Ein abrupter Ausverkauf hat Gold und Silber am Abend kräftig nach unten gezogen. Offenbar verkauften einige Investoren Metalle, um Verluste am Aktienmarkt abzufedern und schnell an Liquidität zu kommen. Kupfer geriet ebenfalls unter Druck.

Gegen 18 Uhr deutscher Zeit fiel der Goldpreis am Donnerstag plötzlich wie ein Stein: Binnen Minuten sackte das Edelmetall von 5060 Dollar je Feinunze auf 4889 Dollar ab. Anleger sind verunsichert: Was hat den plötzlichen Abverkauf ausgelöst? 

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass sich einige Marktteilnehmer von Edelmetallen trennten, um Mittel freizumachen, mit denen sie Verluste und sogenannte Margin-Calls am Aktienmarkt ausgleichen mussten. Der Preisdruck erfasste kurz darauf auch Silber und Kupfer.

Es ging also offenbar weniger um neue Fundamentaldaten als um einen Stressmoment an den Märkten. Zuvor waren US-Technologieaktien erneut abgerutscht, weil neue Sorgen aufkamen, ob die extrem hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz sich auszahlen werden. Vor allem Investoren, die gehebelt oder auf Kredit auf steigende Kurse spekulieren, müssen in solchen Phasen schnell Geld herbeischaffen, um ihre Nachschusspflichten zu erfüllen. Sie verkaufen dann Positionen, die sich gut handeln lassen, um schnell Liquidität zu beschaffen.

Die Ausschläge waren jedenfalls heftig: Gold zeitweise um mehr als vier Prozent, Silber rutschte zwischenzeitlich sogar um zehn Prozent auf 76 Dollar ab. Der Kupferpreis an der London Metal Exchange gab um 2,7 Prozent nach.

Gold (ISIN: XC0009655157)

„Risk-out“ und Gewinnmitnahmen treffen auf Momentum

„Alles passierte so schnell und fühlt sich wie ein ‚Risk-out‘-Move an“, sagte der Händler Nicky Shiels von MKS Pamp gegenüber Bloomberg. Er meint den Rückzug aus riskanteren Positionen, der sich dann oft über mehrere Anlageklassen ausbreitet, weil viele Investoren gleichzeitig ihr Risiko senken und ihre Liquidität sichern.

Offenbar kamem diesmal auch wieder Gewinnmitnahmen hinzu. Denn die jüngste, sehr starke Rally bei Gold und Silber war natürlich auch von spekulativen Käufen getrieben. Ole Hansen, Rohstoffstratege der Saxo Bank, sagte gegenüber Bloomberg, bei Gold und Silber sei derzeit ein großer Teil des Handels stimmungs- und momentumgetrieben. Diese Investoren steigen erfahrungsegmäß besonders schnell aus, wenn sich der Wind dreht.

Lehren für Kleinanleger

Für Privatanleger, die immer noch voll auf kurzfristig steigende Preise setzen, ist das heutige Ereignis auch eine Warnung: Natürlich besteht die Chance, dass die Edelmetallpreise noch einmal so dynamisch steigen wie im 4. Quartal 2025. Doch es besteht auch das Risiko, dass dieselbe Dynamik in Stressphasen in die andere Richtung kippt. Dann wären die schönen Gewinne aus 2025 zum Teil dahin. Vor allem am Silbermarkt können Korrekturen schneller und größer ausfallen, als viele Neulinge im Markt erwarten.

Laut Bloomberg gaben am Donnerstagabend auch Platin und Palladium nach. Dagegen war der Bloomberg Dollar Spot Index kaum verändert. Diesmal kam der Auslöser also mutmaßlich nicht vom Währungsmarkt. Zu beobachten war stattdessen ein breit angelegter „Risk-out“-Moment, von dem sich der Goldpreis bisher (Stand 12.2.2026 20 Uhr) noch nicht wieder erholt hat.

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