Der kleine ­Maschinenbauer hat eine ­revolutionäre Technik zur ­Bearbeitung von Glas entwickelt. Das könnte Kaufinteressenten auf den Plan rufen.

Manchmal dauert es viel länger als gedacht. Schon 2017 hat der kleine Maschinenbauer LPKF Laser & Electronics das Lide-Verfahren ­vorgestellt. Lide ist hierbei die Abkürzung für Laser Induced Deep Etching, eine Tiefenätzung mit Laser zu Mikroverarbeitung von Glas. Glas ist wegen seinen Eigenschaften für viele Anwendungen ein idealer Werkstoff, die Verarbeitung von ganz dünnem Glas ist aber sehr schwierig. Weil Lide dieses Problem löst, erwartete das Unternehmen in vielen Bereichen wie etwa Displays, Halbleiter und Medizintechnik viele Aufträge. Doch die kamen nicht in größerem Umfang.

Das Unternehmen war gemessen an seiner Größe auch nicht in der Lage, die Vertriebsbemühungen auf weitere und neue Bereiche auszudehnen. Gleichzeitig war auch der Markt noch nicht bereit, sich neu aufzustellen. Das Management konzentrierte sich in der Folge auf Halbleiter und Displays, entwickelte Maschinen und setzte diese in Pilotproduktionen bei Kunden ein. Und nun könnte in zwei Bereichen der Durchbruch gelingen. Faltbare Displays bei Mobiltelefonen sind etwa ein Bereich, in dem die Technik zur Anwendung kommen könnte. Es wird spekuliert, dass unter anderem Apple an so einem Produkt arbeitet.

Infobox LPKF

Begehrte Patente auf Zukunftstechnik

Viel akuter ist der Bedarf jedoch im Halbleiterbereich. Die großen Konzerne hatten bisher keine Motivation, die laufende Produk­tion umzustellen. Doch nun sind sie auch durch den Bedarf an neuen Halbleitern für die KI-Rechenzentren bei der herkömmlichen Technik an physikalische Grenzen gekommen. Beim neuartigen Hybrid Bonding, einem Verfahren zum Stapeln der Chips, müssen die Oberflächen sehr glatt und vor allem selbst bei höheren Temperaturen stabil sein. Das ­erfüllt Glas.

Und LPKF hat sich in dem bisher sehr kleinen Markt die Marktführerschaft und vor allem die Technik mit einem engmaschigen Netz an Patenten geschützt. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen schon mit nahezu allen großen Anbietern der Wertschöpfungskette zur Halbleiterfertigung zusammen. Damit ist das Unternehmen sehr gut positioniert, sollte die Nachfrage mit der nächsten Halbleiter­generation deutlich anziehen.

Viele große Firmen testen die Zukunfts­technik von LPKF. Daraus ergibt sich für Anleger eine doppelte Chance: Erstens kommen neue Aufträge, was den Kurs antreiben sollte. Vorstellbar ist aber auch, dass einer der Halbleiterriesen oder ­einer der großen Zulieferer die Firma kauft und das Potenzial der Technik in anderen Bereichen erschließt. In beiden Fällen ist eine Verdopplung des Aktienkurses möglich. 2021, als zum ersten Mal auf ­einen Durchbruch der Lide-­Technik gesetzt wurde, stieg die Aktie auf fast 30 Euro.

Fazit

LPKF hat keinen strategischen Großaktionär. Größter Anteilseigner ist die Investmentfirma Active Ownership, die sicherlich in erster Linie an hohen Wert­steigerungen interessiert ist.

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