jetzt das Minen-Monopoly? Warum Glencore und Rio Tinto nur der Auftakt sein könnten