Steigende Ölpreise und anziehende Anleiherenditen haben die Kurse an der Wall Street am Mittwoch erstmals seit Tagen unter Druck gesetzt. Der anhaltende Konflikt zwischen den USA und dem Iran schürt Inflationsängste. Vor allem die zuletzt extrem gut gelaufenen KI-Aktien traf es hart.
Der US-Aktienmarkt hat am Mittwoch Abschläge verzeichnet. Der Dow Jones Industrial Average, der aus 30 der bedeutendsten börsennotierten US-Unternehmen besteht, verlor 619 Punkte oder 1,21 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 gab um 0,73 Prozent nach, der technologielastige Nasdaq Composite sank um 0,89 Prozent. Auslöser der Schwäche waren zwei miteinander verknüpfte Entwicklungen: steigende Rohölpreise infolge des eskalierenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie anziehende Renditen auf US- Staatsanleihen.
Ölpreise steigen wieder
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-amerikanischen Referenzsorte West Texas Intermediate stieg um 2,41 Prozent auf 96,02 US-Dollar. Die europäische Sorte Brent verteuerte sich um 1,89 Prozent auf 97,81 US-Dollar je Barrel. Grund dafür ist die erneute Eskalation im Nahen Osten: US-Streitkräfte führten nach eigenen Angaben Selbstverteidigungsschläge auf der iranischen Insel Qeshm durch, nachdem iranische ballistische Raketen und Drohnen abgewehrt worden waren. Kuwait meldete ebenfalls den Einsatz seiner Luftabwehrsysteme gegen feindliche Ziele. Unterdessen erklärte US-Präsident Donald Trump, der Iran habe zugestimmt, keine Atomwaffen zu entwickeln – fügte jedoch hinzu, das Land könne seine Meinung noch ändern.
Anleiherenditen steigen weiter
Parallel zu den Ölpreisen zogen die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen an. Die Rendite zehnjähriger Papiere näherte sich wieder der Marke von 4,5 Prozent, die Rendite dreißigjähriger Anleihen rückte an die Fünf-Prozent-Schwelle heran. Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Renditen durch einen überraschend starken Beschäftigungsbericht (ADP) für den Monat Mai sowie durch Daten, die zeigten, dass die Aktivität im Dienstleistungssektor im vergangenen Monat nur geringfügig langsamer expandierte als zuvor. Beides deutet auf eine robuste Wirtschaft hin und macht Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve immer unwahrscheinlicher.
Fed könnte Zinsen weiter erhöhen
„Was Sie heute sehen, ist ein Rückzug von der Vorstellung, dass Zinssenkungen einfach sein werden, wenn die Wirtschaft offenbar an Fahrt gewinnt", sagte Shawn Snyder, Wirtschaftsstratege bei Potomac Fund Management, dem US-Börsensender CNBC. Laut dem CME FedWatch Tool erwartet der Markt nun sogar bis Ende des Jahres mindestens eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt. „Sie (die Fed-Gouverneure, d. Red.) sehen nicht das Einbrechen der Nachfrage, das manche Experten erwartet hatten", so Snyder.
KI-Aktien im Abwärtssog
Besonders ausgeprägt waren die Verluste bei Aktien aus dem Bereich künstliche Intelligenz, die in den vergangenen Wochen stark zugelegt hatten. Nvidia büßte mehr als drei Prozent ein, Dell Technologies verlor ebenfalls rund drei Prozent, Oracle sank um mehr als fünf Prozent und Microsoft gab um drei Prozent nach. Nach Börsenschluss in den USA wird Broadcom , ein weiterer KI-Profiteur, Zahlen vorlegen. (Mehr dazu, wie diese ausgefallen in, lesen Sie hier).
Die Kombination aus steigenden Zinsen und geopolitischer Unsicherheit trifft hochbewertete Wachstumstitel besonders empfindlich, da steigende Abzinsungssätze künftige Gewinne im Barwert schnell erheblich entwerten können.
Steigende Ölpreise infolge eines Konflikts im Nahen Osten wirken direkt auf die Inflation – und erschweren damit der Federal Reserve die geldpolitische Manövrierfähigkeit. Für Anleger bedeutet das: Solange der Iran-Konflikt anhält und die Ölpreise erhöht bleiben, bleibt der Druck auf zinssensitive Marktsegmente bestehen. Ein nachhaltiger Rückgang der Renditen und eine Erholung der Wachstumstitel hängen maßgeblich davon ab, wie sich die geopolitische Lage in den kommenden Wochen entwickelt.
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