Warum der Aktienkurs des Entwicklers von Autochips aus Leverkusen aktuell so stark zulegt - und wie die SDAX-Firma bis zum Ende des Jahrzehnts ihren Erlös um gut 30 Prozent steigern will.
Eigene Fabriken, Fabs, sind immer seltener ein Vorteil für Chipentwickler, weil sie viel Kapital und eine regelmäßige Modernisierung benötigen. Bei Firmen mit vergleichsweise kleinen Erlösen und Fertigungsvolumen ist dieses Geld deshalb in der Entwicklung neuer Produkte deutlich besser angelegt. Elmos Semiconductor schloss den Verkauf seiner Fab an die US-Firma Littelfuse im Dezember 2024 ab und sicherte sich beim neuen Eigentümer auch die Kapazitäten für künftige Produktionen. Bis 2030 will die SDAX-Firma aus Leverkusen mit Chips für Autos nun erstmals eine Milliarde Euro erlösen.
Das ist ambitioniert: Für 2026 erwarten Analysten bei 640 Millionen Erlös rund 189 Millionen Euro operativen Gewinn (Ebita). Beim Ebitda haben die Leverkusener während der vergangenen fünf Jahre jedoch überdurchschnittlich stark zugelegt, im Schnitt um gut 26 Prozent pro Jahr — auch wenn 2025, wie bei der Konkurrenz, voraussichtlich ein Rückgang verbucht wurde. Mit geschätzten neun Prozent ist dieser aber moderat. Die Bilanz für 2025 legt Elmos am 24. Februar vor und wird dann auch Aktuelles über Lagerbestände bei Kunden berichten, die den Konzern im vergangenen Jahr ausgebremst haben.
In jedem Neuwagen weltweit sind acht Elmos-Chips
Analysten gehen von einem wieder stärker anziehenden Geschäft aus. Sie trauen Elmos für dieses und das nächste Jahr jeweils 14 Prozent mehr Gewinn zu. Im Vergleich zu Primus Infineon, der rund die Hälfte von zuletzt 14,7 Milliarden Euro mit Autochips einfährt, ist Elmos um ein Vielfaches kleiner. Dennoch sind die Leverkusener in ihren Sparten jeweils in den Top Drei und setzen sich dort auch gegen deutlich größere durch. Mindestens acht verschiedene Halbleiter von Elmos sind nach Angaben des Unternehmens im Durchschnitt in jedem Neuwagen verbaut, der weltweit verkauft wird.
Beim autonomen Fahren größer als Bosch
Bei Chips für Ventile, Pumpen, Lüfter und Klimaklappen für die Temperatursteuerung von Motor, Batterie und im Innenraum ist Elmos vorn: vor Melexis und TDK-Micronas, einer Tochter des japanischen Tech-Konglomerats TDK. Auch bei Halbleitern für LED-Beleuchtung sind die Deutschen führend — vor Melexis, Texas Instruments und Infineon. Bei Sensoren und Chips zur Erkennung von Objekten in Assistenzsystemen und beim autonomen Fahren ist Elmos nach eigenen Angaben größer als Bosch und US-Chipentwickler Onsemi. Bei Halbleitern für Bremssysteme rangiert das Unternehmen zwischen Melexis und Renesas auf Platz zwei. Bei Airbag-Sensoren sind nur ST Microelectronics und Renesas größer als die SDAX-Firma.
An der Börse dürfte die Stärke in den Nischen zur geringen Schwankungsbreite der Aktie nach unten beitragen. Der größte Jahresverlust seit 2015 sind 15 Prozent. Seit dem allgemeinen Tief an den Börsen Anfang April 2025 hat sich Elmos’ Börsenwert mehr als verdoppelt.
Dieser Artikel stammt aus BÖRSE ONLINE 08/2026
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