Der Goldpreis zieht wieder kräftig an – und vieles spricht dafür, dass schon bald neue Allzeithochs erreicht werden könnten. Aktuell fehlen weniger als vier Prozent zum Markieren eines neuen Allzeithochs.
Nachdem das Edelmetall Ende Januar von seinem Rekordstand oberhalb von 5.595 Dollar regelrecht abgestürzt war, nimmt die Rally nun erneut Fahrt auf. Aktuell notiert Gold wieder im Bereich von 5.400 Dollar und hat damit binnen weniger Tage kräftig zugelegt. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, massiven Kapitalzuflüssen und geldpolitischen Erwartungen schafft ein Umfeld, in dem ein neuer Rekordlauf durchaus realistisch erscheint.
Höhenflug setzte bereits vor Kriegsausbruch ein
Zwar sorgt der Krieg im Nahen Osten derzeit für zusätzliche Unsicherheit an den Märkten, doch die Aufwärtsbewegung bei Gold ist keineswegs nur eine kurzfristige Reaktion auf die jüngste Eskalation. Vielmehr baut sie auf einem stabilen Fundament auf, das sich bereits seit Monaten herausgebildet hat. Gold gilt traditionell als sicherer Hafen – insbesondere in Phasen, in denen Anleger Risiken neu bewerten und Unsicherheit die Märkte dominiert. Genau dieses Umfeld ist aktuell in besonders starkem Maße gegeben.
Seit Jahresbeginn hat das Edelmetall bereits rund ein Viertel an Wert gewonnen. In der Spitze lag das Plus sogar deutlich höher. Diese Entwicklung wurde maßgeblich von starken Käufen der Zentralbanken getragen. Notenbanken weltweit bauen ihre Goldreserven weiter aus, um sich unabhängiger von klassischen Währungsreserven und Staatsanleihen zu machen. Diese strukturelle Nachfrage sorgt für eine stabile Basis unter dem Goldpreis und begrenzt Rücksetzer.
Hinzu kommen hohe Zuflüsse in börsengehandelte Goldfonds (ETFs). Institutionelle Investoren und Vermögensverwalter erhöhen ihre Goldquoten, um Portfolios gegen geopolitische und wirtschaftliche Risiken besser abzusichern. Analysten des Franklin Templeton Institute verweisen darauf, dass Gold besonders dann profitiert, wenn an den Märkten zunächst eine „Risikoprämie“ eingepreist wird – fundamentale Bewertungen treten in solchen Phasen in den Hintergrund. In einem Umfeld, in dem Unsicherheit vorherrscht, gewinnt Gold als Absicherungsinstrument zusätzlich an Attraktivität.
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Vermögensschutz Gold funktioniert seit Generationen
Ein weiterer Kurstreiber ist die veränderte Wahrnehmung klassischer Anlageklassen. Staatsanleihen und große Währungen gelten nicht mehr uneingeschränkt als sicherer Hafen. Politische Spannungen, aggressive außenpolitische Schritte der USA – gepaart mit Trumps Angriffen auf die Fed und die US-Justiz – sowie eine insgesamt unruhige Weltlage haben das Vertrauen in traditionelle Sicherungsinstrumente geschwächt. Gleichzeitig wird Gold zunehmend als „harte globale Krisenwährung“ wahrgenommen; als Vermögenswert, der nicht beliebig vermehrbar ist und sich staatlicher Einflussnahme weitgehend entzieht.
Auch die Geldpolitik spielt eine zentrale Rolle. Trotz zuletzt höher ausgefallener US-Produzentenpreise rechnen viele Marktteilnehmer mittelfristig mit einer Lockerung der US-Geldpolitik und sinkenden Zinsen. Falls allerdings die Ölpreise länger als erwartet auf dem gestiegenen Niveau verharren, droht ein Inflationsschub. Sollten Zinssenkungen dennoch in Aussicht gestellt werden, würde dies den Dollar tendenziell schwächen und Gold zusätzlich stützen. Zwar hat der Dollar zuletzt etwas zugelegt und damit die Gewinne des Edelmetalls zeitweise gebremst, doch die übergeordnete Dynamik bleibt intakt. Mittlerweile zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von etwas mehr als 50 Prozent an, dass Mitte Juni unter dem neuen Notenbank-Chef eine Zinssenkung um 25 Basispunkte erfolgen wird.
Marktbeobachter sehen daher gute Chancen, dass Gold in den kommenden Wochen erneut die Marke von 5.595 Dollar ins Visier nimmt oder übertrifft. Der unabhängige Analyst Ross Norman spricht sogar von einer „Neubewertung“ des Edelmetalls in einer neuen Ära geopolitischer Unsicherheit. Gold fungiere als präzisester Gradmesser globaler Risiken – und dieser Indikator stehe derzeit klar auf Anstieg.
Fazit: Solange die strukturellen Treiber – Zentralbankkäufe, ETF-Zuflüsse, geopolitische Spannungen und geldpolitische Fantasie – bestehen bleiben, dürfte der Goldpreis weiter steigen. Für Anleger bedeutet das: Es besteht eine reale Chance auf neue Rekordstände. Das Edelmetall ist einer der spannendsten Profiteure der aktuellen Weltlage – und ein zentrales Element in der strategischen Vermögenssicherung.
Häufige Fragen zu Gold
Was sind die größten Vorteile von Gold?
In physischer Form besitzt Gold kein Kontrahentenrisiko und gilt seit Generationen als wirksamer Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz. Im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Anlageklassen Aktien und Anleihen kann man als deutscher Anleger mit Goldmünzen und -barren sowie bestimmten Gold-ETCs nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfreie Kursgewinne realisieren.
Und was spricht möglicherweise gegen Gold?
Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden und kann lediglich durch eine wachsende Wertschätzung Renditen erzielen. Außerdem fallen bei sicherer Verwahrung von physischem Gold Lagerkosten an.
Sind bei allen in Deutschland handelbaren Gold-ETCs realisierte Kursgewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei?
Nur, wenn deren Konstruktion ein physisches Hinterlegen des Goldes vorsieht und ein Lieferanspruch besteht. Deshalb sollten Sie sich vor dem Kauf unbedingt beim Emittenten des Papiers informieren.
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