Der rasante Anstieg des Silberpreises bringt den US-Terminbörsenbetreiber CME Group erneut unter Zugzwang. Nachdem Silber in dieser Woche neue Rekordstände erreicht hat, reagierte er mit einer erneuten Erhöhung der Sicherheitsleistungen für Silber-Futures.

Ziel der Maßnahme ist es, die extreme Volatilität einzudämmen und spekulative Übertreibungen zu bremsen – doch der Erfolg blieb bislang aus. Konkret erhöhte die CME die sogenannten Margins für Silber-Futures von bislang 9 auf 11 Prozent des Kontraktwerts für Händler mit normalem Risikoprofil. Für Marktteilnehmer mit erhöhtem Risikoprofil steigen die Anforderungen sogar von 9,9 auf 12,1 Prozent. Die Anpassung trat mit dem Handelsschluss am Mittwoch in Kraft und folgt laut Börse einer regulären Überprüfung der Marktrisiken. Auch bei Platin- und Palladium-Futures wurden die Margins angehoben.

Margin-Anhebungen verpuffen ohne Wirkung

Höhere Margins bedeuten, dass Händler deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen müssen, um Futures-Positionen zu halten oder neu zu eröffnen. Dies kann spekulative Aktivitäten verteuern und insbesondere kleinere Marktteilnehmer aus dem Handel drängen. In der Vergangenheit galten Margin-Erhöhungen häufig als probates Mittel, um überhitzte Märkte abzukühlen. Im aktuellen Silbermarkt scheint dieser Mechanismus jedoch nur begrenzt zu greifen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Terminbörse mehrfach eingegriffen. Damals wurden die Sicherheitsleistungen für Silber-Futures in mehreren Schritten erhöht, nachdem der Markt erste Anzeichen eines strukturellen Ungleichgewichts zeigte. Zusätzlich stellte die CME Anfang dieses Monats das Marginsystem für Edelmetalle um: Statt fixer Dollarbeträge werden die Anforderungen nun prozentual vom sogenannten Nominalwert berechnet. In stark steigenden Märkten führt dieses Modell automatisch zu höheren Kapitalanforderungen.

Denn die Dynamik der vergangenen Monate ist außergewöhnlich. Innerhalb von sechs Monaten hat sich der Silberpreis nahezu verdreifacht. Parallel dazu explodierte die erwartete Schwankungsbreite: Der CBOE-Silbervolatilitätsindex (VXSLV) hat sich im gleichen Zeitraum fast vervierfacht. Solche Werte deuten auf massive Unsicherheit und extrem starke Preisbewegungen hin – ein Umfeld, das klassische Stabilisierungseffekte zunehmend außer Kraft setzt.

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Silber (WKN: 965310)

Silberangebot scheint immer knapper zu werden

Ein weiteres Warnsignal kommt vom physischen Markt. Aktuell werden am Kassamarkt deutlich höhere Preise für Silber bezahlt als an den Terminmärkten. In funktionierenden Rohstoffmärkten ist üblicherweise das Gegenteil der Fall: Futures notieren meist über dem Spotpreis, da Lager-, Finanzierungs- und Versicherungskosten eingepreist sind. Die derzeitige sogenannte Backwardation signalisiert hingegen akute Knappheit und unmittelbaren Lieferbedarf.

Getrieben wird die Silber-Rallye vor allem durch eine ungewöhnlich starke physische Nachfrage, kombiniert mit spekulativem Interesse in einem vergleichsweise wenig liquiden Markt. Besonders Käufer aus China spielen dabei eine zentrale Rolle. In der Volksrepublik notiert Silber mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber den Preisen in London, selbst unter Berücksichtigung der 13-prozentigen Mehrwertsteuer für Importeure. Gleichzeitig zeigen börsengehandelte Anlagevehikel erste Spannungen: Chinas einziger reiner Silberfonds hat zuletzt neue Zeichnungen ausgesetzt, nachdem der Fonds mit ungewöhnlich hohen Aufschlägen gehandelt wurde.

Hinzu kommt eine strukturelle Angebotsknappheit. Der Markt für physisches Silber ist vergleichsweise klein, während industrielle Anwendungen – etwa in der Photovoltaik, Elektronik und Elektromobilität – weiterhin hohe Mengen binden. Logistische Engpässe verschärfen die Lage zusätzlich: Teilweise wurde Silber sogar per Luftfracht transportiert, um Lieferzeiten zu verkürzen – ein ungewöhnlicher Schritt, der die Dringlichkeit am Markt verdeutlicht.

Fazit: Vor diesem Hintergrund wirken die wiederholten Eingriffe der US-Terminbörse zunehmend wie der Versuch, einen außer Kontrolle geratenen Markt zu zügeln, dessen Treiber längst außerhalb der klassischen Futures-Strukturen liegen. Solange physische Knappheit, globale Nachfrage und geopolitische Unsicherheit zusammentreffen, dürften selbst deutlich höhere Margins kaum ausreichen, um die Silberrallye dauerhaft zu bremsen.

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