Unicredit-Chef Andrea Orcel erhöht den Druck auf die Commerzbank: In einem „Börse Online“-Interview kritisiert er die Verweigerung von Gesprächen seitens des Coba-Vorstands und stellt sogar eine Nachbesserung des Tauschangebots in Aussicht. 

Unicredit-Chef Andrea Orcel hat der Commerzbank vorgeworfen, sich Gesprächen mit den Italienern zu verweigern. „Die Commerzbank hat es bislang abgelehnt, Annahmen gemeinsam zu prüfen. Das macht es schwierig, Vorschläge umfassend zu beurteilen“, sagte der CEO der italienischen Großbank in einem Interview mit dem Finanzmagazin „Börse Online“ (Ausgabe 20 vom 8.5.2026).  

Nachbesserung des Angebots nicht ausgeschlossen

Gleichzeitig deutete Orcel in dem Interview an, das Tauschangebot für die freien Commerzbank-Aktionäre noch einmal zu überdenken, das Unicredit am Dienstag vorgelegt hatte. Es wurde vielfach als unzureichend kritisiert. „Unicredit hat bereits deutlich gemacht, dass sie grundsätzlich offen dafür ist, die Angebotskonditionen potenziell zu überprüfen, sollte die Commerzbank in einen konstruktiven, detaillierten Dialog eintreten, der verschiedene Bedenken ausräumen könnte“, sagte Orcel.

Ein solcher Dialog könne für Unicredit die Transparenz hinsichtlich der Annahmen, der Umsetzungshebel und der Risiken verbessern „und möglicherweise den Wert, den wir gemeinsam generieren könnten, optimieren“, ergänzte der Unicredit-Chef.

Unicredit-Chef: Einsparungen fallen „deutlich geringer“ aus als spekuliert

In dem Interview warb Orcel für das Übernahmekonzept von Unicredit, das der Commerzbank eine „breiter aufgestellte, gut positionierte europäische Plattform verschaffe, mit mehr Größe, Effizienz und gesteigerter langfristiger Wettbewerbsfähigkeit“. Auch die Einsparungen in Deutschland würden „deutlich geringer ausfallen als öffentlich spekuliert. Es gäbe Reinvestitionen in Mitarbeiter, Technologie und Infrastruktur“.

Im Gegensatz dazu würde die Commerzbank mit ihrer eigenen „Momentum“-Strategie bis 2028 „bei Kosteneffizienz, Kapitaleffizienz und Rentabilität weiterhin hinter dem Sektor und ihren Wettbewerbern zurückbleiben, mit begrenzten Puffern für makroökonomische Schocks oder Umsetzungsrisiken.“ 

Das komplette Interview lesen Sie in der neuen BÖRSE ONLINE-Ausgabe 20/2026, die Sie heute hier schon als E-Paper kaufen können.

Alle Daten, Fakten und Fristen zum Übernahmeangebot der Unicredit an die Commerzbank finden Sie hier.

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Häufige Fragen zum Thema?

Wieviel bietet Unicredit für die Commerzbank?

Unicredit hat am 5. Mai 2026 ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank abgegeben. Danach bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie. Eine Barkomponente gibt es nicht. Auf Basis eines Unicredit-Kurses vom Dienstag von rund 67 Euro (Stand 5.5.2026) entsprach das etwa 32,50 Euro 31,52 je Commerzbank-Aktie.

Wie reagiert der Markt?

Beide Aktien legten nach Vorlage des Angebots deutlich zu. Commerzbank-Aktie notiert bereits seit Wochen über dem rechnerischen Angebotspreis von Unicredit, den die Italiener am 16. März erstmals in einer Pressemitteilung genannt hatten. 

Sollten Commerzbank-Aktionäre dem Tausch zustimmen?

Dafür ist das Angebot bisher zu niedrig. Analysten und Investoren rechnen jedoch mit einer Anhebung der Offerte. Auch Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich diese Option offen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.