Wochenlang mussten die Vorstände von SAP und Siemens mitansehen, wie die Kurse ihrer Aktien wegen immer neuer KI-Agenten von Anthropic im sogenannten „KI-Trade“ heruntergeprügelt wurden. Jetzt holen Sie zum Gegenschlag aus – und kaufen den Newcomer.

KI-Agenten auf Basis des Large-Language-Models „Claude“ machten im ersten Quartal 2026 einer Branche nach der anderen an der Börse das Leben schwer: Ob Unternehmensberater, Juristen, Online-Autohändler oder wissenschaftliche Buchverlage wie Wolters Kluwer: Kaum tauchte in einer Branche ein neuer Agent auf, drückten die Investoren auf den „Verkaufen“-Knopf, nach dem Motto: Dieses Geschäft wird bald durch KI ersetzt.

Mit am härtesten traf es die Softwarebranche: Die Aktien von Adobe, ServiceNow und anderen brachen teilweise zweistellig ein. Und auch der deutsche Branchenriese SAP blieb nicht verschont. Seit Mitte Januar verlor die Aktie mehr als 30 Prozent.Zeitweise geriet sogar ein Industrieplayer wie die Siemens-Aktie unter Druck.

SAP (WKN: 879535)

Gegenargumente fruchteten nicht

Über Wochen bemühten sich SAP-Chef Christian Klein und Siemens-Boss Roland Busch, die Investoren davon zu überzeugen, dass Anthropic mit Claude nicht in der Lage sein würde, ihre Geschäftsmodelle obsolet zu machen – schon allein wegen der Tatsache, dass die Agenten gar nicht über die dafür notwendige Datenbasis verfügen. Doch es half nichts: Die Kurse blieben im Keller.

Doch dann strandeten die beiden DAX-Bosse zufällig auf einem Rückflug aus Asien am selben Flughafen – und liefen sich in der Business-Lounge einer Fluggesellschaft über den Weg. Bei Bratwurst und Bier entstand die spontane Idee zu einem Wahnsinns-Plan: Wir kaufen den nervigen Newcom einfach.

Plattner sieht neue Chance zur Revanche mit Ellison

Gesagt, getan: Das Plazet der Großaktionäre Dietmar Hopp und Hasso Plattner war schnell erteilt. Vor allem Plattner kann es kaum erwarten, seinem alten Dauer-Rivalen Larry Ellison, dem Oracle-Gründer, endlich auch auf dem Feld der KI das Wasser abzugraben. Busch hatte es da schon schwerer, die Siemens-Familie zu überzeugen. Doch schließlich willigte auch sie ein.

Denn der Deal ist nicht ohne Risiken: Schließlich wurde Anthropic zuletzt mit 380 Milliarden Dollar bewertet – das ist exakt so viel, wie SAP und Siemens derzeit zusammen an Börsenwert auf die Waage bringen.

Blue Owl finanziert den Deal

Also musste eine Finanzierung her. Doch auch den Partner dafür fanden die M&A-Experten der beiden Dax-Riesen schnell: Der Private-Debt-Spezialist Blue Owl Capital ist bereit, den Deal vorzufinanzieren. Es wäre zwar das mit Abstand größte Investment des ins Gerede gekommenen Finanzdienstleisters. Doch Blue Owl wittert die Chance, sein Klumpenrisiko im KI-Sektor mithilfe von Siemens und SAP endlich wieder zu reduzieren – und damit besorgte Anteilseigner in seinen Private-Debt-Fonds zu besänftigen.

Am Ende gibt es nur Gewinner

SAP und Siemens wollen einen Teil des Kredits sehr bald nach der Übernahme aus den zu erwartenden Kursgewinnen auf ihre selbst erworbenen Aktien bezahlen.

So gäbe es am Ende nur Gewinner. Selbst die Anthropic-Gründer Dario Amodei (CEO) und Daniela Amodei (Präsidentin) sollen begeistert sein. Denn dank der Übernahme können sie ihre Erfolgsstory noch schneller zu Geld machen, als es ihnen ein Börsengang je ermöglicht hätte.

Hinweis der Redaktion:

So schlüssig diese Story klingt – sie wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein. Aber am 1. April wird man als geschundener DAX-Aktionär ja wohl noch träumen dürfen.