Im Streit mit der Schweizer Regierung werden die Drohungen der Großbank immer schärfer. Der Branchen-Koloss UBS droht nun sogar ganz offenbar mit Abwanderung aus der Alpenrepublik. Das ist der Grund.

Normalerweise gibt UBS-Boss Sergio Ermotti ganz den Gentleman. Doch dass der graumelierte Manager, der im italienisch-sprechenden Teil der Schweiz aufwuchs, auch ganz anders kann, wissen sie zum Beispiel in München nur zu gut, wo Ermotti einst als Konzernvorstand für die Division Multinationals/Investment Banking für die Unicredit in der übernommene HypoVereinsbank aufräumte.

2011 wechselte Ermotti zur UBS und ist dort – nach einem Zwischenspiel bei der Swiss Re, seit 2023 Chef der größten Bank im Land, der UBS. „Let me be very clear“, sagte Ermotti vergangene Woche in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „These developments do not and will not change who we are as a firm.“

Was Ermottis Puls in die Höhe treibt, sind die neuen Eigenkapitalvorschriften, die die Schweizer Regierung den Großbanken auferlegen will. Allen voran der UBS, deren Bilanzsumme von mittlerweile 1,7 Billionen Euro gut eineinhalb Mal so groß ist wie das Schweizer BIP. Die Frage ist längst nicht mehr, ob die UBS als Bank „too big to fail“ ist, sondern ob sie womöglich „too big to save“ für die trotz allem eher kleine Schweiz wäre.

UBS Group (WKN: A12DFH)

Auslandsgeschäft abspalten? Nicht mit Ermotti

Die Politik selbst hat diesen Koloss erschaffen, als die UBS im März 2023 geradezu dazu drängte, die schwer angeschlagene Credit Suisse zu schlucken. Doch nun, drei Jahre später, fordert der Rechtspolitiker Christoph Blocher öffentlich, die UBS solle ihr US-Geschäft abspalten. Dafür will Blocher die Bank dann von den neuen Kapitalvorschriften freistellen. Die besagen, dass die UBS ihre ausländischen Tochterbanken künftig zu 100 Prozent mit Eigenkapital hinterlegen muss und nicht mehr nur zu 60 Prozent wie im Schweizer Stammhaus.

Ermotti passt das gar nicht, denn er hat gerade damit begonnen, das US-Geschäft massiv auszubauen. Die neuen Kapitalvorschriften würden diese Strategie untergraben und empfindlich verteuern.

Milliarden für die Aktionäre reserviert

Wie weit die UBS und der Schweizer Bundesrat bei dem Thema auseinanderliegen, zeigen die Zahlen, die beide im Umlauf bringen. Während die Regierung glaubt, dass die UBS nach der neuen Regelung neun Milliarden Dollar zusätzlich aufbringen müsste, spricht der UBS-Vorstand von 22 Milliarden Dollar.

Ermotti nannte die Zahlen der Regierung „irreführend“. Doch das stimmt nicht ganz. Nach einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ ist ein Großteil der 22 Milliarden längst in der UBS-Bilanz gebunkert. Allerdings sind diese Milliarden nicht für die Regulierer bestimmt, sondern als Ausschüttung für die eigenen Aktionäre. Die warten nämlich auf die von Ermotti bereits angekündigten regelmäßigen Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe.

Ermotti will also seine Aktionäre glücklich machen, die Politik will dafür sorgen, dass sich die Bank in einer nächsten Krise selbst helfen kann und keine Staatsgarantien braucht. Meinungsforscher unken, dass eine allzu UBS-freundliche Regelung gar ein Referendum provozieren könnte, das für die UBS womöglich nicht günstig enden würde.

Wer nimmt den Schwarzen Peter?

Der UBS-Chef spricht davon, er werde die finale Entscheidung der Schweizer Politik abwarten. Selbst mit Gewinnausschüttungsplänen könnte er leben. Doch die Politik versteht auch die unverhohlene Drohung dahinter, die lautet: Wenn ihr uns nicht entgegenkommt, dann könnten wir auch umziehen. Raus aus der Schweiz, in ein Land mit günstigeren Regulierungsvorschriften. Die UBS wolle nicht mehr „von der eigenen Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen werden, kommentiert die Börsen-Zeitung. Die Frage ist allerdings, welches Land in Europa den Schwarzen Peter in Form eines 1,7 Billionen schweren Bankenkolosses es freiwillig bei sich aufnimmt.

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Häufige Fragen zum Thema

Ist die UBS die größte Bank in Europa?

Nein. Nach Marktkapitalisierung lag die UBS Ende April mit 101 Milliarden Euro in Europa auf Platz drei hinter der HSBC (238 Milliarden Euro) und der Banco Santander (136 Milliarden Euro). Nach Bilanzsumme rangiert die UBS sogar "nur" auf Rang acht (Stichtag 31.12.2025). Hier weisen die HSBC mit 2,99 Billionen US-Dollar, die BNP Paribas mit 2,8 Billionen und Crédit Agricole mit 2,7 Billionen Dollar deutlich höhere Bilanzsummen auf.

Zahlt die UBS regelmäßig Dividende?

Ja, die UBS hat zuetzt am 21. April 2026 eine Dividende von 1,10 US-Dollar für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgeschüttet.

Warum will die Schweiz die UBS nicht mehr retten?

Die Schweiz will im Ernstfall keine erneute Rettung der UBS durchführen müssen (wie zuvor bei der Credit Suisse im Jahr 2023), da die UBS nach der Übernahme der Credit Suisse im Verhältnis zum Schweizer BIP zu groß geworden ist und ein zu hohes Risiko für den Schweizer Staatshaushalt darstellt. Als systemrelevante Bank genießt die UBS eine Art implizite Staatsgarantie, die sie zu höheren Risiken ermutigen könnte. Der Bundesrat möchte diese Abhängigkeit verringern und die Eigenkapitalvorschriften verschärfen.