Dass bei Autokonzernen immer noch gut verdient wird, ist bekannt. Dass aber ein Ex-Chef, der schon seit drei Jahren ausgeschieden ist, mehr Gehalt einstreicht als sein noch aktiver Nachfolger, dürfte in der deutschen Wirtschaftsgeschichte beispiellos sein.

Der Geschäftsbericht des VW-Konzerns für 2025 hält für Aktionäre wenig Erfreuliches bereit: sinkender Umsatz, halbierter Betriebsgewinn, weniger Dividende – und ein indiskutables Ergebnis der Sportwagentochter Porsche, die gerade mal 90 Millionen Euro zum operativen Gewinn von 8,9 Milliarden Euro beitragen konnte.

Nur einer dürfte sich freuen, wenn er das Werk durchblättert: Der frühere VW-Konzernchef Herbert Diess, der den VW-Konzern Ende August 2022 „im Einvernehmen“ verlassen hat. Diess vereinbarte damals keine Abfindung, sondern handelte stattdessen eine „vertragsgemäße Vergütung“ für die restliche Laufzeit seines Vertrags aus. Da der erst im Juli 2021 verlängert worden war, endete das Beschäftigungsverhältnis erst am 24. Oktober 2025. Und das hat sich für den früheren BMW-Manager richtig ausgezahlt, wie Seite 61 des Geschäftsberichts 2025 zeigt.

Amtierender VW-Chef Blume verdiente 1,6 Millionen Euro weniger

Demnach erhielt Diess nämlich neben seinem Grundgehalt von 2.199.565,25 Euro auch einen Jahresbonus von 3,258 Millionen Euro sowie einen Langzeitbonus von 2,275 Millionen Euro. Zusammen mit Pensionszahlungen (126.075,20 Euro), weiteren Nebenleistungen sowie Versorgungsaufwendungen in Höhe von 1.078.773 Euro ergibt sich für Diess eine Gesamtsumme von 9.011.030,98 Euro. Das ist zwar weniger als die maximal erreichbaren 15 Millionen Euro im Jahr, aber deutlich mehr als beim amtierenden VW-Chef Oliver Blume. 

Blume verdiente statt des möglichen Maximalgehalts von 15 Millionen Euro „nur“ 7,42 Millionen Euro (inklusive Versorgungsaufwendungen). Im Vorjahr waren es noch 10,35 Millionen Euro gewesen. Der Rückgang hängt unter anderem mit einem freiwilligen Gehaltsverzicht des Vorstands zusammen: Im Zuge des 2024 vereinabrten Sparprogramms hatten die Bosse auf rund elf Prozent verzichtet, was knapp 493.000 Euro entspricht. Gleichwohl erhielt er 2025 auch noch 1,085 Millionen Euro Grundvergütung für den Chefposten bei Porsche , den er bisher in Personalunion ausübte, sowie einen IPO-Bonus für den Porsche-Börsengang in Höhe von 371.359 Euro. Auch Blume erhielt übrigens einen Jahresbonus (2,002 Millionen Euro) und einen Langzeitbonus (1,187 Millionen Euro) von VW. Nur der Bonus für Porsche beträgt 2025 null.

An welche Kennzahlen diese Boni geknüpft waren, erschließt sich nicht. Im Falle von Diess ist es auf jeden Fall erstaunlich, wie solche Summen zustande kommen können, wenn man bedenkt, dass der Aktienkurs seit seinem Abgang um 40 Prozent einbrach und das operative Ergebnis sogar um 60 Prozent von 22,1 auf 8,9 Milliarden Euro.

Auch andere ausgeschiedene Vorstände erhielten 2025 noch Zahlungen von VW. Doch keiner erreichte annähernd die Dimensionen von Herbert Diess. Der hat offenbar besonders gut verhandelt.

Cashflow-Wunder half beim Bonus

Eine wichtige Kompnneten für das Ereichen der Bonusschwelle für den VW-Vorstand soll übrigens die wundersame Cashflow-Vermehrung um sechs MIlliarden Euro gewesen sein, die VW-Chef Blume und sein Finanzvorstand Arno Antlitz am Dienstag mit der Vorlage der Geschäftszahlen nur nebulös erklärten. Immerhin profitietren auch die Aktionäre davon. Die Dividende DIvidende je Vorzusgaktier soll 5,26 Euro betragen. Das sind 17 prozent weniger 2025 - aber mehr als Analysten erwartet hatten.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

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