Europäische Bankaktien sind am Freitag kräftig gefallen, die Commerzbank besonders stark. Dahinter steckt weniger „Panik aus dem Nichts“ als ein Mix verschiedener Faktoren, die alle gleichzeitig auftraten.

Der Kursrutsch bei der Commerzbank kam nicht aus heiterem Himmel, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkte. Entscheidend ist, dass nicht nur ein einzelner Wert fiel, sondern fast der ganze Bankensektor. Wenn ein ganzer Bereich zugleich nachgibt, liegt der Grund oft eher beim Umfeld als bei einer neuen Meldung zu einer einzelnen Aktie.

Wie viele andere Branche zuvor kamen auch die Bankaktien im „KI Scare Trade“ unter die Räder. Dahinter steckt die Befürchtung, dass Anwendungen rund um die Künstliche Intelligenz auch die Margen im Banksektor unter Druck setzen könnten. Allerdings dürften hohe regulatorische Hürden diese Entwicklung erst einmal abbremsen. Doch wie schon bei anderen Sektoren zuvor gilt derzeit unter Händlern das Prinzip: „erst verkaufen, dann nachdenken.“

Was den Kurs vor allem bewegte

Eine größere und ganz akute Belastung für den Bankensektor sind die sinkenden Renditen am Anleihemarkt. Wenn die Renditen fallen, rechnet der Markt oft damit, dass das Zinsniveau mittel- und langfristig sinken. Banken aber verdiene in einem Niedrigzinsumfeld erfahrungsgemäß weniger, weil sie dann mit geringeren Margen operieren müssen.

Bei der Commerzbank ist dieser Effekt überdurchschnittlich groß, weil sei ein großes Kreditbuch führt und somit ein großer Teil des Gewinns am Zinsgeschäft hängt. Wenn Anleger also ihre Erwartungen an das Zinsumfeld nach unten schrauben, trifft es die Aktie meist stärker als Banken, die breiter in anderen Segmenten verdienen; zum Beispiel die Deutsche Bank mit Handelsgeschäft und dem Investmentbanking.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Was das für Aktionäre heißt

Nach dem Rücksetzer ist die Bewertung der Commerzbank wieder auf ein KGV von elf gefallen und liegt damit auf Sektor-Niveau. Der Aufschlag infolge der Übernahme-Fantasie rund um Unicredit ist erst einmal verflogen.

Charttechnisch rückt nun die 200-Tage-Lini ein den Fokus, die derzeit bei etwa 31,60 Ero verläuft. Diese sollte die Aktie nun am besten nicht nachhaltig – das heißt: für mehrere Tage – unterschreiten. Da zu erwarten ist, das der Markt diese Niveau testet, weil es nur noch weniger als fünf Prozent vom aktuellen Kurs entfernt ist, warten Anleger dieses Ereignis am besten erst einmal ab, bevor sie neue Positionen aufbauen.

Die BÖRSE ONLINE-Redaktion hatte zuletzt im November 2025 ein Kursziel von 36,50 Euro ausgegeben. Der Stopp liegt bei 27 Euro, Vorsichtige heben ihn auf knapp unter 29 Euro an.

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.