Belastungen durch Zölle und wachsender Druck im Industriegeschäft haben dem Siemens-Konzern im ersten Jahresquartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Der hohe Auftragseingang und ein Aktienrückkaufprogramm sollen den Kurs stützen.
Der Technologiekonzern Siemens profitiert nach eigenen Angaben verstärkt von der Nachfrage nach KI-Lösungen aus der Industrie. Im zweiten Quartal des abweichenden Siemens-Geschäftsjahres verzeichneten die Münchener eine hohe Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren insbesondere in den USA sowie ein starkes Softwaregeschäft. Der starke Euro belastete dagegen Umsatz und Ergebnis, wie Siemens am Mittwoch vor Börsenstart mitteilte.
Unter dem Strich sank der Gewinn um acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Analysten hatten sich bei Umsatz und operativem Ergebnis etwas mehr erhofft, wobei das vergleichbare Wachstum im Rahmen der Erwartungen lag. Der Gewinn je Aktie ging jedoch um neun Prozent von zuvor 2,86 auf 2,60 Euro zurück. Die Analysten hatten laut Bloomberg im Schnitt mit 2,67 Euro gerechnet. Damit hat Siemens diese Schätzungen um 2,6 Prozent verfehlt.
Positiv zu verzeichnen ist der Auftragseingang: Der stieg in den Monaten Januar bis März um 11 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Das war mehr als Analysten zuvor erwartet hatten. Allerdings stagnierten die Umsätze bei rund 19,8 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis, also währungs- und portfoliobereinigt, stiegen die Erlöse um sechs Prozent.
Im Industriegeschäft hakt es
Grund für den Ergebnisrückgang ist vor allem das industrielle Geschäft: Hier sank das Ergebnis um acht Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Nur die Sparte Digital Industries, in der Siemens sein Automatisierungs- und Softwaregeschäft gebündelt hat, entwickelte sich stark. Dagegen sank das Ergebnis bei Mobility wegen Belastungen durch US-Zölle. Auch Smart Infrastructure wies ein schlechteres Ergebnis aus als im Vorjahr, allerdings hatte die Sparte 2025 von einem Verkaufserlös profitiert. Rechnet man diesen heraus, konnte sie sich in den meisten Geschäftsfeldern verbessern.
Die Medizintechniktochter Siemens Healthineers, die ebenfalls im DAX notiert ist, hatte bereits in der vergangenen Woche einen Gewinnrückgang gemeldet.
Jahresprognose leicht verändert
Siemens bekräftigte trotz allem seine Jahresprognose und hob sie sogar in Teilen leicht an. Für Digital Industries wurde der Konzern zum Beispiel etwas optimistischer und hob die unteren Enden der Spannen für Umsatzwachstum und Ergebnismarge an. Auch Smart Infrastructure dürfte ein etwas stärkeres vergleichbares Wachstum erreichen als gedacht. Bei Mobility senkte Siemens dagegen seine Umsatzerwartungen.
Davon, dass der Cashflow überraschend stark um 71 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro stieg, sollen auch die Aktionäre profitieren: Mit den Quartalszahlen kündigte Siemens ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von sechs Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre an. Das könnte der Aktie heute, trotz des alles in allem durchwachsenen Ergebnisses, zu Kurssteigerungen verhelfen.
Auf Tradegate eröffnete die Aktie am Morgen um 7:30 Uhr bei 268,90 Euro etwa 0,44 Prozent im Plus.
Regelmäßig up to date mit BÖRSE ONLINE
Siemens ist eine laufende Empfehlung der BÖRSE-ONLINE-Redaktion. Das jüngste Kursziel und den Stoppkurs finden Sie in Ausgabe 10/2026.
Wenn Sie regelmäßig schon am Mittwoch ab 10 Uhr spannende Aktientipps und aktualisierte Kursziel erhalten wollen, empfehlen wir das E-Paper-Probeabo von BÖRSE ONLINE: Jetzt 4 Ausgaben für nur 7,80 Euro erhalten.
Enthält Material von dpa-AFX