Mercedes-Benz trennt sich von einem Teil seiner deutschen Autohäuser. Der radikale Schritt könnte an der Börse neue Kursfantasie wecken, denn damit verlassen zunächst rund 1.500 Mitarbeiter den Konzern. Es könnten aber noch mehr werden.

Update 22:41 Uhr: Zunächst war laut "Bild" die Rede von einem Verkauf allen konzerneigenen Autohäusern und bis zu 8.000 Mitarbeitern. Dies Zahl haben wir korrigiert. 

Die deutschen Autohersteller stehen unter extremem Kostendruck und die Einschnitte werden immer tiefer – auch bei Mercedes.

Nach einem Bericht der BILD-Zeitung vom Dienstagabend wollen die Stuttgarter ihre deutschen Niederlassungen verkaufen. Der Konzern betreibt in Deutschland eigene Autohäuser an rund 20 Standorten. Ganz so weit ist es aber offenbar noch nicht. Kurz nach der Meldung der BILD bestätigte Mercedes gegenüber "FOCUS Online", dass der Konzern seine sieben Autohäuser in Berlin und Brandenburg verkauft. Betroffen seien davon rund 1.500 Mitarbeiter. 

Die konzerneigene Niederlassung Berlin-Brandenburg werde von der im Vereinigten Königreich sitzenden Global Auto Holdings (GAHL) übernommen. Hinter ihr steht der kanadische Investor Kuldeep Billan, der über seine Alpha Auto Group Autohäuser in Großbritannien, Kanada und den USA betreibt. Viel mehr ist über den Investor nicht bekannt.

Den Mitarbeitern sei der Schritt am Montag per Mail mitgeteilt worden, meldet Bild.de. Es geht um Jobs in Verwaltung, Verkauf, Marketing, Kfz-Werkstätten, Vertrieb. Ob Mercedes zu einem späteren Zeitpunkt den Verkauf weiterer Niederlassungen plant, blieb zunächst offen.

Für die Beschäftigten ist das eine Hiobsbotschaft. Aus Sicht der Aktionäre bedeutet es ganz kühl: Mercedes entledigt sich eines großen Kostenblocks, bindet weniger Kapital und fokussiert sich stärker auf das Kerngeschäft. Damit steigt potenziell die Rendite.

Warum der Deal spannend ist

Die Mercedes-Benz-Aktie war zuletzt an der Börse kein Überflieger. Aktuell wird sie bei rund 50 Euro gehandelt, seit Jahresanfang hat sie schon rund 18 Prozent verloren. Operativ lief es zuletzt besser: Im ersten Quartal 2026 meldete Mercedes-Benz trotz schwieriger Märkte solide Zahlen, einen starken freien Cashflow und eine immer noch hohe Nettoliquidität von rund 33,8 Milliarden Euro.

Hart gesagt kann ein Verkauf der eigenen Autohäuser wertstiftend sein, weil Mercedes sich damit von einer kapitalintensiven Struktur trennt und das Geld für profitablere Bereiche nutzen kann: für die Entwicklung neuer Technologien, die Verbesserung der Margen, Aktienrückkäufe oder Dividenden. Statt Geld in Immobilien, Personal und Vertriebseinheiten zu binden, könnte der Konzern den Fokus auf die Marke und das höhermargige Luxusgeschäft legen.

Gibt es Risiken?

Natürlich ist so ein Deal kein Selbstläufer. Mercedes ist darauf angewiesen, dass der neue Besitzer weiterhin erfolgreich die Marke mit dem Stern verkauft – am besten exklusiv. Der hierzulande noch weithin unbekannte Investor Billan wird dafür in Berlin und Brandenburg auch einige der bisherigen Mitarbeiter übernehmen. Wie viele und zu welchen Konditionen, sei aktuell noch völlig unklar.

Für Anleger wäre der Autohaus-Verkauf damit mehr als nur ein Personal- und Vertriebsthema. Er könnte zum Signal werden, dass Mercedes radikal auf Effizienz trimmt. Solche Signale mag die Börse oft lieber als große Worte.

Die Aktie reagierte am Dienstagabend zunächst noch nicht.

Mercedes-Benz (WKN: 710000)

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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Mercedes-Benz.