Die Volatilität ist zwar zuletzt deutlich gestiegen - doch der Silberpreis verweigert sich weiterhin einer signifikanten technischen Korrektur. Die Analysten der Citigroup gehen davon aus, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzen wird.
Ein zentraler Treiber der aktuellen Bewegung ist nach Einschätzung der Citi-Analysten die anhaltend hohe Nachfrage aus China, wo physische Käufe und spekulative Positionierungen den Preisanstieg offenbar weiter befeuern. Die Citigroup erwartet, dass der Spot-Silberpreis innerhalb von drei Monaten ein Rekordniveau von 150 Dollar erreicht und damit seine historische Rallye fortsetzt. Sollte das Gold/Silber/Ratio auf das Tief von 32 zu 1 aus dem Jahr 2011 zurückkehren, könnte Silber laut Citi-Analysten sogar bis auf 170 Dollar ansteigen.
Die Analysten beobachten ein „Gold auf Steroiden“-Verhalten bei Silber, das sich nicht allein durch traditionelle Fundamentaldaten erklären lässt, sondern auf einen Mix aus starken Kapitalzuflüssen, Marktungleichgewichten und der Illiquidität des Silbermarktes zurückzuführen sei. Diese Dynamik habe dazu geführt, dass das Edelmetall im Jahresverlauf deutlich überdurchschnittlich performt hat und immer neue charttechnische Hürden durchbricht.
Silber ist in China noch teurer
China spielt dabei eine besondere Rolle: In Asien notiert Silber oft mit deutlichem Preisaufschlag gegenüber westlichen Märkten, was sich durch eine hohe physische Nachfrage und begrenzte Anlagevehikel für Silberinvestoren in der Region zurückführen lässt. Importbeschränkungen für ETFs und die starke Nachfrage nach physischen Barren und Münzen verschärfen diesen Effekt zusätzlich. In Shanghai wurde Silber bereits dreistellig gehandelt, als die Preise in London und New York noch darunter lagen – ein Hinweis darauf, wie stark die Nachfrage aus China die globalen Preise beeinflusst.
Ein weiterer Faktor hinter dem aktuellen Aufwärtsdruck ist eine breite Asset-Rotation an den Finanzmärkten: Angesichts makroökonomischer Unsicherheiten, schwächerer Währungen und geopolitischer Spannungen suchen Anleger verstärkt nach Sachwerten als Schutz gegen Inflation und Währungsrisiken. Silber profitiert hierbei doppelt: Es fungiert sowohl als Edelmetallanlage als auch als industrielles Metall mit wachsenden Anwendungen in Technologie- und Solarsektoren. Dies stützt die Nachfrage auf mehreren Ebenen und verleiht der Rallye zusätzliche Breite. Die massiven Geldzuflüsse und Umsatzzuwächse bei Silber-ETFs belegen diese These.
CBOE-Silber-Volatilitätsindex bei 105 Prozent
Nicht zuletzt spiegel die Volatilität im Preis die Risiken und Chancen des Silbermarktes wider. Ein Blick auf den CBOE-Silber-Volatilitätsindex (VXSLV) – ein Maß für die erwartete Schwankungsbreite des Silberpreises zeigt aktuell Werte von rund 105 Prozent, was ein Zeichen für erhebliche Unsicherheit und enorme Preisschwankungen ist. Dieser Index misst die erwartete Volatilität basierend auf den gehandelten Optionen auf Silber-ETFs. Je höher sein Wert, desto stärker schwanken die Preise. Im Vergleich dazu liegt der vergleichbare CBOE-Volatilitätsindex für Gold (GVZ) bei nur etwa 33 Prozent , was die deutlich ruhigere Entwicklung am Goldmarkt abbildet. Solche Unterschiede zeigen, dass Silber zwar attraktive Gewinnchancen bietet, aber gleichzeitig mit erheblichen Risiken verbunden ist – vor allem in Phasen spekulativer Käufe.
Fazit: Insgesamt deutet die gegenwärtige Konstellation darauf hin, dass die Silber-Rallye noch nicht vorbei ist, doch Anleger sollten sich der hohen Schwankungsbreite und der daraus resultierenden Chancen und Risiken bewusst sein. Langfristig orientierte Investoren könnten von fundamentalen Trends und iner anhaltend hohen, strukturellen Nachfrage profitieren, während kurzfristige Trader bereit sein müssen, starke Preisbewegungen zu akzeptieren.
Lesen Sie auch:
Silber vor einem 50 Prozent Crash! Börsen-Experte warnt
Oder:
Unglaubliche Kursziele für Gold und Silber - so hoch sollen die Edelmetalle jetzt noch steigen