Der Krieg im Nahen Osten hat die Rohstoffmärkte kräftig durcheinandergewirbelt – besonders den Ölpreis. Neben dem deutlichen Preisanstieg sorgt derzeit vor allem die ungewöhnliche Struktur der Brent-Terminkurve für eine interessante Konstellation.

Nahost-Konflikt treibt Backwardation bei Brent

Die Futures für Nordsee-Öl der Sort Brent befinden sich nämlich einer ausgeprägten Backwardation, die für Anleger interessante Renditechancen eröffnen kann. Backwardation bedeutet, dass kurzfristige Futures teurer sind als länger laufende Kontrakte. Genau dieses Bild zeigt sich aktuell am Öl-Markt. Hintergrund sind die Unsicherheiten über mögliche Lieferausfälle im Nahen Osten. Marktteilnehmer sind deshalb bereit, für sofort verfügbares Öl deutlich höhere Preise zu zahlen als für Lieferungen in der Zukunft.

Wie stark diese Verzerrung derzeit ist, zeigt ein Blick auf die Terminstruktur: Der Preis für den Brent-Kontrakt mit Fälligkeit Dezember liegt aktuell rund 15 Prozent unter dem nächstfälligen Future. Eine solche Differenz gilt im historischen Vergleich als außergewöhnlich hoch und kann durchaus als „verrückt“ bezeichnet werden.

Der Grund liegt auf der Hand: Solange die Gefahr von Produktionsausfällen, blockierten Exportwegen oder militärischen Eskalationen besteht, ist kurzfristig verfügbares Öl besonders wertvoll. Gleichzeitig gehen viele Händler davon aus, dass sich die Versorgungslage mittelfristig wieder entspannen könnte.

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Öl (Brent) (ISIN: FTREFF000001)

Rolleffekt: Warum Backwardation für Anleger attraktiv sein kann

Für Investoren, die über Brent-ETCs oder Zertifikate in den Ölmarkt investieren, kann diese Struktur einen zusätzlichen Vorteil bieten. Der entscheidende Faktor ist der sogenannte Rolleffekt. Viele Rohstoffprodukte bilden nicht den Spotpreis ab, sondern investieren in Futures. Läuft ein Kontrakt aus, wird er verkauft und in den nächsten Future „gerollt“. Das kostet normalerweise Rendite. In einer Backwardation kann dieser Vorgang jedoch positiv wirken: Der teurere kurzfristige Kontrakt wird verkauft und ein günstigerer, länger laufender gekauft.

Dieser Prozess erzeugt einen positiven Roll-Ertrag, der die Rendite zusätzlich zum eigentlichen Ölpreis erhöhen kann. Genau deshalb gelten Backwardation-Phasen traditionell als besonders interessant für Long-Investments in Rohstoffe. Während Anleger in Contango-Märkten oft einen negativen Rolleffekt erleiden, kann eine starke Backwardation – wie derzeit bei Brent – die Performance von ETCs oder Zertifikaten sogar verbessern.

Attraktive Chancen bei Discount-Zertifikaten

Neben klassischen ETCs rücken aktuell auch Discount-Zertifikate auf Brent-Rohöl in den Fokus. Durch den Preisabschlag gegenüber dem aktuellen Ölpreis bieten diese Produkte einen zusätzlichen Sicherheitspuffer (siehe Grafik).

Ein Beispiel:

Um 10.45 Uhr boten Discount-Zertifikate der Société Générale (Bewertungstag 27.10.26) in Abhängigkeit der verschiedenen Cap-Strukturen (inkl. Währungsabsicherung „Quanto“) folgende Renditechancen:

• Cap bei 85 Dollar: höchste Gewinnchance (39,1 Prozent p.a.), wenn der Ölpreis stabil bleibt oder moderat steigt;

• Cap bei 70 Dollar: größerer Sicherheitspuffer bei weiterhin attraktiver Rendite (17,8 Prozent p.a.);

• Cap bei 60 Dollar: sehr defensiver Einstieg mit hohem Risikopuffer und reduzierter Renditechance (9,1 Prozent p.a.).

Je niedriger der Cap gewählt wird, desto größer fällt der Schutz gegen fallende Ölpreise aus – allerdings sinkt dadurch gleichzeitig die maximal mögliche Rendite.

Discount-Zertifikate auf Brent-Rohöl mit Währungsabsicherung
sg-zertifikate.de
Discount-Zertifikate auf Brent-Rohöl mit Währungsabsicherung

Fazit:

Wie sich der Ölpreis in den kommenden Monaten entwickeln wird, hängt stark vom Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ab. Eine schnelle Entspannung der Lage könnte die aktuellen Lieferängste reduzieren und die Preise unter Druck setzen. Ein längerer oder weiter eskalierender Krieg würde dagegen die Risiken für die Energieversorgung erhöhen und Brent deutlich verteuern. 

Prognosen bleiben daher extrem schwierig. Fest steht jedoch: Die aktuell ungewöhnlich starke Backwardation bei Brent-Rohöl stellt für Long-Investoren eine zusätzliche Chance dar. Der positive Rolleffekt kann – neben der eigentlichen Ölpreisentwicklung – zu einer attraktiven Rendite beitragen.

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